Amtsgericht Hersbruck

Altenpflegerin steht im Verdacht, Patienten misshandelt zu haben

So harmonisch wie auf diesem Symbolbild ging es zwischen einer Altenpflegerin aus dem Landkreis Nürnberger Land und ihren Patienten wohl nicht immer zu. | Foto: Gina Sanders - stock.adobe.com2019/09/AdobeStock_23486845.jpeg

HERSBRUCK – Wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen steht derzeit eine 46-Jährige aus dem Landkreis Nürnberger Land vor dem Hersbrucker Amtsgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, hilflose Senioren in einer Pflegeeinrichtung im vergangenen Herbst sich selbst überlassen zu haben. Doch es bleiben Zweifel.

Die Vorwürfe wiegen schwer: Zwischen August und November vergangenen Jahres – die Angeklagte arbeitete zu dieser Zeit in einer Demenz-Wohngemeinschaft – soll die Pflegerin einen Bewohner, der an einem Magen-Darm-Infekt erkrankt war, nachts in seinen Exkrementen auf dem Boden sitzen gelassen haben. Nach etwa sechs Stunden versorgte eine Pflegerin der Frühschicht den Senior.

Weiter soll sie Ende Oktober 2018 denselben Mann und einen Mitpatienten fotografiert haben, als diese auf dem Boden lagen. Das Bild soll sie darauf mit dem Kommentar „Jetzt lasse ich sie um die Wette robben“ einer Kollegin geschickt haben.

Um die Wette?

Die Pflegerin schildert das anders: Im ersten Fall habe sie den Mann in der Nacht vier-, fünfmal gewaschen, anschließend „die Frühschicht angefleht, schneller zu kommen“, weil sie überfordert gewesen sei. Auch das Foto der beiden Männer am Boden habe sie ihrer Kollegin nicht geschickt, um die Patienten bloßzustellen. Vielmehr sei sie überfordert gewesen und habe Hilfe angefordert. Das „Um die Wette robben“ sei jedoch erfunden.

Die Empfängerin des Bildes samt Text sagt dagegen aus, dass dies sehr wohl stattgefunden habe. Sie könne dem Gericht den Chatverlauf jedoch nicht zeigen, da sie mittlerweile ein neues Handy habe. Doch könne sie den Chat bei Bedarf auch nachliefern. Im anderen Fall sei sie es gewesen, die den Mann morgens versorgt hatte. Sie sei stutzig geworden, dass der Bewohner noch dieselbe Kleidung trug, mit der er auch ins Bett gegangen war.

Richter André Gläßl will von der Zeugin wissen, wie die Angeklagte mit ihren Bewohnern umgegangen ist. Die Schilderungen passen wiederum gar nicht zur Anklage. Denn ihre Kollegin habe den Mann, den sie krank auf dem Boden sitzen habe lassen, „geliebt“, so die Zeugin. Lediglich mit einigen anderen Bewohnern habe es wohl kleinere Schwierigkeiten gegeben, die die Staatsanwaltschaft zwar auf den Plan riefen, jedoch allesamt eingestellt wurden.

Boshaft oder überfordert?

Gläßl beginnt zu zweifeln. Ihm scheint nicht mehr ausgeschlossen, dass die 46-Jährige nicht böswillig gehandelt hat, sondern lediglich mit ihrem Job überfordert war. Eine weitere Zeugin, die ermittelnde Beamtin der Kriminalpolizei Schwabach, bringt ebenfalls wenig bis keinen Aufschluss über die Taten. Sie sagt lediglich aus, dass die Heimleiterin die Angeklagte nach deren Fehltritten angezeigt hätte und sie den Fall bearbeitet habe.

Dem Richter sind die Taten und deren Hergang zu schwammig, er lädt weitere Zeugen, unter anderem die damalige Vorgesetzte der Angeklagten zu einem neuen Termin. Der Prozess geht am 11. Oktober weiter.

N-Land Wolfgang Sembritzki
Wolfgang Sembritzki