Hitziges Derby im Waldstadion

Schwabach knackt die Feuchter Serie

SC Feucht SC SC Schwabach Florian Schlicker
Nicht zufrieden mit dem Punkt gegen Schwabach: SC-Trainer Florian Schlicker. | Foto: Meier2019/08/20190407_buch_feucht_thha_0017.jpg

FEUCHT – Erstmals in dieser noch jungen Saison in der Landesliga Nordost hat der 1. SC Feucht sein Heimspiel nicht gewonnen. Am Freitagabend musste sich die Truppe von Trainer Florian Schlicker in einem teilweise sehr hart geführten Derby gegen den SC 04 Schwabach vor knapp 400 Zuschauern im Waldstadion mit einem 1:1 (0:1) zufrieden geben.

Der Punktgewinn hing sogar am seidenen Faden, denn der Ausgleichstreffer durch Nicole Oltean fiel erst kurz vor dem Ende (89.). Schwabach hatte sich gut verkauft und per Freistoß durch Anton Shynder die Führung erzielt (35.). In diesem Duell gab es viele strittige Szenen, einen Schiedsrichter, dessen Entscheidungen beidseitig viele Fragen aufwarf, aber eine Punkteteilung, die unter dem Strich als gerecht einzustufen ist.

Schwabach war ausgeruhter

Ach, was könnte man da alles über dieses Spiel schreiben: Zum Beispiel die abgedroschene Floskel, dass Derbys ihre eigenen Gesetze haben, oder, dass der Favorit nicht immer gewinnt.

Nein, der Fußball schreibt seine eigenen Geschichten und diese bei jedem Spiel neu, das ja 90 Minuten dauert – im Normalfall zumindest. Auch das ist nicht immer so und so war es auch am Freitagabend, als die favorisierten Gastgeber aus Feucht den Nachbarn aus Schwabach zu Gast hatten. 106 Minuten dauerte die Auseinandersetzung insgesamt, die Nachspielminuten sieben im ersten und neun im zweiten Teil mitgerechnet.

Die Gäste aus Schwabach, ausgeruht, weil sie keinen Pokaleinsatz wie Feucht am Dienstag gegen Cham (5:1) hatten, präsentierten sich vor allem läuferisch sehr stark. Die Heimelf, die auf Andreas Sponsel, Tim Ruhrseitz, Yasin Kaya und Noah Mengi verzichten mussten, konnten Manfred Kreuzer als Stadionsprecher aufbieten, weil sich der übliche im Urlaub befand.

Vor allem taktisch hatte Schwabach einen entscheidenden Schachzug parat. Nico Scharinger lief als Manndecker von Fabian Klose diesem nebenher und konnte Klose zumindest teilweise neutralisieren, was dem Feuchter Spiel weh tat.

Fouls hemmten Spielfluss

Die Anfangsphase gehörte den Gästen, Feucht kam nicht so richtig rein. Der erste Torabschluss ergab sich für den SC nach einer Flanke von Klose, als Marco Weber knapp verpasste (17.). Schwabach kam zur ersten Möglichkeit, als Salim Ahmed den Ball an Anton Shynder verlor, dessen Schuss aus zehn Metern Keeper Korbinian Zylka aber mit dem Fuß abwehren konnte (23.).

Im Gegenzug köpfte Stephan König den Ball Jakob Söder an die Hand, der Elfmeterpfiff blieb jedoch aus. Nico Wessner schoss eine Klose-Flanke drüber (26.) und wenig später köpfte er vorbei (28.).

Die zahlreichen Fouls beider Teams, die der Unparteiische zwar pfiff, aber keine Verwarnungen aussprach, hemmten den Spielfluss und das war vor allem das Ziel der Gäste. Aufregung in Minute 29, als Zylka den heranstürmenden Schwabacher Torjäger Michael Weiß abräumte. Das passierte im Strafraum, der Schiri gab aber nur Freistoß und die gelbe Karte gegen den Torwart. Da wäre ein Elfmeter angebracht gewesen.

