Christsein mitten im Alltag

Caritas-Geschäftsführer Michael Groß und sein Buch über Gott

Der Glaube gehört nicht nur ins stille Kämmerlein, sondern mitten in den Alltag, findet Caritas-Geschäftsführer Michael Groß und hat ein Buch darüber geschrieben. | Foto: K. Bub2019/08/DSC_0789.jpeg

NÜRNBERGER LAND – Michael Groß ist Geschäftsführer des Caritasverbands im Nürnberger Land. Vor kurzem hat er ein Buch über seine ganz persönliche Suche nach Gott geschrieben. Und den will er nicht etwa in der Stille und Abgeschiedenheit finden, sondern mittendrin im Alltag.

„Was wäre das für ein Gott, der nur im Kloster zu finden ist“, sagt Michael Groß. Der reine Sonntagsglaube für die Schönwetterzeit des Lebens helfe letzten Endes doch keinem weiter. Im Alltag müsse Gott erfahrbar sein und eine Rolle spielen. Und genau da hat sich Groß auch auf die Suche nach ihm begeben und seine Erfahrungen in sehr persönlichen Kapiteln niedergeschrieben.

„Schmierige“ Zeiten

Da ist vom Alleinsein die Rede und vom Kranksein, von der „schmierigen Gegenwart“ und von Intrigen, von Zeiten der Verzweiflung, von der eigenen Unzulänglichkeit und vom Weglaufen-Wollen aus der unschönen Realität. Doch gerade in diesen Momenten gelte es, nicht lockerzulassen, die Suche nach Gott nicht aufzugeben – ganz wie es der Titel des Buches sagt: „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“. Er bezieht sich auf eine Bibelstelle, in der Jakob mit einer unbekannten Gestalt ringt und sie nicht loslässt, bis er den Segen von ihr erfährt. Auch Groß spart in seinem Buch die schönen, segensreichen Momente nicht aus, berichtet von spirituellen Erfahrungen, vom „Feuer, das Kraft und Begeisterung gibt“.

Michael Groß ist in Köln in einer gläubigen Familie aufgewachsen, war in seiner Jugend Ministrant und studierte später Theologie. Die Suche nach Gott beschäftige ihn schon sein ganzes Leben, erzählt der Familienvater, der sein Buch seinen vier Kindern gewidmet hat.

Worte und Taten

Vier Jahre lang arbeitete Groß in der Seelsorge in Nürnberg. Seit 13 Jahren ist er bei der Caritas – für ihn weit mehr als ein bloßer Job. „Ich sehe die Caritas nicht als Unternehmen mit Gewinnorientierung“, erklärt er. Natürlich müsse auch er die Geschäfte kaufmännisch klug führen – als Mittel zum Zweck. Und der Zweck sei, das Soziale in der Gesellschaft zu stärken. „Ich möchte das Christliche in der eigenen Organisation nicht nur behaupten, sondern auch sprachfähig machen“, sagt Groß.

Und so befassen sich einige Kapitel in seinem Buch auch mit der „Würde unserer Arbeit“. „Wir müssen unsere Arbeitsbedingungen gestalten, so dass sie menschen- und familienfreundlich sind, so dass sich jeder entfalten kann, so, dass sie gerecht sind“, schreibt er und spart dabei auch nicht an Selbstkritik und Selbsterkenntnis. „Was ich in meinem Team vermisse, das muss ich zuerst auch selbst geben“, heißt es im Buch. Es sei eben „nicht damit getan, dass wir ins Leitbild schreiben, wir seien ein christliches Unternehmen oder eine Stabsstelle Pastoral oder Spiritualität einrichten“.

Gute Führung bedeute, „zu mir zu stehen und mich mit meinen Schwächen anzunehmen und zu zeigen, aber auch die Fehler der Kollegen und Kolleginnen anzunehmen und vorzuleben, dass Christlichkeit nicht dann aufhört, wenn es schwierig wird, sondern dann eigentlich erst beginnt.“

Groß will sein Christsein leben, nicht nur am Sonntag. Und so spricht er auch über globale Verantwortung, über den Klimawandel, den totalen Markt und die gesellschaftliche Spaltung. Er bezieht sich dabei auch auf Papst Franziskus, wenn er betont, dass es darum gehe, „Langeweile auszuhalten, Beziehungen nicht einfach wegzuwerfen, der Habgier im eigenen Herzen zu widerstehen und zu schenken, zu spenden, Zeit zu spenden, damit wir Menschen unsere Würde und innere Freiheit wiederfinden.“

Klar und deutlich

Wie aber finde ich nun Gott, wenn ich bislang wenig mit Glauben und Spiritualität am Hut hatte? Groß rät, die „Augen der Seele“ zu öffnen, sich ganz auf sich selbst einzulassen und der eigenen Sehnsucht nachzuspüren. „Wenn wir daran glauben können, dass auf der anderen Seite wirklich jemand ist, der uns nicht fallen lässt, dann können wir daraus die Kraft schöpfen, um zu sagen, was wir wirklich denken. In Bescheidenheit und in Demut, aber in Klarheit.“

Der Appell von Michael Groß ist deutlich: „Es ist nicht damit getan, dass wir nur in unserem stillen Kämmerlein innendrin für uns die Religion genießen wollen und dann ist es gut. Sondern es kommt darauf an, dass wir aus uns herausgehen und Verantwortung übernehmen für unsere Welt und es aushalten, dass jemand danach vielleicht beleidigt ist, wenn wir gesagt haben, was zu sagen war. Aber wenn wir überzeugt und gerufen sind, es auszusprechen, sollten wir es wohl tun.“

Das Buch von Michael Groß „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Gott suchen und finden im täglichen Leben“ ist für 8,99 Euro im Buchhandel erhältlich.

N-Land Katja Bub
Katja Bub