Neues Verkehrswertgutachten liegt vor

Alles auf Anfang

Allem Ärger zum Trotz: Silke und Sebastian Neudert wollen sich ein zweites Mal bei der Gemeinde um ein Grundstück an der Liegnitzer Straße bewerben. | Foto: Christian Geist2021/06/Feucht-Liegnitzer-Strasse-Neudert-1-scaled.jpg

FEUCHT – Die Gemeinde rollt das Vergabeverfahren für die Grundstücke an der Liegnitzer Straße neu auf. Dadurch könnten Familien, die schon vor langer Zeit einen Zuschlag erhalten hatten, leer ausgehen.

Zwischen 92 000 und 116 000 Euro hätten die vier verbliebenen Grundstücke an der Liegnitzer Straße kosten sollen. So hatte es der alte Marktgemeinderat einmal beschlossen. Und so hat sie die Verwaltung den Interessenten im Februar 2020 angeboten. Es folgte ein Vergabeverfahren, an dessen Ende Silke und Sebastian Neudert auf Rang 1 landeten. Sie suchten sich ein Grundstück aus und warteten auf den Kaufvertrag. Und warteten und warteten. So lange, bis die Gemeinde einen Rückzieher machte.

Der Grund: Sie hatte die Grundstücke unter Wert offeriert. Das darf sie aber nur, wenn sie ein so genanntes Einheimischenmodell zur Vergabe der Bauplätze heranzieht. Wie das Feuchter Modell bevorzugt ein Einheimischenmodell ortsansässige Familien. Punkte gibt es beispielsweise für die Mitgliedschaft bei der Feuerwehr, einen Arbeitsplatz im Gemeindegebiet und vor allem für Kinder. Der Unterschied: Das Einheimischenmodell berücksichtigt auch die finanzielle Situation der Bewerber. Eine Einkommens- und Vermögensobergrenze sind Pflicht. Diese einzuziehen, hatte man in Feucht jedoch versäumt. Die Rechtsaufsicht am Landratsamt kassierte deshalb den Beschluss des Marktgemeinderats (wir berichteten) und forderte zudem ein neues Verkehrswertgutachten. Das von 2017 war der Behörde zu alt.

Quadratmeter fast schon bei 600 Euro

Dieses liegt nun vor. Von 450 auf 585 Euro pro Quadratmeter hat sich der Verkehrswert demnach erhöht. Für das Grundstück von Familie Neudert bedeutet das Mehrkosten von rund 80 000 Euro.Wir haben natürlich erwartet, dass es teurer wird. Aber gleich so viel teurer, das hätten wir nicht gedacht“, sagt Silke Neudert am Telefon. Nach Monaten des Wartens und Hingehaltenwerdens hatten ihr Mann und sie auch über rechtliche Schritte nachgedacht und sich beraten lassen. Von juristischer Seite habe man ihnen sogar gute Chancen eingeräumt, ihr Recht auf das Grundstück einzuklagen. Wäre da nicht der neue Verkehrswert. „Wäre der in einem angemessenen Bereich gewesen, dann hätten wir versucht, die Entscheidung anzufechten“, erklärt Silke Neudert. So aber „schlucken wir den Ärger runter und bewerben uns noch einmal“.

Das Einheimischenmodell kommt

Dass es erneut zu einem Vergabeverfahren kommt – diesmal nach einem Einheimischenmodell – hat der Marktgemeinderat in seiner Sitzung am vergangenen Mittwoch beschlossen. Theoretisch hätte der Markt Feucht die Grundstücke auch einfach zum Gutachterpreis anbieten und sich die Käufer selbst aussuchen können. Das aber wollte niemand der Anwesenden in der Reichswaldhalle. Nachdem die CSU 25 Prozent und die SPD 30 Prozent Preisnachlass vorgeschlagen hatten, einigte man sich auf den Vorschlag von Grünen-Fraktionssprecherin Rita Bogner. Sie formulierte 28 Prozent, bei einer Bindungsfrist von 15 Jahren. So lange müssen die Familien, die ein Grundstück erwerben, in ihren Häuschen mindestens wohnen bleiben.

Nicht nochmal in die gleiche Wand

Die Vermögensobergrenze orientiert sich übrigens am Wert des jeweiligen Grundstücks. Für das Vergabeverfahren Liegnitzer Straße liegt das Limit bei 185 000 Euro. Beim Gehalt liegt die Grenze bei 45 000 für Alleinerziehende beziehungsweise bei 90 000 Euro für Paare – pro Kind dürfen es nochmal 7000 Euro mehr sein. Nachfragen aus dem Gemeinderat, diese Grenzen zu verschieben, wies Verwaltungsmitarbeiterin Anja Korngiebel zurück. Diese Grenzen seien durch EU-Recht vorgegeben. „Wir sollten vermeiden, in die gleiche Wand wie beim letzten Mal zu laufen“, pflichtete nach dieser Erläuterung beispielhaft CSU-Fraktionssprecher Oliver Siegl bei und stimmte seinem Gegenüber Lothar Trapp (SPD) zu.

Der hatte nämlich mehrere Änderungsvorschläge zum Punktesystem, um darin den Ortsbezug zu stärken und die finanziellen Aspekte etwas abzuschwächen. Diesen Anpassungen stimmte der Gemeinderat einstimmig zu und erteilte der Verwaltung den Auftrag, die Vergabe der Grundstücke per Einheimischenmodell in die Wege zu leiten.

Verkauf im September?

Laut der geschäftsleitenden Beamtin Marion Buchta wird es einen Bewerbungszeitraum von vier bis sechs Wochen geben, der – wenn es schnell geht – schon Ende der Woche beginnen könnte. Das Unterzeichnen der Kaufverträge taxiert sie in etwa auf September. Immerhin das ginge dann doch recht schnell, meint Silke Neudert und hofft, dass es ihre Familie ein zweites Mal im Ranking nach ganz oben schafft. Damit sie ihr Wunschgrundstück wählen und den Traum vom Eigenheim in Feucht doch noch realisieren können.

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