SV Schwaig entthront Liga-Primus

Team ohne Star dominiert Team um den Star

Schwaigs Trainer Milan Maric (ganz rechts) und Co-Trainer Michael Raddatz (ganz links) konnten stolz sein auf die Leistung ihrer Spieler, die dem Tabellenführer TSV Mimmenhausen dank einer souveränen Leistung die zweite Saisonniederlage beibrachten. | Foto: Güner Santemiz2021/01/Volleyball_SV-Schwaig_TSV-Mimmenhausen_0118_Z.jpg

SCHWAIG. Was für ein Triumph, auch ohne Publikumsunterstützung: Die Zweitliga-Volleyballer des SV Schwaig bezwingen den Tabellenführer TSV Mimmenhausen fulminant und verdient mit 3:0 (25:18, 25:20, 25:19). Die Gäste verlieren nach anfänglich 14 Siegen damit zum zweiten Mal in Folge, „MVP“ wird zum ersten Mal SVS-Zuspieler Moritz Gärtner. Und überhaupt: Als die unerwartet deutliche „Sensation“ geschafft war, rieben sich alle Schwaiger die Augen. Jubelnd. Es war ein Spiel in der Hans-Simon-Halle, das gerne 400 oder 500 Zuschauer verdient gehabt hätte.


Es ist ja beileibe nicht so, dass der TSV – selbst mit seinem bewährten Spielertrainer Christian Pampel – immer gewänne; in Schwaig schon gar nicht. Bereits in der Vorsaison mussten sich die Gäste mit 2:3 in der „Gelben Halle“ geschlagen geben; bloß kam es diesmal für den kolportierten „TSV Pampel“ noch schlimmer. Verletzungsbedingt gehandicapt, ohne Außenangreifer Jonas Hoffmann und Zuspieler Federico Cipollone, schlitterten die TSV-Mannen in ihre zweite Niederlage der Saison. Bemüht, ihren vorigen „Ausrutscher“ gegen den VC Gotha möglichst ungeschehen zu machen, ging ihr Versuch beim Tabellenfünften SV Schwaig umso gehöriger daneben. Ihr sonst austariertes Mannschaftsgefüge stand an diesem Abend auf tönernen Füßen.


Welten trafen aufeinander


Zusammengefasst hatten die Gäste aus der Nähe von Friedrichshafen nach nur 65 Minuten das bittere Nachsehen −, für den SVS war es das kürzeste Spiel der bisherigen Saison. Ausgerechnet. Zwar wurde Pampel abschließend zum Silber-„Player“ gewählt (übrigens erst zum fünften Mal in 16 Spielen zum „MVP“). Und gefühlt münzte der erfahrene Ex-Nationalspieler auch 80 Prozent seiner Netzgelegenheiten – mal pfiffig den SVS-Block an-, mal brachial durchschlagend – in Punkte um. Doch alles in allem reichte es an diesem 30. Januar nicht. Es spielt um ihn herum eben auch ein Team.


Nicht anders bei den glücklichen Gastgebern. Zwar verbietet es sich beim SVS traditionell, einen „Helden“ hervorzuheben – es ist immer die Mannschaft. Und wer das Zuspiel von Moritz Gärtner beobachtete, sah seine tolle Leistung ohne Wenn und Aber. Und auch die des pfiffigen „Peky“ Stanic, die eines Sven Kellermann oder Liberos Yannick Klement, die feinen Angriffe von Jan Kolakowski und die „gehämmerten“ des „Mike“ Dzierwa. Zusätzlich gab es aber auch anschließend jenen süffisant-stolzen Kommentar eines Hallenordners: „Christian Pampel? Wir haben Christian Schwabe!“


Und damit ist er dann doch gefallen, der Name des Spielers, der – angespornt vom gesamten Team, ja – eine auffällige Leistung zeigte, zudem in der Ballannahme. Es war zwar nicht das Widerspiel von „Christian gegen Christian“, natürlich nicht, doch steht der Kommentar symptomatisch für das außergewöhnliche Match: Sich überhaupt nichts schenkend, vom ersten Ballwechsel an, prallten zwei Mannschaftskonzepte kompromisslos aufeinander.


Jeder kämpft für jeden


Beim 6:5 gelang den Schwaigern nämlich schon im ersten Satz die erste Führung gegen den Favoriten, und da blitzte ihr Konzept derart auf, dass es sich durch das gesamte Match zog: Alle kämpfen für alle, kein Ball wird verloren gegeben. Über 10:8, 17:14 und 20:16 ließen sich die hoch motivierten Gelbblauen die Butter nicht vom Brot nehmen; bereits die 1:0-Satz-Führung bestätigte alles, was sie sich vorgenommen hatten.
Auch im zweiten Durchgang gingen die kampfstarken Schwaiger ab 5:4 voraus, und den Vorsprung ließen sie sich erneut keinmal nehmen. Die Mimmenhausener hielten wuchtig dagegen, es blieb bis zum Schluss ein Match auf höchstem Niveau, mit ellenlangen, wunderbaren Ballwechseln. Ein Erlebnis.


Kulminiert nur noch durch die überraschende Steigerung, dass die Gastgeber auch den dritten Satz, ohne zwischendrin einzuknicken oder auch nur ein Quäntchen nachzulassen, über 7:5, 16:11 und 19:15 wie am Schnürchen durchfochten. Block, Angriff, Abwehr, alles passte an diesem Samstag. Kaum eines der letzten Matches des SVS war geprägt von einer derart mannschaftlichen Geschlossenheit und solchem Hol-Willen der „wildesten“ Bälle −, nicht von ungefähr, dass sich ihr Coach Milan Maric am Ende vor „Stolz auf seine Jungs“ kaum halten konnte. Ewiges Motto: Je stärker der Gegner, umso stärker die Schwaiger.


Für die Franken war es im 16. Spiel der nunmehr elfte Sieg, der sechste in eigener Halle und der dritte daheim in Folge. Und einer wird sich von diesem Erlebnis besonders motiviert fühlen: SVS-Rückkehrer Janis Späth stand in der Ersatzzone, rübergewechselt vom Drittligisten TSV Zirndorf, der in diesem verflixten Corona-Jahr wohl kein Spiel mehr austragen wird (siehe Artikel unten zum Saisonabbruch in Bayern). Auch er jubelte, freute sich wie seine mittlerweile 13 Kollegen.


Tabellenführer TSV Mimmenhausen, so ihr aller Fazit, wirkte arg verwundbar. Und ein Christian Pampel – zumal der solcher Wahrnehmung ohnehin laut widersprechen würde, denn er agiert ja nicht allein – ist kein Garant für einen Sieg einer Mannschaft. Der SVS wiederum ist auf einem guten Weg, auch auf dem nach Karlsruhe am kommenden Wochenende, zum 17. Spieltag.

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