Neue Serie: Vereinsmeister

TV Gatti

Auch als Co-Trainer der Altdorfer Handballmannschaft Damen II macht Michael Gatti eine gute Figur. | Foto: Daniel Frasch2020/01/Altdorf-TV-Michael-Gatti-Training-online-scaled.jpg

ALTDORF – Die Handballabteilung des TV 1881 Altdorf ist ohne Michael Gatti nicht vorstellbar.
 Ein Mann, der seine ehrenamtliche Arbeit liebt. Ein echter Vereinsmeister eben.

David Dürndorfer ist sich sicher. „Der Titel des Vereinsmeisters wäre eine tolle und vor allem verdiente Anerkennung seiner ehrenamtlichen und unermüdlichen Leistungen“, schreibt der Altdorfer Handballer als letzte Zeile in seiner E-Mail. Es ist der erste von zahlreichen Vorschlägen, die die Redaktion des Boten erreichen, seit sie auf der Suche nach Personen ist, die sich ehrenamtlich im Vereinswesen engagieren.

Die Freizeit gehört dem Verein

Der Mann, um den es in Dürndorfers E-Mail geht, heißt Michael Gatti. 46 Jahre alt, ledig, keine Kinder. Einen kausalen Zusammenhang zu seiner langjährigen Tätigkeit in der Handballabteilung des TV Altdorf möchte er nicht herstellen. Oder doch? „Es gab schon mal die ein oder andere Freundin. Wenn eine Beziehung scheiterte, dann aber nicht wegen meines Engagements im Verein“, glaubt er zu wissen.

Zumindest habe er bisher niemals etwas „in diese Richtung gehört“, schiebt er schmunzelnd nach. Klar ist jedoch: Es gibt einfachere Männer für eine Beziehung. Männer, die ihre Freizeit häufiger zuhause verbringen. Oder anders ausgedrückt: Männer, die nicht ihre gesamte Freizeit in den Sportverein investieren.

Doch genau so ein Mann ist Gatti. Seit 1986 ist der gebürtige Karlsruher Vereinsmitglied, mit 13 Jahren flitzte er erstmals selbst im Trikot des TVA über die Platte. „Handball war schon immer mein Sport“, blickt er auf den Beginn seiner aktiven Karriere zurück, die von überschaubaren Erfolgen geprägt war. Rund 34 Jahre sind seitdem vergangen. Über drei Jahrzehnte, in denen er schon jede erdenkliche Rolle in Altdorf bekleidete.

Spieler, Trainer, Funktionär

„Aktuell trainiere ich als Co-Trainer die Damen II, außerdem bin ich seit vielen Jahren zweiter Vorstand unserer Handballabteilung“, sagt er. Doch die Liste seiner aktuellen Tätigkeiten ist weitaus länger. So ist er Vorstandsmitglied der JSG Eintracht Nürnberger Land, die 2015 ins Leben gerufen wurde. Er ist der Zuständige für das Altdorfer Spielerpasswesen, er ist Mitglied im TVA-Zukunftsrat und Teil des Verkaufs- und Organisationsteams während der Spiele.

Michael Gatti plant unter anderem die Belegung der Sporthalle. Foto: Daniel Frasch2020/01/Altdorf-TV-Michael-Gatti-Schreibtisch-online-scaled.jpg

Doch damit nicht genug: Auch das zeitintensive Amt des Hallenwarts fällt in Gattis Aufgabenbereich. „Ich kümmere mich um Belegungspläne, lege Trainingszeiten fest und erstelle Spielpläne im Vorfeld der Saison. Die Schwierigkeit besteht darin, die Tischtennis-, Basketball- und Handballabteilung unter einen Hut zu bekommen.“ Gut und gerne sechs bis sieben Wochen gehen alleine für das Erstellen der Hallenpläne vor den Spielzeiten drauf. Rund vier Tage pro Woche beschäftigt sich Gatti neben seiner Arbeit bei Siemens mit seinem Herzensverein. Die Stunden, in denen er seinen Körper in der Altherrenmannschaft selbst noch über den Hallenboden schindet, noch nicht inbegriffen.

„Das Arbeitstier der Altdorfer Handballer“

Gatti ist ein positiv Verrückter. Selbstverständlich würde die Altdorfer Handballabteilung auch ohne sein Mitwirken weiter existieren. Es wäre nur weitaus schlechter um sie bestellt. Das bestätigt auch David Dürndorfer. Der Mann, der Gatti zum Vereinsmeister vorgeschlagen hat und langer Weggefährte ist. „Michi ist seit über zehn Jahren in der Vorstandschaft tätig, er hat die Jugendspielgemeinschaft mit etabliert und er trainiert nebenbei jedes Jahr noch mindestens eine Mannschaft. Er ist das Arbeitstier der Altdorfer Handballer und nicht zu kompensieren“, begründet er seine Entscheidung, Gatti zu nominieren.

