Erneute Niederlage für Zweitligavolleyballer

SV Schwaig ist im Abstiegskampf angekommen

Jan Kolakowski und seine Teamkameraden vom SV Schwaig droschen phasenweise Ball um Ball ins gegnerische Feld, doch am Ende musste sich der Zweitligist den Gästen aus Rüsselsheim 1:3 geschlagen geben. | Foto: G. Santemiz2018/12/Volleyball_SV-Schwaig_TG-1862-Ruesselsheim-II-72.jpg

SCHWAIG — Die Zweitliga-Volleyballer des SV Schwaig tun sich gerade keinen Gefallen: Unerklärlich uninspiriert und mit sich selbst hadernd, musste das Team von Milan Maric in die fünfte Niederlage in Serie einwilligen: Gegen die TG 1862 Rüsselsheim gab´s am Samstag, dem neunten Spieltag, eine verdiente 1:3-Pleite in eigener Halle (23:25, 15:25, 25:15, 20:25). Vor den beiden jetzt anstehenden Heimspielen steht der amtierende Vizemeister Schwaig nun direkt vor den beiden Abstiegsrängen.

In der Saison 2013/14 hatten die Schwaiger sechs Niederlagen hintereinander wegstecken müssen –, danach ging´s aufwärts; das Team beendete die Runde damals auf dem siebten Tabellenplatz. Vielleicht ist es diese Erinnerung mit positivem Abschluss, die den Schwaiger Akteuren in der derzeitigen Krisenlage ein wenig Hoffnung zu spenden vermag.
Ansonsten sahen die 180 Zuschauer am 1. Dezember Erstaunliches am Mittelbügweg: Spieler ohne echte Fortune und wie auf den weisen Druiden Miraculix wartend, der ihnen den belebenden Zaubertrank braut. Schon der erste Satz war bezeichnend: Zwar holten die Rüsselsheimer bald Punkt um Punkt auf (fünf davon in Serie), doch beim 7:1 und 10:3 führten die Gastgeber noch souverän gegen den starken Tabellensiebten.
Zum 19:17 rettete Schwaigs Kapitän Florian Tafelmayer spektakulär einen Ball neun Meter weit von der Grundlinie mit dem Fuß übers Netz, und es führten die Gelbblauen auch über 20:18 und 23:22. An ihnen schien – bis auf zwei Schiedsrichter-Entscheidungen – nicht zu rütteln. Doch dann kam wie aus heiterem Himmel die TG, ging unbeirrbar beim 23:24 das erste Mal überhaupt in Satzführung – und versüßte sich den Spieleinstieg knallhart mit dem 25:23-Satzsieg.
Das wegzustecken, fällt dem SVS derzeit schwer. Da war eben kein Zaubertrank, der Selbstvertrauen weckte. Dieser 0:1-Rückschlag steckte in den Köpfen, so sehr, dass die Gelbblauen den zweiten Satz gar mit 15:25 herschenkten. Vier Mal in diesem lagen sie mit je zehn Punkten hinten, da war kein Durchkommen, das Aufbäumen gelang einfach nicht. Trainer Milan Maric sagte später: „Das ist nicht der SV Schwaig, den wir kennen.“
Christian Nowak und Frank Meyer fehlten; Luca Russelmann (Zuspieler aus der zweiten Herren-Mannschaft) stand diesmal mit an der Linie, Jan Kolakowski machte seine Sache sehr gut, und – um es weiter zusammenzufassen – Christian Schwabe, Tim Rosenow, Yannick Klement und Michael Dzierwa droschen ins Gegenfeld, was ging. Da war ein Ringen um jeden Ball, ja. Aber für eine Wende reichte es in dem Moment hinten und vorne nicht.
Nur ein Satz funktionierte
Das 0:3 drohte, doch die folgende schöne Ausnahme bestätigte die Regel: Denn immerhin funktionierte das, was zuvor eigentlich immer funktionierte, im dritten Durchgang bis zum Ende und zum 25:15-Erfolg. Klar, deutlich, kompromisslos. Dieser Satz bewies, was im SVS steckt, die Vizemeister der letzten zwei Jahre „können es“: Da keimte Hoffnung auf, das Duell noch einmal zum Tiebreak drehen zu können. Als die Gastgeber die TG mächtig unter Druck zu setzen vermochten – 4:0, 8:3, 16:7 und 20:11 –, da klappte plötzlich alles, trotz der wieselflinken Abwehr der Gäste, trotz ihrer Frische und Gewitztheit.
Das war der den Fans bekannte SVS, der genau solche sportlichen Fähigkeiten auch bei sich selbst freilegte, und so ging es ja auch im vierten Durchgang weiter. Anfangs. Auch da führten die Gelbblauen nämlich noch bis zum 4:3, die Rüsselsheimer schienen verwundbar. Ein Schluck Wundertrunk nur, und es wäre so weitergegangen. Bestimmt. Nur, der Bottich war leer. Tollen, kämpferischen Ballstafetten zum Trotz knickte der SVS über 6:9, 12:15 und 16:21 ein, wehrte am Schluss zwar noch drei Matchbälle ab – doch musste sich nach 90 Minuten mit 20:25 beugen.
Dicht vor der roten Zone
Die Fans spendeten angesichts der vierten Heimniederlage (der dritten in Folge) trotzigen Applaus. Doch wer die leeren Blicke und hängenden Schultern sah – ganz kurz auch beim Chefeinweiser Milan Maric –, wusste: Da ist er, der Abstiegskampf. Allen unerklärlich, befremdlich, seltsam. Für die Schwaiger nach den erfolgreichen letzten Spielzeiten ungewohnt – mit dem im übrigen fast identischen Team –, müssen sie jetzt lernen, diesen Kampf anzunehmen.
Denn am nächsten Wochenende kommen Eltmann (am Samstagabend) und Friedrichshafen (am Sonntagnachmittag) in die Gelbe Halle nach Schwaig. Maric weiß: „Meine Jungs sind gut, es ist ja nicht, dass sie plötzlich keinen Volleyballer mehr spielen könnten. Was wir derzeit sehen, hat bloß mit dem Kopf zu tun. Den müssen wir wieder frei kriegen, egal wie.“
Wer also für das bevorstehende Doppel-Wochenende einen entsprechenden Zaubertrank zu mixen vermag, darf ihn gerne mitbringen.

N-Land Pegnitz-Zeitung
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