Es folgte dann überraschende Führung für Schwabach. Einen Freistoß aus 24 Metern aus zentraler Position an der Mauer vorbei rutschte Tormann Zylka durch die Hände ins Netz – tragisch (35.). Fünf Minuten vor der Pause traf Weber nach einer Ecke nur den Pfosten und den Abpraller köpfte Stephan König, aber Tormann Florian Adamaschek lenkte zur Ecke.

Spießls Tor zählt nicht

Im zweiten Abschnitt übernahm Feucht die Initiative, war über weite Strecken dominant. Aber der Ausgleich wollte zunächst nicht fallen. Schwabach hatte ein paar Kontermöglichkeiten, schloss diese aber schwach ab. Der zur Pause eingewechselte Philipp Spießl erzielte einen regulären Treffer für Feucht, der aber wegen angeblichem Abseits nicht anerkannt wurde (57.). Die Partie wurde nun immer hitziger und die Unterbrechungen, oft ausgelöst durch die Gäste, häuften sich.

Feucht verlor aber nicht seinen Plan, griff immer wieder an und belohnte sich. Nach einem Einwurf auf Höhe der Feuchter Bank verlängerte Patrick Tekeser den Ball mit dem Hinterkopf zu Nicole Oltean, der den zögernden Schwabacher Torwart mit einem Heber in die lange Ecke überwand (89.).

In der Nachspielzeit hatte König noch zwei Möglichkeiten und Trainer Florian Schlicker ging volles Risiko, als er Stümer Symon Paszko für Innenverteidiger Michael Kammermeyer einwechselte. Aber das sollte sich nicht mehr auszahlen und so blieb es beim letztlich gerechten Remis.

Schwabach hatte sich gut präsentiert und Feucht konnte ehrlicherweise nicht an den Pokal-Aufritt gegen Cham anknüpfen. Die Gäste verdienten sich für einen läuferisch sehr starken und aggressiven Auftritt den einen Punkt. Feucht enttäuschte zwar nicht, konnte ab an diesem Abend die zuletzt gezeigte Dominanz dieses Mal nur phasenweise auf den Platz bringen und musste daher mit dem einen Punkt zufrieden sein.

Stimmen zum Spiel:

Florian Schlicker (Trainer 1. SC Feucht): „Der Punkt ist mehr als verdient, weil wir viel Druck gemacht haben. Mich ärgert heute aber was Schwabach gemacht hat. Sie haben nur zerstört, haben Theater gemacht und immer wieder Zeit geschunden. Die Nachspielzeit hätte noch länger sein müssen. Schwabach hat heute den Fußball mit Füßen getreten. Das hat mich richtig genervt. Leider ist uns ein korrekt erzieltes Tor von Spießl aberkannt worden.“

Jochen Strobel (Trainer SC 04 Schwabach): „Es war ein sehr intensives Derby, dem der Schiedsrichter nicht gewachsen war. In der ersten Halbzeit hätte es nach dem Foul vom Torwart an Weiß Elfmeter und Rot geben müssen. Beide Treffer resultierten aus Fehlern der Torleute. Vor dem Spiel wäre ich mit einem Punkt zufrieden gewesen, jetzt nicht mehr. Meine Mannschaft hat alles rausgehauen und einen großen Kampf geliefert.“

SC Feucht: Korbinian Zylka – Michael Kammermeyer (90. Szymon Pasko), Julian Schäf, Nicolae Oltean, Salim Ahmed, Patrick Tekeser, Fabian Klose, Junior Betsi Mbetssi, Maximilian Höhenberger, Marco Weber (73. Niklas Uhle), Nico Wessner (46. Philipp Spießl), Stephan König – Trainer: Florian Schlicker.
SC 04 Schwabach: Florian Adamaschek – Timm Raumer, Thomas Mohrbach, Nico Scharinger, Jakob Söder, Florian Nißlein, Fatih Boynügrioglu (68. Enrico Cittadini), Tobias Spieß, Selahattin Oktay, Michael Weiß (46. Alexander Schenker), Anton Shynder (86. Tim Wunderlich) – Trainer: Jochen Strobel.
Schiedsrichter: Christoph Stühler (Oesdorf)
Zuschauer: 380.
Tore: 0:1 Anton Shynder (35.), 1:1 Nicolae Oltean (89.).

N-Land Dirk Meier
Dirk Meier