Streit um alte Bahntrasse

Buckel auf dem Bocklweg

Auf welcher technisch-historischen Trasse sie da ihrer Radellust frönen, wissen die wenigsten der Pedalos, die den Radweg nutzen. Das soll sich ändern, fordert die SPD-Fraktion schon lange. Foto: Gisa Spandler2020/02/Unterferrieden-Bocklweg-scaled.jpg

UNTERFERRIEDEN – Nach einer harmonischen Haushaltssitzung, in der viel gedankt und gelobt wurde, ist man im Burgthanner Gemeinderat doch noch ein wenig aneinandergeraten. Die Mitglieder der SPD warfen der Verwaltung vor, Gemeinderatsbeschlüsse nicht umzusetzen beziehungsweise dem Gremium nicht mitzuteilen, wenn die Realisierung nicht möglich ist. Festgemacht wurde das an einem alten Beschluss zur touristischen Aufwertung des Bocklwegs, der bis heute nicht umgesetzt wurde.

Dass man hier praktisch nichts machen könne, sagte daraufhin Bürgermeister Heinz Meyer, und dass man darüber dann auch informiert werden wolle, verlangte SPD-Gemeinderat Dr. Eckhard Töpert. Dies sei geschehen, behauptete wiederum der Rathauschef, und Töpert konterte, dass dem eben nicht so sei.

Die Geschichte nahm bereits 2012 ihren Lauf. Damals hatte die SPD im Gemeinderat den Antrag gestellt, den sogenannten Bocklweg, die stillgelegte Bahntrasse von Unterferrieden über Pyrbaum nach Allersberg, die als Radweg genutzt wird, durch Info-Tafeln und ähnliches aufzuwerten. Da der Weg über die Grenzen der Gemeinde und des Landkreises hinausführt, war klar, dass man die betroffenen Kommunen des Landkreises Neumarkt und Roth mit ins Boot holen müsste, was angesichts des damals bereits existierenden Aktionsbündnis Oberpfalz Mittelfranken (AOM) nicht zu schwierig sein sollte – insgeheim hoffte man auch auf Zuschüsse.

Zustimmung von allen Seiten

Damals gab es uneingeschränkte Zustimmung im Gemeinderat von allen Seiten, der Antrag ging ohne Gegenstimme durch und der Bürgermeister kündigte an, ein Konzept zu entwickeln und sich beim Naherholungsverein Lorenzer Reichswald wegen einer Bezuschussung zu informieren.

Das war’s dann aber auch schon fast, behaupten die SPD-Räte. Im Wahlkampf 2014 wiesen die Sozialdemokraten bei einer Ortsbegehung darauf hin, dass noch nichts geschehen sei. Niemand wüsste zum Beispiel, dass auf diesem Weg in der Lach die europäische Hauptwasserscheide verlaufe. 2015 passierte allerdings doch etwas, das von verschiedenen Seiten begrüßt wurde und den Radweg, zumindest am Rande, aufwertete: In der Nähe des Kapplerhofes wurde mit vereinten Kräften eine kleine Streuobstwiese mit einer Sitzgruppe angelegt, zu der auch eine Info-Tafel gehört. Die Väter des kleinen Obstangers sind neben der Gemeinde der Bund Naturschutz, die Sparkasse Nürnberg, der Landschaftspflegeverein und der Obst- und Gartenbauverein Unterferrieden. Doch so wertvoll wie die angelegte Streuobstwiese auch sein mag, die Intention, technisch-historische Aspekte der alten Bahntrasse ins Bewusstsein zu rücken, wurde nicht weiter verfolgt.

Auch mit der Verwirklichung der über zehn Jahre alten Renaturierungspläne in der Lach ist die SPD nicht zufrieden, wie sie in einem weiteren Antrag, den sie im November 2019 in den Rat einbrachte, mitteilte. Damals hatte der Bürgermeister die Situation damit begründet, dass etliche der benötigten Grundstücke in Privatbesitz seien und zudem die Lach doch schon in einem ganz guten, natürlichen Zustand sei. Die SPD-Räte nahmen das zur Kenntnis, baten jedoch darum, dass die Verwaltung solche Informationen bitteschön dem Gremium mitteilen möge, wenn es um einen Gemeinderatsbeschluss geht, der sich nicht wie vorgesehen umsetzen lasse. Genau dies war in der jüngsten Sitzung wieder Thema. Ein erneuter Antrag der Sozialdemokraten wurde vorgelegt, in dem knapp darauf hingewiesen wurde, dass für die touristische Aufwertung des Bocklwegs ein Beschluss vorliege, bereits im Haushalt 2013 Mittel dafür vorgesehen waren und dennoch nichts passiert sei. „Sollte es Gründe geben, diesen Beschluss nicht umzusetzen, müsste dies dem Rat in öffentlicher Sitzung mitgeteilt werden“, wurde verlangt. Danach wurde es hitzig.

Heftiger Schlagabtausch

Bürgermeister Meyer bestand darauf, dass es im April 2018 eine derartige Information für die Gemeinderäte gegeben habe, und wiederholte, was er bereits in früheren Diskussionen angeführt hat, nämlich, dass man den Bocklweg nicht so einfach herrichten könne. Erstens hätte sich einen Teil der Wegränder „die Natur zurückgeholt“ und die würden auch von Anliegern genutzt, zweitens hätten Pyrbaum und Allersberg signalisiert, dass sie sich hier nicht engagieren wollten.

Wolfgang Lahm (SPD) erklärte, es sei für die SPD neu, dass sich die AOM-Gemeinden nicht beteiligen würden, und Dr. Töpert erinnerte daran, dass es in erster Linie ja um Schautafeln gehen sollte und Möglichkeiten, über die historische Bedeutung zu informieren: „Es ging doch gar nicht um den Weg.“ Margarete Becker (Grüne) stimmte dem zu, aber der Bürgermeister wollte zunächst Luft aus der Diskussion nehmen und schlug vor: „Wir wollen uns dem mal wieder ohne Emotionen widmen.“ In Ruhe solle man klären, was man machen wolle und könne.

„Beschluss wurde nicht umgesetzt“

Damit wollte sich Töpert aber nicht zufrieden geben und wandte ein, man habe das doch bereits angesprochen und auch beschlossen: „Das war ein Gemeinderatsbeschluss, der nicht umgesetzt wurde“, beharrte er. Der Bürgermeister dagegen war sich sicher, dass dem Rat mitgeteilt wurde, dass in der Angelegenheit nichts zu machen sei. Nachdem die Diskussion kurz hochgekocht war, bemühten sich beide Seiten wieder um Sachlichkeit und bekannten sich zu dem Prinzip, dass Beschlüsse, die nicht realisierbar sind, noch einmal im Rat thematisiert werden sollten.

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N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler