ATP-Tennisturnier Eckental:

Zum Abschied gab’s kein Happy End

Nach 100 Spielminuten war gestern Nachmittag im ausverkauften House of Sports der Drei-Satz-Erfolg von Jiri Vesely perfekt. Der Tscheche lebte gegen Steve Darcis von seiner Aufschlagsstärke. | Foto: Bertram Wagner2019/11/ATP-net-bea.jpg

ECKENTAL – Dem Belgier Steve Darcis blieb bei seinem letzten Challenger-Finale seiner langen Tennis-Karriere der zweite Erfolg (nach 2016) im House of Sports verwehrt. Am gestrigen Sonntagnachmittag kurz vor 16 Uhr endete mit dem Drei-Satz-Erfolg von Jiri Vesely die 23. Auflage des ATP Challengers, das in diesem Jahr mit dem 64er-Feld an sieben Spieltagen in eine neue Dimension vorstieß.

Ab dem Freitags-Viertelfinale mit Spielern aus acht Nationen – der Zusatz Internationale Deutsche Hallenmeisterschaften hat wahrlich seine Berechtigung – waren freie Plätze sehr rar, die 46.600 Euro-Veranstaltung erlebte einen noch nie da gewesenen Zuschauerzuspruch. Das House of Sports platzte natürlich auch gestern aus allen Nähten. Der an Nr. 7 gesetzte Gewinner kassierte 6.190 Euro und wertvolle 80 ATP Punkte im Kampf am attraktive Hauptfeldteilnahmen auf der Profitour.


„Es war eine anstrengende Woche hier in Eckental. Der Pokal hier in Deutschland bedeutet mir sehr viel zum Abschluss der diesjährigen Saison“, bilanzierte die Nr. 119 der Welt in perfektem Deutsch. Kein Problem, denn Vesely wuchs in Niedersachsen auf. Der zweimalige Wimbledon-Achtelfinalist lebte erwartungsgemäß von seinem Service (19 Asse), hatte nur eine kurze Schwächephase am Ende des zweiten Satzes, als er „zu Null“ seinen Aufschlag abgab und so in den dritten Durchgang musste.
Dieser lief fast identisch wie der erste Satz: Aufbauend auf ein schnelles Break sicherte er sich die beiden Satzgewinne. Nach exakt 100 Minuten ließ er einen Urschrei los und ließ sich zurecht feiern. Darcis brillierte mit seinem Slice, konnte aber letztlich keine weiteren Break-Möglichkeiten sich erspielen. Für ihn geht es nun aus dem „gallischen Dorf“ zum (großen) Daviscup mit dem belgischen Team.


Freitag, Feiertag im House of Sports: Ein historischer Tag; ausverkauftes Haus mit um die 1.000 Besuchern an einem Viertelfinaltag. Es mussten sogar rund 100 Tennisfans abgewiesen werden, so groß war der Zuspruch. Einziger Wermutstropfen an diesem zehnstündigen Tennistag der besonderen Art: Der Münchner Peter Gojowczyk verlor im „Spiel des Tages“ aus deutscher Sicht in drei Sätzen gegen den Russen Evgeny Karlovskiy.
Nach Satzgewinn (6:4 nach 36 Minuten) für den Deutschen, dessen Serve-and-Volley-Spiel die Fans begeisterte, kassierte die Nr. 4 des Turniers ein Break zum 1:2, ehe die Dämme vollends brachen. Der Außenseiter bekam immer mehr Oberwasser, servierte schnell (oft über 200 Stundenkilometer) und platziert und ließ sich nicht mehr aufhalten. Damit schied der Letzte von insgesamt 13 deutschen Spielern aus.


Zwei völlig unterschiedliche Halbfinalspiele erlebten die fränkischen Tennisfans tags darauf: Während der Belgier Steve Darcis seine Siegesserie – fünf Erfolge in sechs Tagen – als Ungesetzter in nicht einmal einer Stunde gegen den Südafrikaner Lloyd Harris fortsetzte (6:2, 6:4), entwickelte sich das Duell der beiden Osteuropäer Evgeny Karlovskiy gegen Jiri Vesely als ein Wimpernschlagfinale, das erst nach 160 Minuten entschieden wurde.
Tiebreak 3. Satz, bei 6:6, es wurden zum zweiten Mal die Seiten gewechselt, Karlovskiy servierte bis dahin 14 Asse und leistete sich keinen Doppelfehler, ehe das Schicksal für den 25-jährigen aus Moskau seinen Lauf nahm. Doppelfehler – unglaublich, aber wahr und Vesely nahm das „Geschenk“ dankend an, brachte seinen nächsten Aufschlag durch und ließ einen lauten Jubelschrei los. 27 Asse unterstreichen dabei die Service-Stärke des Tschechen.


BERTRAM WAGNER

Die Einzel-Ergebnisse:
Viertelfinale: Harris (Südafrika) – Lacko (Slowakei) 6:7 (5), 6:3, 6:3; Karlovskiy (Russland) – Gojowczyk 4:6; 6:2; 6:2; Vesely (Tschechien) – Van de Zandschulp (Niederlande) 3:6, 6:3, 6:4; Darcis (Belgien) – Marchenko (Ukraine) 6:7 (4), 7:6 (3), 6:3.
Halbfinale: Darcis – Harris 6:2, 6:4; Vesely – Karlovskiy 4:6, 6:4, 7:6 (6).
Finale: Vesely – Darcis 6:4, 4:6, 6:3.
Doppel-Finale: Skupski (Großbritannien)/Smith (Australien) – Arends (Niederlande)/Jebavy (Tschechien) 7:6 (2), 6:4.

N-Land N-Land Redaktion
N-Land Redaktion