Termin im Hirtenmuseum

Am Samstag öffnet wieder das Reparatur-Café

Ohne Einsatz wohldosierter „Gewalt“ von Jochen Liebel nicht zu reparieren: die störrischen Laufräder des Koffers von Jutta König. | Foto: R. Bär2019/05/rep_1.jpeg

HERSBRUCK – Seit nunmehr drei Jahren öffnet im Deutschen Hirtenmuseum einmal im Monat das Reparatur-Café seine Türen, um defekte Gegenstände vor dem Wegwerfen zu bewahren. Zehn Mitarbeiter eines Arbeitskreises der Zukunftswerkstatt tüfteln, schrauben und kleben, um viele geliebte Gegenstände wieder „gangbar“ zu machen.

Samstagnachmittag, 14 Uhr, und der Nebenraum im Hirtenmuseum ist gut gefüllt. Die zehn Mitarbeiter im Reparatur-Café werden in den nächsten zwei Stunden mit viel Kundschaft und deren einer Instandsetzung „bedürftiger“ Sachen konfrontiert. Seit drei Jahren besteht das Angebot und die Kunden kommen längst nicht nur aus Hersbruck. Heute sind auch Hilfesuchende aus Schnaittach, Neunkirchen, Hohenstein, Lauf, Neuhaus und Hohenstadt gekommen – mit Marderschreck, Nähmaschine, Staubsauger, Föhn, Kaffeemaschine, Bügeleisen und vielem mehr.

Aus Leinburg kommt das Ehepaar Kleinerlümer mit einem betagten Kassettenrekorder. Die kleinen Tonbänder lassen sich abspielen, aber nur schwer herausnehmen – das Türchen klemmt sehr stark. Vorsorglich haben sie Kassetten mitgebracht und eine wird gleich ausgeliehen, um ein anderes Gerät zu überprüfen, bei dem es im Abspielbereich Schwierigkeiten gibt. Nebendran sitzt eine ältere Frau freudestrahlend vor ihrem kleinen Transistorradio. „Oh, der geht ja wieder!“ ruft sie aus.

Stummer Rock-Hund

Auch ein drolliger Spielzeughund mit Gitarre taucht auf. Eine Frau bringt ihn in Auftrag ihrer Tochter, die ihn vor etwa 25 Jahren geschenkt bekam. Damals rockte der kleine Kerl noch mit Begeisterung, nun ist er seit Jahren verstummt. Von ihrer Nachbarin hat die Mutter vom Reparatur-Café gehört. Diese hatte bereits gute Erfahrungen gesammelt mit der Reparatur einer Kuckucksuhr und einem sprechenden Weihnachtsmann, dessen Batterien ausgelaufen waren.

„Ohne Narkose“ operiert Helmut Grimme nun den Hund. Unten macht er einen Schnitt und zieht, alles, was erreichbar ist, heraus und prüft es eingehend. Die Drähte leiten Strom und sind richtig vom Einstellknopf bis zum Motor zusammen gefügt. Neue Batterien sind auch vorhanden. Der Fehler muss sich also im Inneren des Motors verstecken – dieses Herzstück liegt allerdings unerreichbar unter dem ledernen Brustbereich. Hier aufzuschneiden wäre ein größerer Eingriff und wahrscheinlich wegen des Alters des „Patienten“ ohne Erfolg.

Den Versuch wert

Also bringt Grimme alles wieder an seinen Platz und reicht Hund und Batterien mit Bedauern an die Frau zurück. „Schade, aber er sieht trotzdem nett aus, wenn er irgendwo hingesetzt wird und meine Tochter liebt ihn, ja. Es war ein Versuch wert“, sagt sie.

Vor Gerd Häffner und Jochen Liebel stehen derweil zwei Koffer. Bei einem wird das Zahlenschloss entfernt, weil es sich nicht mehr einstellen lässt. Der zweite hat vier Räder, aber nur drei drehen sich wie gewollt – das vierte fährt sich immer wieder fest und der Koffer muss kräftig hin und her gerückt werden, um alle Räder in Einklang zu bringen. Besitzerin Jutta König hat den Koffer von der Schwiegertochter zurückbekommen, nachdem sie ihn für eine Flugreise ausgeliehen hatte. „Irgendwann muss das Rad mit Gewalt aus einer festgefahrenen Notlage herausgezogen worden sein“, meinen die beiden „Schrauber“. Nun ist alles versteift und zum Teil zerbrochen.

Deshalb wenden Häffner und Liebel jetzt auch erst einmal rohe Gewalt an, um den Schaden zu beheben. Mit Säge, Hammer, Zange und Schneider zerlegen sie das Rad in sämtliche Einzelteile und ersetzen alles, was dabei zu Bruch geht, durch passend nachgefeilte Muttern und Schrauben. Zum Schluss wird das neu angefertigte Rad geölt. Das Resultat? Der Koffer rollt wie geschmiert in alle Richtungen, und Jutta König schiebt das gute Stück sehr zufrieden hinaus – nicht ohne eine Spende dazulassen.

So sieht es innen aus

Auch beim Kassettenrekorder aus Leinburg geht es voran. Er ist aufgeschraubt und getestet worden, die Besitzer beäugen staunend sein Innenleben. Doch auch hier kann Helmut Grimme letztlich nicht weiterhelfen, ein Teilchen lässt sich einfach nicht mehr ordentlich bewegen und ein brauchbares Ersatzteil ist nicht mehr aufzutreiben.

Auf der Frage ob er enttäuscht sei, meint der Besitzer trotzdem: „Nein, keinesfalls. Es war alles interessant und ich habe noch nie das Innere eines Kassettenrekorders gesehen.“ Und seine Spende wandert trotz des Misserfolgs in die Spendebox.

Ruth Bär

Das Reparatur-Café ist am kommenden Samstag, 11. Mai, wieder von 14 bis 16 Uhr geöffnet, die ehrenamtlichen „Schrauber“ freuen sich viel spannende Aufgaben. Für das leibliche Wohl der Besucher sorgt das Espan-Café im Hirtenmuseum. Näheres im Internet: www.reparaturcafe-hersbruck.de

N-Land Hersbrucker Zeitung
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