Volleyball-Bundesligist überzeugt sportlich und mit Corona-Konzept

Schwaiger Strategie geht doppelt auf

Mit starken Blöcken bremsten die Schwaiger– in dieser Szene Michal Dzierwa (li.) und Jan Kolakowski – die Gäste aus Dresden (in Rot) immer wieder aus. | Foto: G. Santemiz2020/09/2020-09-26_Volleyball_SV-Schwaig_VC-Dresden_0084_Z.jpg

SCHWAIG. Ein Heimeinstand nach Maß, erleichterte Veranstalter, ein jubelndes Team nach seinem zweiten Sieg, glückliche Zuschauer: Die Volleyballer des SV Schwaig feierten beim 3:1 gegen den Aufsteiger VC Dresden (20:25, 25:15, 26:24, 26:24) nach einem harten Stück Zweitliga-Arbeit den ersten „Dreier“ in der neuen Saison. Unter Corona-Regeln war es ein einmaliges Heimspiel der erstmaligen Art.


Voller Vorfreude hatten Schwaigs Volleyballer und ihre Fans mit „Dentalservice Gust VC Dresden“ die ersten Gäste in der neuen Saison 2020/21 in der „Gelben Halle“ empfangen. Um es vorweg zu nehmen: Die „Lasst-euch-nicht-Beirren-Strategie“ des heimischen Trainers Milan Maric ging für diesen 26. September auf; die der Veranstalter ebenfalls. Denn natürlich stand der Heimauftakt unter der „Fuchtel“ der Corona-Lage. So richtete sich denn anfangs aller banger Augenmerk deutlich eher auf die organisatorischen Zwänge, denn auf den Gegner.

Gesichtsmasken beim Ansteuern der abstandmarkierten Sitzplätze; eingeschränktes Catering; rot-weiße Absperrbänder; strenge Laufwege; kein direkter Fan-Spieler-Kontakt und die Spielerstühle ungewohnt entfernt auf der Gegengeraden, kurz: Die Anspannung ob all dieser Einschränkungen war beinahe greifbar. Was ließ ein Abend unter solchen Vorzeichen erwarten?
Viel, denn er funktionierte. Die erste Antwort: Die „Gelbe Halle“ war, ironischerweise, „ausverkauft“ mit am Ende rund 90 Zuschauern. Der Online-Vorverkauf hatte 54 von ihnen einen Platz ermöglicht; dazu kamen einige abendliche Spontanbesucher, die vorbildlich ihre zugewiesenen Stuhlplätze beibehielten. Zusätzlich zu Schwaigs neuem Bürgermeister Thomas Wittmann („ich war schon oft beim Volleyball“) kamen auch noch etwa 20 Vereinsmitglieder.
Die leisteten rundherum – so der Dank ihres Abteilungsleiters Hans-Peter Ehrbar – „einen tollen Dienst“, nämlich in der ungewohnten Situation den Überblick zu behalten, zu ordnen, zu erklären. Wichtig war´s, denn mit seinen Worten zur Gesamtlage, in den ersten Minuten vorm ersten Aufschlag: „Es fühlt sich komisch an“.
Die zweite Antwort: Spielerisch ward es zu Beginn nicht „komisch“. Denn diese Fans, die dank ihrer Anwesenheit der Begegnung eine völlig neu-bewusste „Legitimation“ und auch Authentizität verliehen, wie nur Live-Sport das kann und eben nicht „virtuell“ nur per TV-Kamera –, sie also erlebten mit, wie der SVS ganz „real“ gegen eine junge sächsische Draufgängertruppe über 6:12, 11:16 und 19:24 seinen Faden zum Spielauftakt so gar nicht fand.
Angetreten mit den bewährten Recken der letzten Saison und drei noch unbekannten Akteuren – Moritz Gärtner etwa agierte als neuer, 1,90 Meter großer Zuspieler von Anfang an prima −, wurden die ehrgeizigen Schwaiger von den Unbekümmerten an die Wand gedrückt. Zunächst. Dass diese damit auf Dauer über ihren Möglichkeiten wirbelten, zeigte sich aber erst in den folgenden drei Sätzen.
Gelenkt vom später zum „MVP“ gewählten Perica Stanic, vom erfahrenen Kapitän Florian Tafelmayer und Sven Kellermann, der seine Mittelblocker-Größe von 2,03 Meter drei-, vier Mal in brachiale Blocks umzumünzen wusste, wurden die emsigen Dresdener dann doch mehr und mehr ausgebremst. Für die SVS-Fans beruhigend.
Allein, es dauerte, war eng, spannend: 13:7 und 21:13 führten die Schwaiger im zweiten Durchgang und gewannen zu 15, was den Gästen kurz den Elan nahm. Im dritten lagen die Franken wieder 3:7 und 11:14 hinten, bevor sie sich über ihre erste Führung zum 15:14 zurückspielten. Es ging hin und her. Die Gäste – unverkrampft, gleichwohl in der Ballannahme oft zu wackelig – reagierten mit Spielwitz und tollen Angriffsszenen; sie wollten sich nicht geschlagen geben.
Es war alles in allem ein hochklassig anzusehendes Volleyballduell, und das schon in dieser Frühphase der Saison. Dass die Gastgeber sich in den letzten beiden Sätzen erst mit 26:24 durchzusetzen wussten, sagt da einiges. Die Sachsen, so viel lässt sich zusammenfassen, werden eine Bereicherung für die Liga sein.


In Schwaig war die Erleichterung über den Sieg und das Erringen des zweiten Tabellenplatzes groß. Zudem wurde aus der anfänglich „gekünstelten“, eher „komischen“ Disziplin-Atmosphäre im Laufe der 105 Minuten Spielzeit die echte, gewohnte und tolle Stimmung auf den Rängen. Die Fans hielten sich bei aller Begeisterung, so die Organisatoren einhellig, „klasse an die Bestimmungen“, die Abläufe griffen ineinander, der Funke sprang über. Und dass die Mannschaft zudem ein dramatisches Saisonbeginn-Duell ablieferte, mit wenigen Tiefen und vielen Höhen, trug vollends dazu bei.
Mit anderen Worten, dieses Match hätte Hunderte Fans mehr als die abgezählten 90 verdient gehabt, und das macht den Beteiligten Mut. Die wochenlang vorbereitete Strategie am Mittelbügweg klappte, und so freuen sich bereits alle auf das nächste Heimspiel am 17. Oktober. Zuvor jedoch muss der SVS drei Mal auswärts ran: in Mainz, Mimmenhausen und Friedrichshafen, die beiden letzteren an einem Doppelspieltag.

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