Die Tatsache, dass der TV Altdorf heute wieder beinahe jede Jugendmannschaft besetzt hat, ist nicht zuletzt auf den unermüdlichen Einsatz des 46-Jährigen zurückzuführen. Wie viel Freude ihm die Arbeit mit den Sportlerinnen bereitet, wird mit Trainingsbeginn erkennbar. Mit einem Grinsen im Gesicht hilft er, die angekündigten Übungen von Trainerin Christina Räbel auszuführen, Leibchen zu verteilen und Hindernisse aufzustellen.

Was nicht unerwähnt bleiben darf: Gatti macht all das ehrenamtlich. Finanzielle Zuwendungen bekam er bislang keine – und will sie auch in Zukunft nicht haben. Abgesehen vom obligatorischen „25 Euro-Gutschein zur Weihnachtsfeier“, den er freilich in schöner Regelmäßigkeit gerne annimmt. Doch das Altdorfer Urgestein ist niemand, der sich in seiner Komfortzone ausruht und dabei die langfristige Ausrichtung seines Vereins vergisst.

Er vermisst das Engagement einiger Eltern

Zu seiner Funktion gehört es ebenso, den Zeigefinger zu heben und Dinge offen anzusprechen. „Es wäre schön, wenn sich noch mehr Elternteile unserer Kinder bei uns engagieren würden. Manchmal kann man den Eindruck bekommen, die Eltern sind gerade zu froh, dass sie ihr Kind bei uns abliefern und dann zwei schöne freie Stunden verbringen können“, merkt er an.

Eine Kritik, die verdeutlicht, wie wichtig dem 46-Jährigen ein intaktes Vereinsleben ist. Gegenseitiges Unterstützen, ein respektvolles Miteinander und gesellige Vesperrunden nach Trainingseinheiten in der Halle: Dinge, die Gatti liebt und unbedingt aufrecht erhalten möchte. „Ich bin schon immer beim TV Altdorf und kenne daher die anderen Vereine nicht wirklich von innen. Aber ich glaube schon, dass die Atmosphäre bei uns eine ganz besondere ist. Die Rückmeldungen unserer Mitglieder sind jedenfalls durchweg positiv“, bestätigt er.

Den Materialraum kennt Gatti wahrscheinlich besser als sein eigenes Wohnzimmer. Foto: Daniel Frasch2020/01/Altdorf-TV-Michael-Gatti-Materialraum-online-scaled.jpg

Eine außergewöhnliche Wertschätzung erhielt Gatti vor wenigen Wochen in Velburg. Dort wurde er vom bayerischen Handball-Verband mit dem offiziellen Preis des Ehrenamtsträgers ausgezeichnet. Der Glaspokal, der neuerdings seine Wohnzimmerschrankwand ziert, sowie die Urkunde, die seinen Namen trägt, machen ihn froh. „Es ist eine schöne Auszeichnung für das, was ich seit Jahren freiwillig und ehrenamtlich investiere. Da bin ich schon etwas stolz darauf“, gesteht er.

Gatti gehört zu einer vom Aussterben bedrohten Spezies. Workaholics, die sich einem Verein verschrieben haben und alles in ihrer Macht stehende unternehmen, diesen voranzubringen. Der Haken: Ohne Menschen wie ihn droht vielen Vereinen über kurz oder lang der Kollaps.

Angst, Gatti könnte künftig Teile seiner Aufgaben abtreten, brauchen sie in der Altdorfer Handballwelt nicht zu haben. „Ich nehme mir schon seit Jahren vor, vielleicht etwas weniger zu machen. Aber wenn ich ehrlich bin, macht mir jede dieser Aufgaben Spaß und erfüllt mich.“ Genau betrachtet ist Michael Gatti, der kinderlose Single, also ein ganz gewöhnlicher Mann. Er verbringt die Zeit außerhalb seines Büros gerne mit der Familie. Nur eben mit seiner eigenen. Der Altdorfer Handball-Familie.

Info: Sie kennen Personen, die sich ehrenamtlich im Vereinswesen engagieren und den Titel des Vereinsmeisters verdienen? Schreiben Sie uns an [email protected]

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