Einkaufstrubel zu Schulbeginn

Ansturm auf Hefte, Stifte, Federmäppchen

Wo liegt der karierte Block, wo das Heft in der richtigen Farbe? So wie hier im Laufer Drogeriemarkt Müller geht es zu Schulbeginn in etlichen Geschäften zu. Lange Schlangen an den Kassen sind die Folge. | Foto: Janssen2018/09/x-Muller-Drogerie-Lauf-Schulanfang-Einkaufen-Foto-Britta-Janssen.jpg

LAUF — Jedes Jahr zum Schulanfang geht es für viele Familien von vorne los: Der Einkauf der neuen Unterrichtsmaterialien wird fällig. Die Schüler bekommen Einkaufslisten, die gemeinsam mit ihren Eltern in oft übervollen Geschäften abgearbeitet werden. Auch für das Personal der Schreibwarenläden wird es deshalb anstrengend.

„Gibt es hier etwas umsonst?“, ruft ein Schüler scherzhaft, als er die Menschenmassen im Obergeschoss des Laufer Drogeriemarktes Müller sieht. In den Gängen geht es zu wie während der Londoner Rush Hour. Eine Schar von Eltern steht suchend um das Regal, in dem die bunten Heftumschläge liegen. Ein Vater mit prall gefülltem Einkaufskorb ruft seiner Frau von der Kasse aus zu, dass noch ein Lineal fehlt.

Lange Materiallisten

In der ersten Schulwoche sind viele Schreibwarenläden überfüllt, an den Kassen bilden sich lange Schlangen. Auf der Suche nach den genau richtigen Heften, Stiften und Bastelutensilien gilt es für viele Eltern, die Nerven zu bewahren. Eine große Einkaufsliste hat auch die Grundschülerin Elisa in der Hand. Die Neunjährige liest vor: „Drei Bleistifte, eine Packung Buntstifte, ein Hausaufgabenheft, ein linierter Block…“. Die Materialliste ist lang. Die Aufzählung findet die Schülerin auf einer komplett bedruckten DIN A4 Seite, die sie von ihrer Klassenlehrerin ausgeteilt bekommen hat. Einen Gang weiter kauft Karin Zeh mit ihrer Tochter ein, die schon in das Gymnasium geht. „Je älter das Kind ist, umso leichter wird es“, sagt sie. Während sie spricht, hält ihre Tochter zwei Hausaufgabenmappen hoch und fragt, welche schöner ist, die mit Melonen drauf oder die in Türkis. Von solchen Fragen abgesehen, kenne sich die Teenagerin aber inzwischen so gut aus, dass die Mutter nur noch als Trägerin des Einkaufskorbs mitkommt, so Zeh.

„Heute ist alles total stressig“, klagt eine andere Mutter, die mit ihrem Sohn Felix neben dem Buntpapier steht. Zuerst musste sie ihren Siebtklässler von der Schule abholen und dann wollte er partout nicht zum Einkaufen mitkommen. „Natürlich muss er mit, vier Augen sehen mehr als zwei“, erklärt die Mutter bestimmt. Die Hefte auf Vorrat zu besorgen statt jedes Jahr aufs Neue loszuziehen mache keinen Sinn, weil der Einkaufszettel in der Schule ihres Sohnes immer erst in den ersten Schultagen ausgeteilt wird.

Doch nicht nur für Eltern und Schüler sind die ersten Schultage anstrengend, auch für die Schreibwarenläden bedeuten sie zusätzliche Arbeit. Um darauf vorbereitet zu sein, hat der Laufer Müller-Markt für diese Zeit drei weitere Mitarbeiter eingestellt. Die Einkaufshelfer tragen gelbe Signalwesten und sorgen dafür, dass auch der letzte verzweifelt gesuchte Radiergummi seinen Weg in den Einkaufskorb findet.

„Besonders die Erfahrung aus vergangenen Jahren hilft uns, einzuschätzen, was benötigt wird und welche Belastungen auf uns zu kommen“, erklärt eine Sprecherin des Drogeriemarktes gegenüber der Pegnitz-Zeitung. Das Personal würde durch mentales Training extra vorbereitet. „Am Abend sind an solchen Tagen aber alle geschafft.“

Viel Arbeit falle auch vor dem eigentlichen Stichtag an: Bestellungen aufgeben, die Warenabteilung im Obergeschoss umstellen und die Materialien einräumen, dass gehöre alles dazu. „Mit den Eltern gibt es aber in den seltensten Fällen Probleme. Besonders Eltern mit Migrationshintergrund sind sehr dankbar, wenn das Personal beim Einkauf helfen kann“, so die Sprecherin.

Auch im Laufer City-Paper ist zu Schulbeginn besonders viel los. Zusatzpersonal muss in dem Schreibwarengeschäft in der Bahnhofstraße zwar keines eingestellt werden, aber dafür ist sämtlich verfügbares Fachpersonal im Einsatz. „Anders als in den großen Ketten können wir hier auch Sonderwünsche bestellen“, sagt die Fachverkäuferin Anja Hopfengärtner.

Im Schreibwarengeschäft City Paper, im Bild Anja Hopfengärtner mit einer Schülerin, kann man seine Materialliste abgeben, die Mitarbeiter suchen die Stifte und Hefte für die Kunden zusammen. | Foto: Janssen2018/09/CityPaper-Lauf-Schulanfang-Anja-Hopfengartner-und-Neele-Foto-Janssen.jpg

 

Der Laden bietet einen speziellen Service an: Die Materiallisten der Schüler können im Laden abgegeben werden, woraufhin die Sachen von Personal zusammengestellt werden. „ Für die Erstklässler gibt es bei diesem Angebot sogar ein hochwertiges Zusatzgeschenk obendrauf“, erzählt Verkäuferin Marion Scharrer, während ihre Kollegin einer Mutter dabei hilft, das richtige Lineal zu finden. Die Kunden schätzen die persönliche und kompetente Beratung des Fachpersonals, sagen die Verkäuferinnen. „Und die Preisunterschiede zu den Ketten sind durch Rabatte nur marginal“, erläutert Hopfengärtner.

„Anfangshektik gehört dazu“

Doch lässt sich der alljährliche Sturz ins Einkaufsgetümmel für Eltern und Schüler irgendwie vermeiden? Einige ihrer Lehrerkollegen bestellen die Materialien mittlerweile im Klassensatz und fordern die Kosten später von den Eltern zurück, sagt Inge Winkler-Hommel, die Rektorin der Ottensooser Grundschule. Aber ideal sei das nicht. „Das ist ein viel zu großer administrativer Aufwand und außerdem nicht Aufgabe der Lehrerin.“

Die Ottensooser Grundschule sei sehr bemüht, die Materiallisten frühzeitig auszuteilen, betont Winkler-Hommel. „Nur bei den Erstklässlern ist der Einkauf eine große Sache, aber ein wenig Anfangshektik gehört einfach dazu.“

 

Britta Janssen

N-Land Pegnitz-Zeitung
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