Hart erkämpfter Sieg für Schwaiger Volleyballer

Der „Underdog“ zeigte die Zähne

Der Schuss sitzt: Bei diesem Schwaiger Angriff über Florian Tafelmayer bleibt dem Fellbacher Blocker Valentino Nadale nur das Nachsehen. | Foto: G. Santemiz2019/02/Volleyball-Schwaig-Fellbach-153-Nowak-net.jpg

SCHWAIG — Die Zweitliga-Volleyballer des SV Schwaig bejubeln ihren dritten Heimsieg in Folge. Durch den am Ende dramatischen 3:1-Erfolg gegen das „#Rote Rudel Fellbach“ (25:19, 25:20, 22:25, 27:25) können die Mittelfranken Platz fünf in der Tabelle behaupten.
Der starke Gegner des Samstag Abends – der Süd-Meister der Jahre 2015 und 2016 – steht derzeit mit dem Rücken zur Wand: Der Abstieg droht; aus 16 Spielen generierten die Fellbacher in dieser Saison erst vier Siege. In der Gelben Halle konnten sie ihre Statistik zwar nicht aufbessern; nach wahrlich spannenden 94 Minuten hinterließen sie allerdings einen tollen Eindruck.

Zwei Sätze lang souverän

Die ersten beiden Durchgänge vermittelten den 205 Zuschauern noch das Gefühl, die Schwaiger – seit nunmehr sechs Spieltagen ohne Niederlage – setzten ihre Erfolgsserie makellos fort. Zwar konnte der SVS im ersten Satz erst ab dem 21:19 tatsächlich davonziehen, und im zweiten Satz erst ab 22:16, doch die beiden Auftakt-Durchgänge spiegelten alles in allem – so im Nachhinein SVS-Coach Milan Maric –, „welche Stärke wir eigentlich auswärts zeigen“.
Sollte heißen: In fremden Hallen agieren die Mittelfranken in dieser Saison erstaunlich abgeklärt, daheim allerdings reicht´s bislang, mit Blick auf die gesonderte Heimspieltabelle, nur für den drittletzten Platz. Nervosität, Fahrigkeiten, unnötige Fehler – das ist der Eindruck, den die SVS´ler zuweilen am Mittelbügweg hinterlassen; dort gelangen „vor Fellbach“ erst drei Siege in acht Duellen. Wenn Maric also die „Auswärtsstärke“ der beiden ersten Sätze gegen das „Rote Rudel“ hervorhebt, dann darf das was heißen.
Auf der anderen Seite jedoch herrschte ohnehin der reine Zugzwang: Gerade im Abstiegssog gelingen oft die unglaublichsten Abwehraktionen, und „die Roten“ wollten keinesfalls mit einem 0:3 aus der Halle marschieren. Harte Ballwechsel und phantastische (Dreier-)Blocks auf beiden Seiten wechselten mit zuweilen kauzigen Momenten: Schon im zweiten Satz hatte SVS-Zuspieler Laurentio Vinaturo (später als „MVP“ ausgezeichnet) einen vom Block abgeprallten Ball reflexhaft zwischen den Knien aufgefangen –, dann, im dritten, landete ein Fellbach-Aufschlag auf seinem Hinterkopf, prallte ab und machte es dem bereit stehenden Kapitän Florian Tafelmayer unmöglich, diesen anzunehmen.
Abgesehen von solch eher erheiternden Slapstick-Szenen ging es allerdings mit Verve und Power zur Sache. Im dritten Satz lagen die Schwaiger fünf Mal mit zwei Punkten, danach, ab dem 17:20, sogar fünf Mal mit drei Punkten hinten. Die Gäste rochen in dieser Phase so sehr Lunte, dass sie den Durchgang nicht nur für sich entschieden, sondern ihren Elan in den vierten Satz mit hinüber nahmen.

Letzter Satz Hochspannung

Auch in diesem letzten Viertel kämpften sie mit dem Rücken zur Wand. Motiviert durch ihr 1:2, begann der Satz mit 2:2, 3:3, 4:4 und 5:5. Die Schwaiger schienen zunächst ihr Pulver verschossen zu haben. Und geradezu symptomatisch setzte sich die Reihe kurioser Szenen fort: Mit einem Fellbach-Aufschlag, eigentlich im Aus, wurde Schwaigs wuchtiger Angreifer „Mike“ Dzierwa an der Außenlinie „abgeschossen“. Es stand nun geradezu dramatische 5:8, die Gelbblauen kamen nicht mehr richtig in die Gänge.
Es war die entscheidende Phase –, ein weiterer Satzerfolg des „Rudels“, und niemand hätte sagen können, wie ein folgender Tiebreak ausgegangen wäre. Von anfangs sicher geglaubten drei Tabellenpunkten zu nur noch einem? Fellbachs Außenangreifer Alexander Benz jedenfalls lief zur Hochform auf, riss eine Mitspieler mit, und erst ab dem 10:10-Ausgleich hatten dann auch die Gastgeber den Ernst der Lage verinnerlicht: 12:11 drehten sie mit tollem Teamspirit den Spieß um, dann 18:16, schließlich 20:18. Milan Maric hatte in der Auszeit durchaus laut werden müssen.

Nichts für schwache Nerven

Beiden Teams war klar, dass es jetzt ums Ganze ging, und so folgte eine Schlussphase, wie es sie in dieser Saison in der Gelben Halle noch nicht gab. 22:21 lag der SVS vorn, doch über 23:21 kamen die Gäste auf 23:22 heran, obwohl sie ausgerechnet in dieser „Crunch Time“ drei Aufschläge fahrig in die Maschen tunkten. Die Schwaiger legten einen (scheinbar beruhigenden) Punkt zum 24:23 drauf, zum Matchball, doch Fellbach glich zum 24:24 aus.
Vielerlei Diskussionen gab es um Bälle „im Feld“ oder „draußen“; keiner gab nach; die Zuschauer tobten, dann lag der SVS gar mit 24:25 zurück. Entsetzen, Schrecken, dann Jubel zum 25:25 – und die beiden erlösenden Bälle zum 27:25, die alle Anspannung für die Schwaiger und ihre Fans lösten. Doch dem „Roten Rudel“, von Himmelhoch jauchzend zu zu Tode betrübt, pure Enttäuschung in die Gesichter malten.

Glückliches Ende für Schwaig

Ein erleichterter Milan Maric wusste im Anschluss die Gäste „in jeder Hinsicht zu loben, sie hatten einen starken Auftritt“. Im Grunde hatten sie unbeschwert beim Vorjahres-Vizemeister aufspielen können, und so mancher hätte ihnen ob ihrer gezeigten Kampfesvehemenz und ihrer technischen Stärke durchaus einen Tabellenpunkt gegönnt. Für die Schwaiger indes war es der siebte Sieg in Folge und der 75. überhaupt seit Beginn ihrer offiziellen Vereins-Statistik am 13. September 2008, bevor in der nächste Woche ein richtig schwerer „Brocken“ ansteht: der Besuch beim Tabellenführer in Mainz. Mittlerweile haben die Schwaiger zwar ein gewisses Polster zur Abstiegszone, doch der Drops dieser diffizilen Saison ist noch lange nicht „gelutscht“.

N-Land N-Land Redaktion
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