Altdorfs Mittelblockerin über das Match gegen TV Holz

Senkrechtstarterin

Selbstbewusst und ehrgeizig: Nach wenigen Monaten hat sich Sandra Ullrich zur festen Größe im Altdorfer Zweitliga-Team entwickelt. | Foto: studio-b152021/03/TV-Altdorf-MIttelblock-Sandra-Ullrich.jpg

ALTDORF. Gegen den TV Holz wartet viel Arbeit auf Mittelblockerin Sandra Ullrich, die seit Sommer Teil des Altdorfer Volleyball-Teams ist. Sie erklärt die positive Entwicklung der Mannschaft, spricht über das Vertrauen des Trainers und die Jeans ihrer Mitspielerinnen.

Sonntagnachmittag (16 Uhr) schließt sich für die Volleyballerinnen des TV Altdorf ein Kreis. Denn dann trifft die Mannschaft von Trainer Milan Dörnhöfer mit dem TV Holz auf den Verein, gegen den das Unterfangen 2. Volleyball-Bundesliga Ende September begonnen hat. „Wir sind nicht abgeschossen worden, sondern haben zeitweise Zweitliganiveau erreicht, das gibt Mut für die nächsten Spiele“, lautete Dörnhöfers Fazit nach dem Hinspiel. Zwar stand am Ende eine 1:3-Niederlage, mit der Leistung konnte er dennoch zufrieden sein. Nicht zuletzt, weil es in den Wochen zuvor große Veränderungen innerhalb des Altdorfer Kaders gegeben hatte und sich die Mannschaft zu dieser Zeit noch in der Findungsphase befand.

Eine, die im Sommer neu zum Löwenrudel gestoßen ist, ist Sandra Ullrich. Die 22-Jährige wechselte von den N.H-Young Volleys Neudrossenfeld in die Wallensteinstadt und sollte dem Trainerteam langfristig mehr Alternativen auf der Position des Mittelblocks bieten. „Milan hat mich angerufen, weil er Verstärkung auf dem Mittelblock gesucht hat. Und weil ich bereits bei der Europameisterschaft der Studenten mit Katharina Schön und Senta Fößel gespielt habe, kannte ich auch schon einige Spielerinnen im Team“, erinnert sich Ullrich zurück an die erste Kontaktaufnahme des Altdorfer Trainers.

Von der Regional- in die 2. Bundesliga

Bis dato hatte sie Bayern- und Regionalliga gespielt, Angst, den hohen Ansprüchen der 2. Bundesliga nicht gerecht werden zu können, hatte sie jedoch nicht. „Ich wusste schon, dass da ein hartes Stück Arbeit auf mich zukommen wird. Aber ich habe mich einfach über die Herausforderung gefreut und auf die Expertise des Trainers vertraut. Wenn er mir nicht zugetraut hätte es zu schaffen, hätte er mich ja nicht gefragt, ob ich nach Altdorf wechseln möchte“, erklärt die 1,82-Meter große Rechtshänderin, die sich selbst als „sehr ehrgeizigen Menschen“ bezeichnet, selbstbewusst. Nachdem sie sich zu Beginn der Saison erwartungsgemäß überwiegend mit der Reservistenrolle begnügen musste, spielte sich Ullrich ab Mitte Januar aufgrund einer Verletzung von Clara Fischer in den Fokus.

Mit Senta Fößel bildete sie fortan häufiger das Mittelblock-Duo und überzeugte mit resolutem Abwehrverhalten sowie cleveren Aktionen im Angriff. „Ich habe viel an mir gearbeitet und mich verbessert. Ich bin froh, die Chance bekommen und sie letztlich auch ergriffen zu haben“, sagt die gebürtige Bambergerin, die mittlerweile nicht mehr aus dem Kader der Altdorfer Vollyballerinnen wegzudenken ist. Den Wechsel von Neudrossenfeld nach Altdorf hat sie zu keiner Zeit bereut – im Gegenteil. „Ich bin überglücklich, die Chance, in der 2. Bundesliga spielen zu können, wahrgenommen zu haben“, sagt sie.

Von Bayreuth nach Altdorf pendeln

Doch der Wechsel verlangt der 22-Jährigen vor allem abseits des Feldes einiges ab. Ullrich wohnt in Bayreuth und studiert dort Sportökonomie, schon bald möchte sie ihre Bachelor-Arbeit in Angriff nehmen. Dreimal die Woche fährt sie in einer Fahrgemeinschaft ins Training nach Altdorf, dazu kommen die Spiele am Wochenende: Opfer, insbesondere in zeitlicher Hinsicht, die sie jedoch gerne bringt, um mit der Mannschaft, in der sie „von Anfang an super aufgenommen“ wurde, erfolgreich zu sein.

Am liebsten schon kommenden Sonntag im Heimspiel gegen den TV Holz, hinter dem schwierige Wochen liegen. Nach einem formidablen Saisonstart mit drei Siegen aus den ersten vier Partien fiel der TVH in ein Leistungsloch, in den vergangenen fünf Spielen setzte es vier Niederlagen, ehe beim Sieg vergangene Woche gegen den Tabellendritten SV Lohhof die Formkurve wieder anstieg.

Nach Einschätzung von Holz-Trainer Henner Brockmeier erarbeitete sich seine Mannschaft „in einem der besten Saisonspiele und einem großartigen Fight“ einen 3:2-Sieg. Allen voran Außenangreiferin Sabine Weiß stach dabei heraus und führte ihr Team zum Sieg. Aktuell rangieren die Saarländer in der Tabelle auf Platz neun und haben mit 21 Punkten zwei Zähler mehr gesammelt als Altdorf – bei zwei weniger absolvierten Partien.

„Ruhiger, stabiler, routinierter“

Von den noch ausstehenden fünf Spielen ist das Match gegen Holz „wohl mit das schwierigste“, blickt Altdorfs Coach Dörnhöfer auf Sonntagnachmittag voraus. Sandra Ullrich ergänzt: „Im Hinspiel waren wir alle schon sehr nervös, immerhin war es unser erstes Zweitligaspiel. Zwischenzeitich haben wir uns jedoch stabilisiert und sind routinierter geworden. Auch in ungewohnten Situationen bleiben wir ruhiger, jeder von uns weiß ganz genau, was er zu tun hat. Ich rechne mir schon etwas aus.“
Sollten die Altdorfer die Punkte in der Dreifachturnhalle behalten, dürften sie ihr Sieger-Getränk wieder nur im engsten Mannschaftskreis im Anschluss an die Partie genießen – mehr ließ die Pandemie in dieser Saison noch nicht zu.

„Am Wochenende nach einem erfolgreichen Spiel mal zusammen feiern zu gehen, das fehlt mir und der gesamten Mannschaft schon sehr. Wir haben schon gescherzt: Bislang kennen wir uns alle eigentlich nur in Sportklamotten, weil wir uns immer nur in der Halle oder auf Auswärtsfahrten im Bus sehen. Wie wir in Jeans beim Weggehen ausschauen, wissen wir gar nicht“, nimmt es Ullrich mit Humor.
Aktuell sieht es danach aus, als müssten die Löwinnen noch länger auf gemeinsames Feiern verzichten. Grund dazu hätten sie allemal, denn ihr bisheriges Abschneiden in Deutschlands zweithöchster Spielklasse ist aller Ehren wert.

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