Andrang bei Sonderimpfaktion in Winkelhaid

80-mal den Ärmel hoch

Schon drei Stunden vor der Sonderimpfaktion hat sich eine Schlange gebildet, die sich kurz nach 10 Uhr schon bis zum Weiher erstreckt. | Foto: Johannes Gurguta2021/11/Winkelhaid-Impftermin-scaled.jpg

WINKELHAID – Auch zur Sonderimpfaktion am Donnerstag in Winkelhaid kommen weit mehr Interessierte als es Impfdosen gibt. Wir haben uns bei den Geimpften und Abgewiesenen in der Warteschlange umgehört.

Schon drei Stunden bevor der Sonderimpftermin im Rathaus Winkelhaid startet, stellen sich die ersten Interessenten an. Hartnäckig, wenn man bedenkt, dass es gestern in den frühen Morgenstunden nur knapp über null Grad hatte. „Die Schlange geht vom Rathaus bis runter zum Weiher“, erzählt Winkelhaids Erster Bürgermeister Michael Schmidt. Auch die Treppe bis zum Raum im dritten Stock des Rathauses, in dem geimpft wird, ist voll. Jeder will drankommen.

Das ist leider nicht möglich, wie Markus Deyhle, Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) preisgibt: „Wir mussten leider wieder Leute wegschicken, weil zu viele gekommen waren.“ Das sei der Haken bei Impfterminen ohne Terminvergabe. Insgesamt seien 80 Impfdosen vorhanden gewesen. Das werde sich jedoch ändern, wenn das Impfzentrum in Altdorf wieder aufmacht. Laut Landratsamt Nürnberger Land soll das am 6. Dezember geschehen. Dort soll dann das Impfen mit Terminvergabe möglich sein. „Das wird schnellstmöglich freigeschaltet“, sagt er.

Der Impfarzt an diesem Tag ist der mittlerweile pensionierte Schwarzenbrucker Allgemeinarzt Dr. Peter Schleicher. Er ist im Ruhestand im Rahmen von Ärzte ohne Grenzen schon viel im Ausland unterwegs gewesen, jetzt wird er aber in der Heimat dringend gebraucht. „Wie man sehen kann, ist viel los, und das ist auch gut so“, erklärt er, während er freundlich einen Patienten in den Raum bittet. Es geht um eine Booster-Impfung. Er informiert sich, ob der Patient seine ersten zwei Impfungen gut vertragen hat, und dann setzt er die Nadel an. „Heute impfen wir ausschließlich Biontech Pfizer“, sagt Schleicher.

„Wie man sehen kann, ist viel los, und das ist auch gut so“, sagt der zuständige Impfarzt Dr. Peter Schleicher aus Schwarzenbruck. Er ist begeistert vom Andrang der Impfwilligen beim gestrigen Termin. Foto: Johannes Gurguta2021/11/Winkelhaid-Impftermin-Schleicher-scaled.jpg

Zum Boostern angestellt

Viele sind an diesem Tag für ihre Booster-Impfung gekommen. So auch Susanne Schwarz aus dem Nürnberger Osten. „Ich hab es bei den Impfzentren versucht, da gab es aber keine Chance, an einen Termin zu kommen“, erklärt sie. Das sei für sie absolut unverständlich. Sie sieht darin eindeutig ein Kommunikationsproblem in der Politik. „Wir sind doch keine Bananenrepublik, sondern Deutschland“, sagt sie empört. Beim Impfzentrum an der Nürnberger Messe habe sie gute Erfahrungen gemacht. „Ich kann nicht verstehen, warum es geschlossen wurde.“ Weil sie nicht weiter hingehalten werden will, ist sie nach Winkelhaid gekommen. Eine Impfpflicht sieht sie sehr kritisch: „Mit Zwang wird man nichts erreichen.

Das sieht ihr Begleiter, Alfred Klepsch, ebenfalls Nürnberger, anders. „Ich bin für die Impfpflicht, das lässt sich aber nur schwer umsetzen“, gibt er zu denken. Auch er ist für seine Booster-Impfung in Winkelhaid und hat es schon bei den Impfzentren versucht. „Ich bin hier, weil es ohne Termin geht, was in Nürnberg nicht möglich ist.“ Trotzdem ist er von der Wartezeit in der Kälte sichtlich genervt.

„Ich empfinde diese Situation als katastrophal.“ Die Nürnberger Susanne Schwarz und Alfred Klepsch sind nach zwei Stunden vergeblichen Wartens in Winkelhaid abgewiesen worden. Foto: Johannes Gurguta2021/11/Winkelhaid-Impftermin-Schwarz-scaled.jpg

Später erklärt Susanne Schwarz, dass beide nach einer Wartezeit von zwei Stunden abgewiesen wurden. Außerdem habe es keine Wertmarke oder eine Aussicht auf eine zeitnahe Impfung gegeben. Der Impfstoff habe nicht gereicht und es fehle an Nachschub. „Ich empfinde diese Situation als katastrophal“, sagt sie. Es gebe ihrer Ansicht nach nicht nur ein Problem in der Kommunikation, sondern auch in der Logistik. „Man lässt die Leute in der Kälte stehen.

Impfung oder Freiheitsentzug

Die 17-jährige Auszubildende Tina H. aus Nürnberg ist für ihre Erstimpfung beim Termin. Davor habe sie es schon in Nürnberg, Fürth und Ansbach versucht – ohne Erfolg. „Die Einschränkungen zwingen mich quasi zur Impfung“, sagt sie. Ungeimpft könne sie jetzt nicht mehr ihre angefangene Fahrschule beenden, was sie dazu zwingt, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Das wiederum stellt wegen der 3G-Regel das nächste Problem dar. Zusätzlich darf sie am Unterricht nur noch online teilnehmen. Ihre Freunde will sie auch weiterhin uneingeschränkt treffen. „Wie würde es für mich sonst weitergehen, wenn ich mich nicht impfen lasse“, fragt sie. Angst um ihre Gesundheit hat sie nicht. „Ich habe ein gutes Immunsystem“, erklärt sie. Sie lasse sich nur impfen, um ihre Freiheiten behalten zu können.

Ein junger Mann, noch keine 30, aus Altenthann steht auch für seine Erstimpfung an. Er will anonym bleiben. Erst wollte er diesen Schritt nicht gehen, weil er eine Vorerkrankung hat und sein Hausarzt ihm davon abgeraten hat. Mit den verschärften 2G-Regeln bleibe ihm aber keine andere Möglichkeit, als dieses persönliche Risiko einzugehen. „Ich will ja meine Freiheiten behalten und was unternehmen können“, erklärt er. Gegen eine Impfpflicht spricht er sich entschieden aus: „Man kann doch niemanden dazu zwingen.

Info:
Die nächste Sonderimpfaktion findet heute zwischen 10.30 und 15 Uhr in der Reichswaldhalle in Feucht statt. Dort sind wieder ungefähr 80 Impfdosen eingeplant. In einer Pressemitteilung des Landratsamts Nürnberger Land heißt es, dass sich die Impfzahlen im Nürnberger Land in den vergangenen drei Wochen mehr als verdoppelt haben.

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