Junge SC-Fußballer freuen sich auf Trainingscamp, in dem die kroatische Nationalelf trainierte

Trainingseinheiten und Handy-Verbot

Freuen sich schon sehr auf die Woche im bosnischen Trainingscamp (von links): Leland, David, Daniel, Trainer Ulhaas, Felix und Tom. | Foto: Gisa Spandler2019/02/Feucht-SC-D-Jugend-im-Trainingslager.jpg

FEUCHT – Zu den Höhepunkten im Leben eines Junioren-Fußballers gehört nicht nur das erste Tor oder der Sieg über den Tabellen-Nachbarn, sondern auch das lang ersehnte Trainingslager im Bayerischen Wald oder – wenn es hoch kommt – an der Ostsee. Dass eine D-Jugend-Mannschaft aber unter den gleichen Bedingungen trainiert wie die kroatische National-Mannschaft, die bei der letzten Fußball-Weltmeisterschaft den Vizetitel holte, ist eher selten. Die U12 des SC Feucht hat hier Nägel mit Köpfen gemacht und reist Anfang März mit fast der gesamten Truppe für sieben Tage ins Sport Centar Circle in Medjugorje in Bosnien-Herzegowina, wo sich einst das Nationalteam der Kroaten auf das WM-Turnier im vergangenen Jahr vorbereitete, wo man sich nur den Franzosen geschlagen geben musste.

Klingt ganz so, als herrschten dort Profi-Bedingungen für die jungen Kicker im Alter von elf und zwölf Jahren. Dieser Ansicht ist auch Trainer Christian Ulhaas, der sich kolossal darauf freut, sieben Tage lang mit den jungen Talenten endlich einmal ohne Zeitdruck, in Ruhe und ganz gezielt an den sportlichen Stellschrauben zu drehen und sie auf die wichtige Rückrunde zu Hause vorzubereiten. Denn ein Teil der Jungs wird zum Ende der Saison von der D2- in die D1-Jugend wechseln, die in der Bezirksoberliga spielt, der höchsten Klasse in dieser Altersgruppe.
Sportlich im doppelten Sinn ist das Programm, das der Trainer für die Jungs – Mädels haben sich keine angemeldet – auf dem Schirm hat: Mindestens zweimal am Tag will man auf dem Platz stehen, Positionen und Spielzüge einüben, die Rollen der Mittel- und Abwehrspieler trainieren, gezielt an der Kräftigung arbeiten. Daneben soll aber auch das zweite Ziel, die Stärkung des Teamgeists unter den jungen Kickern, nicht zu kurz kommen. „Der Aufenthalt soll zusammenschweißen“, fordert Trainer Ulhaas, und dazu wird auch das Begleitprogramm beitragen, das sich teilweise eher spontan ergibt. Gruppenunternehmungen und Besichtigungen gehören dazu, idealerweise auch Begegnungen mit den Jugendlichen anderer Nationen.

Professionelles Sportcamp
Ganz so einfach, wie sich das aus dem Mund von Trainer und betreuenden Eltern anhört, ist dieses Trainingsprojekt dann doch nicht zustande gekommen. Nachdem die Erziehungsberechtigten ihre grundsätzlich positive Einstellung zu einem professionellen Trainingscamp signalisierten, setzte man sich zusammen und verglich Angebote, die meisten ganz schön happig, was die Finanzierung angeht. Schließlich schlug man beim Freund eines Spielervaters mit kroatischen Wurzeln zu, der ein Sportzentrum in Bosnien leitet, in dem neben dem kroatischen Vize-Weltmeister auch schon namhafte Vereine ihre Runden drehten: Lok Moskau, Atalanta Bergamo und weitere renommierte Firstclass-Kicker stählten dort ihre Muskeln und feilten an der Technik.
Eine Übungshalle, sieben Trainingsplätze, darunter einige mit Kunstrasen, Indoor- und Outdoor-Pools, Fitnessraum, Sauna – alles, was das Sportlerherz begehrt, bietet das Sportzentrum von Medjugorje, einem Wallfahrtsort nicht weit vom Meer oder der einst berühmten Touristenstadt Mostar entfernt.
So groß ist die Anlage, dass gleichzeitig in der ersten Märzwoche, wenn zu Hause in Feucht der Fasching tobt, in Medjugorje weitere Hunderte Fußballer trainieren und ein großes mehrtägiges Jugendturnier stattfindet. Zwar können die Feuchter nicht teilnehmen, weil sich die Veranstaltung länger hinzieht, als sie dort anwesend sind, aber sie werden ihr Können und ihre Kräfte auf jeden Fall in einzelnen Freundschafts- und Übungsspielen mit anderen Juniorenmannschaften messen. Darauf freuen sich die Jungs schon ganz besonders.
In insgesamt elf angegliederten Bungalows sind die jungen Sportler dann mit ihren Familien untergebracht. 17 Jugendkicker und ebenso viele Erwachsene werden am Freitagabend, 1. März, von einem kroatischen Bus am Waldstadion abgeholt und über Nacht in das über 1000 Kilometer entfernte Trainingslager nach Bosnien chauffiert. Zwischen 420 und 450 Euro kostet die Unterkunft für die Kids, die Erwachsenen zahlen ein bisschen mehr. Dafür ist alles inklusive, auch die Eltern können die Angebote der Einrichtung nutzen.

Sportbegeisterte Sponsoren
Möglich ist das alles nur mit der Unterstützung durch sportbegeisterte Sponsoren, denn nicht alle Jungs können die Kosten für den Aufenthalt in voller Höhe auf den Tisch legen. Doch die Verantwortlichen legten Wert darauf, dass kein Kicker aus finanziellen Gründen zu Hause bleiben muss. Natürlich würde sich die Abteilung auch über weitere Förderer freuen, denen die sportliche Ausbildung der jungen Nachwuchstalente am Herzen liegt.
Und worauf freuen sich die jugendlichen Teilnehmer des Camps besonders? Zunächst klingen die Antworten der jungen Leute so professionell, wie bei den Bundesligaspielern, denen man das Mikro unter die Nase hält: „Ich freu mich sehr darauf, so viel trainieren zu können, ganz besonders auf die Testspiele“, erklärt Felix, und Tom will „intensiv an der Kraft arbeiten“. Aber auch andere Aspekte kommen altersbedingt ins Spiel: David, der schon vor Ort war, freut sich auf das dortige Essen, und auch Leland war bereits einmal als Gastspieler bei einem Turnier dort und weiß, was ihn erwartet. Vor allem am Torabschluss will der Mittelfeldspieler arbeiten, ebenso wie Kapitän Daniel.
„Kommen schon klar“
Gibt es irgendetwas, das ihnen Sorge bereitet? „Nein, mit den Erwachsenen kommen wir schon klar“, ist sich Felix sicher. Tom findet es besonders spannend, dass man unter Freunden auch mal Tag und Nacht zusammen sein wird. Ob da nachts auch mal ein bisschen Halligalli gemacht wird? Klare Ansagen zu dieser heiklen Frage gibt es nicht, eher ein vielsagendes Grinsen. Die Meinungen zu einem anderen weittragenden Entscheid des Trainerstabs fallen da schon eindeutiger aus: Für die Zeit in Bosnien gilt ein striktes Handy-Verbot. Die Kommentare hierzu sind nicht generell zitierfähig, die Begeisterung hält sich in Grenzen. Ob sie’s durchhalten? Die Trainingseinheiten bestimmt, die Handy-Auszeit muss man abwarten.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler