Corona-Krise

Wenn die Saisonziele fehlen …

Ob Laufen oder Radeln – viele Rennen sind bereits ausgefallen. Michael Kraus (links) – hier mit Matti Köster beim gemeinsamen Training – weiß, wie man die Motivation dennoch hoch hält. | Foto: Stephanie Hahne2020/06/xIMG-0794.jpg

REICHENSCHWAND – Sport ist Kopfsache. In Corona-Zeiten mehr denn je. Denn für viele ambitionierte Läufer und Hobbysportler sind erste Saisonziele in Form von Wettkämpfen weggefallen.

„Da kann man natürlich recht schnell in ein Motivationsloch fallen“, weiß Michael Kraus, Trainer und Sportmanager aus Reichenschwand. Gerade Hobbysportler sieht er da gefährdeter als Profis, wobei er betont, dass die Anfälligkeit dafür generell vom Charakter eines jeden abhänge. „Aber wer vielleicht nur einmal ein großes Ziel hat und das dann abgesagt wird, das kann schon dazu führen, dass man aufgibt.“

Um das zu verhindern, sei ein „positives Mind-Set“ nötig, denn nur so könne man seine Leistung abrufen und bei der Stange bleiben. Wer also seinen sportlichen Traum erst nächstes Jahr erfüllen kann, der solle sich denken: „Ist doch super, dann bleibt ein Jahr mehr für die Vorbereitung und ich kann an mehr Stellschrauben drehen, um noch besser für den Wettkampf gewappnet zu sein“, rät Kraus.

Erste Rennen am Rad

Egal, ob Profi oder Hobbysportler, jeder solle sein Hauptziel neu definieren oder – im Falle der Ambitionierteren – sogar höher schrauben. Denn ab Herbst seien derzeit wieder Rennen geplant, Veranstalter hätten bereits entsprechende Konzepte ausgearbeitet, so Kraus. „Die Frage ist, ob diese realistisch sind und was noch passiert.“ Im Radsport sei es leichter, Abstand zu halten, daher fänden in Sachsen schon Rundfahrten statt – mit begrenzter Teilnehmerzahl.

Beide Leistungsgruppen sollten die aktuelle Krise ohne direkten Wettstreit aber als Chance sehen: „Diese Zeit kann jeder nutzen, um an individuellen Schwachstellen zu feilen.“ Gut gelinge dies mit einem Trainingsplan beziehungsweise festen Trainingszeiten, die man notfalls auch im Kalender vermerke.

Das habe gleich mehrere positive Effekte: Erstens nehme man sich trotz Arbeit und Familie Zeit für den Sport. „Außerdem kann man dann Trainingseinheiten als Zwischenziele sehen.“ Und diese ließen sich in einem Kalender beispielsweise wunderbar abhaken. „Das setzt Endorphine frei, weil man sein Ziel geschafft hat, und die sind Treibstoff für neue Motivation.“ Ähnlich laufe das mit Belohnungen, die man sich nach Erreichtem immer wieder gönnen solle, zum Beispiel einen Schokoriegel.

Kraus warnt jedoch, sich besonders als Hobbysportler einen überambitionierten Trainingsplan zu schreiben und diesen zu ernst zu nehmen: „Man sollte nicht unter Druck geraten.“ Wer 70 bis 80 Prozent der angedachten Einheiten umsetze, sei gut dabei.

Gleiches gelte übrigens für die Mitgliedschaft in Online-Sportportalen wie Strava oder Swift. Hier könne jeder seine Läufe oder Fahrten hochladen – sichtbar für die jeweilige Community. „Da kann dann der Gruppenzwang wirken, wenn ich sehe, die anderen sind da viel schneller.“ Schwupps werde so aus einem Trainingslauf ein virtuelles Rennen gegen die anderen und die Gefahr des Übertrainings drohe. Kraus würde Hobbysportlern daher eher von diesen sozialen Netzwerken abraten – „außer man hat viel Selbstkontrolle“.

Digitale Betreuung

Für die Profis und ihn als Trainer sei die Digitalisierung des Sports dagegen ein echter Pluspunkt: „Die Betreuung geht weg vom klassischen Trainer vor Ort.“ Kraus coacht seine Sportler nach seiner Schätzung zu 80 Prozent aus der Ferne – „also per Telefon, WhatsApp oder Mail“. Über Sportuhren oder andere Messgeräte lassen sich die Werte eines jeden aufzeichnen; der Sportler kann selbst sofort sehen, ob er seine Leistung steigert und die Daten seinem Coach zur Verfügung stellen. „Damit kann ich den Trainingsplan entsprechend anpassen.“

Bei dem könnten seine Schützlinge wenig falsch machen, denkt Kraus. „Technik üben wir nur persönlich vor Ort, wenn die Wettkämpfe weit weg sind.“ Daher sei das gerade kein Thema und es nicht nötig, sich zu sehen.

Spaß finden

Was Profis dagegen laut Kraus unbedingt brauchen, sei ein Saisonhöhepunkt. „Ich habe daher eine Strecke völlig neu festgelegt, und die nutzen wir für Trainingsrennen.“ Neue Routen, andere Methoden und neue Herausforderungen seien nicht nur gut für die Motivation. Oftmals entdecken die Männer und Frauen darüber auch wieder den Spaß am Sport.

Warum sich also mal nicht vornehmen, in x Tagen an den Bodensee zu radeln? Oder von hier zur Nürnberger Burg zu joggen und mit dem Zug zurückzufahren? Auch der Arbeitsweg lasse sich übrigens zum Sporttreiben nutzen, regt Kraus an. „Man findet einen Weg, um sich zu bewegen, auch wenn das eigentliche Ziel sich verschiebt.“

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren

Das könnte Sie auch interessieren