Underdog will auf Sieg spielen

Für den Erfolg ans Limit gehen; manchmal auch darüber hinaus: Das lebt Schwaigs Aufstiegstrainer Helmut Rahner – rechts in Aktion beim entscheidenden Spiel um den Meisteritel in Kalchreuth – seinen Spielern vor. | Foto: Sportfoto Zink2019/07/Anstoss-Schwaig-net.jpg

SCHWAIG. Freitag, der 12. Juli 2019, wird auf jeden Fall ein Datum sein, das in künftigen Vereins-Chroniken des SV Schwaig auftaucht: Als der Tag, an dem der SVS in das Abenteuer Landesliga gestartet ist. Kurz vor dem Auftaktspiel in der 6. Liga gegen den ausgemachten Meisterschaftsfavoriten SC Feucht hat sich die PZ noch einmal mit Schwaigs Aufstiegstrainer Helmut „Alu“ Rahner getroffen und über die Perspektiven und die Rolle des Aufsteigers in der neuen Spielklasse gesprochen.
„Für einen Aufsteiger ist es eher normal, dass es gleich wieder nach unten geht“, weiß Helmut Rahner. Trotzdem hat der Schwaiger Meistertrainer als Saisonziel für seine Truppe einen einstelligen Tabellenplatz ausgegeben – die Mitaufsteiger FSV Stadeln und Kickers Selb nennen bescheiden den Klassenerhalt als Ziel. Ist das nicht ein Widerspruch? Oder ist das Schwaiger Größenwahn?
Weder noch, sagt der 48-Jährige, der damit seiner Mannschaft und den Anhängern einfach die möglichen Höhen und Tiefen der anstehenden Spielzeit aufzeigen will. „Wenn alles perfekt läuft und wir am Ende Neunter sind, wäre das ein Traum. Aber wahrscheinlich werden wir uns mit vier oder fünf anderen Vereinen im hinteren Teil der Tabelle darum raufen, wer nicht absteigt“, analysiert Rahner die Schwaiger Perspektiven.
„Wir werden auch gewaltig auf die Fresse kriegen“, formuliert Rahner so plakativ, wie man es von ihm gewohnt ist und wie es auch seine Spieler zu hören bekommen. Trotzdem – oder gerade deswegen – will sich der Aufsteiger nicht verstecken. „Wir werden auf Sieg spielen; das hat uns ausgezeichnet und so wollen wir weitermachen“, steckt der Coach seinen Kurs ab.
So hadert er auch nicht damit, dass der Spielplan seinem Team zum Auftakt mit dem erklärten Meisterschaftsfavoriten SC Feucht gleich den denkbar schwersten Gegner beschert.
Von dessen Qualitäten konnte sich Schwaigs Coach noch am Dienstag beim Testspiel der Feuchter bei Bezirksligist SpVgg Hüttenbach selbst ein Bild machen; die SC-Kicker gewannen dort souverän 5:0. Letztlich sei das aber egal; „am Freitag fangen wir trotzdem mit 0:0 an und werden sehen, was geht. Das ist wie bei Bayern München gegen den Club.“
Damit was geht, hat der SV Schwaig personell aufgerüstet (die PZ berichtete), denn „mit der Aufstiegself hätten wir in der Landesliga keine 20 Punkte geholt“, konstatiert Schwaigs Übungsleiter. Acht Neuzugänge muss der Trainer in sein Team integrieren. Allerdings haben auch vier Spieler den Klub verlassen. Zwei aus beruflichen Gründen und zwei, „bei denen es für die Landesliga nicht gereicht hat“. In dieser Liga müssten Spieler körperlich topfit sein und auch zweimal die Woche ins Training kommen; wer das dauerhaft nicht schaffe, mit dem könne er nicht planen, sagt der 48-Jährige. Dazu fehlen jeweils nach Mittelfußbrüchen noch die Verletzten Wolfgang Ramstöck und Marco Marciano, mit denen ihr Coach „nicht vor Oktober“ rechnet.
Neu beim SVS sind Kevin Schwarz, ehemals Vize-Kapitän des Landesligisten TSV Kornburg und zuletzt kurzzeitig für den TSV Kleinschwarzenlohe aktiv. Rahner setzt große Erwartungen in den Linksfuß (bis dato in Schwaig Mangelware), der gute Standards treten kann und auf seiner Seite variabel einsetzbar ist. Aus Vach kamen Flügelstürmer Marco Horlamus und Verteidiger Joshua Ruckriegl; von Bayern Kickers der erfahrene Innenverteidiger Michael Linhardt und Mittelstürmer Philipp Spindler. Der bullige Angreifer könne den Team sofort weiterhelfen, so Rahner.
Defensiv-Allrounder Niclas Hamann, der aus der Schwaiger Jugend stammt, wurde von der TSG Roth zurückgeholt; der junge Matti Gregor hat zuletzt in Sachsen beim FC Hoyerswerda gespielt. Dazu ist mit Tobias Särchinger ein schneller Rechtsaußen zum SVS gestoßen, der zuletzt bei der DJK Ammerthal Bayernliga-Erfahrung sammelte und die Landesliga Nordost aus seiner Zeit bei Quelle Fürth kennt.
„Wir haben fußballerisch mehr Qualität“, zeigte sich Rahner bereits bei der Vorstellung der neuen Kicker überzeugt; dazu bringen die Neuzugänge viel Geschwindigkeit mit. In der Vorbereitung, mit deren Verlauf Rahner im Großen und ganzen zufrieden war, habe sich das bestätigt. So konnte der Neu-Landesligist trotz Niederlagen gegen Bayernligist SV Seligenporten und Bayernliga-Absteiger ASV Vach gut mithalten und gewann gegen die Bezirksliga-Truppen von TSV Freystadt und ASV Weisendorf sowie Kreisligist DJK Göggelsbuch.
Außerdem will Helmut Rahner seiner Mannschaft auf jeden Fall mitgeben, neben den reinen Ergebnissen, den Punkten und Toren das Genießen des Abenteuers Landesliga nicht zu vergessen. „Es ist eine Ehre für uns, in dieser Fränkischen Landesliga dabei zu sein“, stellt der Ex-Profi klar. Der Erfolg in der Aufstiegssaison sei kein Zufall gewesen, sondern das Ergebnis harter Arbeit. Das wolle er mit seiner Mannschaft fortführen. Und im Idealfall gibt ja vielleicht auch das Jahr 2020 einen Eintrag in künftigen Schwaiger Vereins-Chroniken her als das Jahr, in dem der SVS in seine zweite Landesligaspielzeit starten konnte.

N-Land Patrick Baer
Patrick Baer