Anklage wegen Körperverletzung

Beziehungstat landete vor Hersbrucker Amtsgericht

Weil er seine Freundin geschlagen hatte, musste ein 26-jähriger Röthenbacher vor Gericht. | Foto: AungMyo - stock.adobe.com2019/06/AdobeStock_258994457.jpeg

HERSBRUCK – Wegen Körperverletzung musste sich ein 26-Jähriger vor dem Hersbrucker Amtsgericht verantworten. Der Mann hatte im Februar dieses Jahres seiner Freundin mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Mittlerweile sind die beiden verlobt.

Schon dunkel war es, als Hashim Mengjiqi (Name von der Redaktion geändert) in den Abendstunden des 6. Februar dieses Jahres einen Wagen verfolgt hatte. Darin: seine Freundin, gemeinsam mit dem Mann, mit dem er sie kurz zuvor erwischt hatte. Die wilde Fahrt ging von Röthenbach über Rückersdorf nach Lauf, vor der dortigen Polizeiwache hielt das Auto an.

Mengjiqi fackelte nicht lange: Er öffnete die Beifahrertür und schlug seiner Freundin mit der Faust ins Gesicht, noch ehe ein Polizist sie beschützen konnte. Diesem verpasste der Angeklagte einen Fußtritt in den Bauch.

Keine Erinnerung an den Schlag

„Ich bekomme in solchen Situationen nicht viel mit“, äußert sich der gelernte Gärtner, der ohne Anwalt vor Gericht erscheint, zum Tatvorwurf. Wenn er sauer ist, schalte er gewissermaßen ab. Entsprechend könne er sich nicht an den Schlag erinnern. Die Staatsanwältin bohrt nach, will wissen, wie genau er denn reagiere, wenn er sich ärgert, und was vorgefallen sei. Er verrät, dass er seine Freundin gerade mit einem anderen Mann erwischt hätte, während er auf die gemeinsame Tochter aufgepasst hatte. Und „Ja“, er habe sie wohl geschlagen.

Richter Klaus Schuberth will trotz dieses „Quasi-Geständnisses“ noch die geladenen Zeugen hören. Die Geschädigte sagt allerdings nicht aus: Sie gibt an, mittlerweile mit dem Angeklagten verlobt zu sein und mit ihm und dem gemeinsamen Kind zusammenzuwohnen. Sie habe sich mit Mengjiqi ausgesprochen und ihren Strafantrag zurückgenommen.

Der Polizeibeamte, der einschreiten wollte, gibt an, dass er die Geschädigte zum Schutz vor Mengjiqi zur Polizei in Lauf bringen wollte, da dieser „stinksauer“ gewesen sei. Schuberth erlaubt sich die erstaunte Nachfrage: „Ach, hat er sie mit Ihnen erwischt?“ Der Beamte senkt kurz den Kopf, schnaubt, schmunzelt und bejaht.

Aufgeplatzte Oberlippe

Nach der Verfolgungsjagd sei er dann vor dem Revier nicht schnell genug um das Auto herumgekommen, konnte die Frau nicht mehr beschützen. Durch den Schlag war ihre Oberlippe aufgeplatzt, die linke Wange und die Nase geschwollen. Zwar habe Mengjiqi auch nach seinem Widersacher getreten, diesen jedoch nur leicht an der Jacke gestreift.

Die Staatsanwältin sieht die Vorwürfe bestätigt. Zwar gebe der Angeklagte an, sich nicht genau erinnern zu können, habe aber durchaus eingeräumt, „dass es schon so gewesen sein könnte“. Gegen ihn spreche allerdings, dass er ihr mit der geballten Faust ins Gesicht geschlagen hat. Und das auch noch direkt vor einem Polizeirevier. Sie beantragt acht Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung und 1500 Euro Geldstrafe. Mengjiqi kann in seinen letzten Worten „nicht mehr viel sagen“.

Schuberth belässt es bei einer Geldstrafe. Denn Mengjiqi und seine Freundin hätten sich glaubhaft ausgesöhnt. Dennoch sei ein Schlag vor allem „mit der Faust unglaublich gefährlich. Daran kann man sterben“. Der Beschuldigte muss tief in die Tasche greifen: 160 Tagessätze zu 50 Euro muss er berappen.

N-Land Wolfgang Sembritzki
Wolfgang Sembritzki