Stimmungscheck vor dem Derby

„Ein langweiliges Unentschieden“

Der Torjubel blieb den Nürnberger Fans im Hinspiel in Fürth (0:0) verwehrt. | Foto: Zink2020/06/Nuernberg-FCN-Derby-SpVgg-Fuerth-scaled.jpg

FEUCHT – Das 266. Derby zwischen dem 1. FC Nürnberg und der Spielvereinigung Greuther Fürth steigt unter besonderen Vorzeichen.
Die Stimmung bei den Club-Fans im Nürnberger Land ist zurückhaltend. Grund ist die Angst vor dem Abstieg in Liga drei.

Vor dem Aufeinandertreffen der beiden fränkischen Zweitligisten sind sich die Fans einig: Die Bedingungen, unter denen das ewig junge Duell der Erzrivalen stattfinden muss, bieten keinen angemessenen Rahmen für das älteste Fußballduell Deutschlands. Nicht allein die räumliche Nähe der beiden Vereine sorgt traditionell für jede Menge Zündstoff. Auch die aktuelle Tabellenkonstellation trägt dazu bei, dass das 266. Derby kein normales Fußballspiel wird. Auf der einen Seite der 1. FC Nürnberg, der mit vier Unentschieden und einer Niederlage aus den vergangenen fünf Partien seit dem Re-Start immer noch auf einen Sieg wartet und sich mit 33 Punkten weiterhin in akuter Abstiegsnot befindet. Auf der anderen Seite die Spielvereinigung, die mit drei Punkten aus fünf Partien seit dem Wiederbeginn zwar die formschwächste Mannschaft stellt. Die mit 39 Zählern jedoch nur noch einen Punkt von der magischen 40-Punktemarke entfernt ist, die in der Regel zum Klassenerhalt ausreicht.

„Für viele ein Spiel wie jedes andere“

Die Fürther werden auf jeden Fall richtig heiß sein“, glaubt Dominik Dötsch vom FCN-Fanclub aus Ezelsdorf. Das leere Max-Morlock-Stadion könnte sich vor allem im Derby negativ auf die Moral der Truppe auswirken. „Ein volles Stadion würde wahrscheinlich schon für eine gewisse Portion Extra-Motivation sorgen. So aber sehe ich die Gefahr, dass für viele Spieler in der Mannschaft dieses Spiel eine Partie wie jede andere wird“, kritisiert der 22-Jährige die zuletzt gezeigten Leistungen der Nürnberger. „Blutleer, leidenschaftslos und ohne Kampf“ hätte die FCN-Elf, mit Ausnahme der zweiten Hälfte in Bielefeld (1:1), gespielt.
Noch vier Punkte aus den verbleibenden vier Spielen“, so glaubt Dötsch, sollten für den Klassenerhalt ausreichen. In Anbetracht des Restprogramms (SpVgg Greuther Fürth, Wehen Wiesbaden, VfB Stuttgart und Holstein Kiel) allerdings keine leichte Aufgabe – allen voran bei der von ihm angesprochenen fehlenden Einstellung. Dötsch glaubt nicht an den Klassenerhalt, vielmehr hofft er darauf. „Und im Sommer muss dann ein großer Umbruch her – gefühlt der achte in den vergangenen zehn Jahren.“ Mitfiebern wird der Ezelsdorfer Corona bedingt zuhause vor dem eigenen Fernseher.

Auch Markus Lang ist sich nicht sicher, ob die Kicker des 1. FC Nürnberg tatsächlich verinnerlicht haben, in welch prekärer Situation sich der „Ruhmreiche“ befindet. „Ich hab immer noch den Eindruck, dass man sich beim Club zu stark fühlt für den Abstieg und, dass man für die dritte Liga doch viel zu gut ist. Doch genau darin sehe ich die große Gefahr. Da hängt man schneller drin als es einem lieb ist“, sagt Lang von den Clubfreunden Winkelhaid. 35 Personen hatten sich im Juni 2002 im Vereinsheim „Zur schönen Aussicht“ in Winkelhaid-Penzenhofen zum offiziellen Fanclub zusammen geschlossen. Bis heute ist die Mitgliederzahl auf rund 100 angewachsen.
Der Großteil des Fan-Clubs stammt aus Winkelhaid, von Kleinkindern bis hin zu 75-Jährigen sind sämtliche Altersstufen vertreten. Und alle vereint sie die Sorge um ihren Herzensverein. „Ich gehe davon aus, dass es ein langweiliges Unentschieden wird“, gibt sich Lang betont gelassen. Ein Remis, über das man beim 1. FCN im Anschluss sagen wird: „Jeder Punkt zählt.“

„Und wenn es in der 96. Minute fällt“

Wenn wir an die Leistung der zweiten Hälfte in Bielefeld anknüpfen können, dann wird es was. Da wir aber die ganze Saison so inkonstant spielen, fürchte ich, dass es schwer wird“, sagt Jörg Günther vom Fanclub Remember 68. Im Jahr 1992 einst in Schwarzenbruck gegründet, zog es den Fan-Zusammenschluss ein Jahr später nach Feucht. Die Angst, den Klassenerhalt nicht zu schaffen und damit von der Bundesliga bis in Liga drei durchgereicht zu werden, treibt auch Günther um. „Wenn wir absteigen sollten, glaube ich, dass wir so schnell nicht wieder hoch kommen. Denn die 3. Liga ist nicht mit der Regionalliga von einst zu vergleichen.“ Damit es nicht so weit kommt wie in der Saison 1996/97, müssen Punkte her. „Und wenn es in der 96. Minute fällt: Wir gewinnen 1:0“, sagt er. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Richtig überzeugt klingt der Burgthanner aber nicht.

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