ATP-Tennis in Eckental

Organisatoren glauben an ihr Turnier

Über den Titelgewinn beim ATP-Turnier in Eckental konnte im Jahr 2019 Jiri Vesely jubeln – und das vor vollen Zuschauerrängen. Wie es in damit diesem Jahr aussehen wird, kann aktuell niemand sagen, doch die Veranstalter sind zuversichtlich, dass ihr Turnier im November stattfinden kann. | Foto: B. Wagner2020/03/ATP-2019-Vesely-net.jpg

ECKENTAL. Das ATP-Turnier in Eckental ist seit über 20 Jahren ein fester Programmpunkt im heimischen Sportkalender – und das nicht nur für Tennisfans. Kann die Veranstaltung in diesem Jahr angesichts der Corona-Pandemie wie geplant in seiner 24. Auflage Anfang November stattfinden? Turnierdirektor Marcus Slany ist überzeugt davon – weil sich seiner Meinung nach die Besonderheiten des kleinen, familiären Rahmens jetzt als Vorteil erweisen.

Wenn sich Slany, der seit elf Jahren Chef-Organisator des Eckentaler Challengerturniers ist, sonst mit den Ausrichtern anderer Turniere der ATP (die Vereinigung der professionellen männlichen Tennisspieler) in seiner Klasse austauscht, wird er oft bemitleidet, manchmal belächelt, wenn er von Verhandlungen mit Sponsoren erzählt. Denn im Gegensatz zu vielen anderen hat der 42-Jährige nicht nur einen ganz großen und ein paar nicht ganz so große Geldgeber an der Angel, die den notwendigen Etat für die Veranstaltung aufbringen; er hat ein Netzwerk von vielen kleinen Partnern und Gönnern. Dass er jedes Jahr etwa 140 Treffen und Besprechungen mit Kleinsponsoren hat, bei denen es um jeweils 500 Euro geht – „das können viele gar nicht glauben“, weiß er.
400 000 Euro ist die Zielmarke, die es für dieses Jahr zu erreichen gilt. Als Slany die Organisation des Eckentaler Turniers vor elf Jahren von Gründer Markus Giegold übernommen hatte, lag der zu stemmende Etat noch bei 185 000 Euro. Gleichgeblieben ist über die Jahre eiegntlich nur das Resultat: „Kein Gewinn, sondern die schwarze Null“ – und ein Turnier, dass die Fans in der Region begeistert. Ebenso wie die Tennisspieler aus aller Welt, die die für ein Challengerturnier ungewöhnliche familiäre Atmosphäre und Betreuung schätzen – eine über viele Jahre gewachsene Besonderheit, die in Eckental aus der Not heraus entstanden ist. Denn wo das große Geld fehlte, mussten viele im Kleinen mit persönlichem Engagement in die Bresche springen.
Marcus Slany vergleicht die Geschäftsbeziehungen rund um sein Turnier deshalb oft mit einer Ehe: „Nach mehr zehn Jahren kennt man sich und hält zusammen, auch wenn’s mal nicht so läuft“, sagt er. Als Gegenentwurf nennt er ein Beispiel in den USA, wo der große Soft- und Hardwarehersteller Oracle zuletzt auf einen Schlag die Finanzierung von zwölf Turnieren übernommen hat. Insgesamt hat der Großkonzern für 2019 und 2020 über 25 neue Turniere geschaffen, die als Teil einer „Oracle Pro Series“ etabliert werden sollen. „So oder ähnlich stellt man sich bei der ATP die Finanzierung solcher Veranstaltungen vor“, weiß Marcus Slany.
Doch klar ist auch der Umkehrschluss: Wenn der Großsponsor seine Unterstützung abzieht, dürfte dies das Aus bedeuten. Gerade erst exemplarisch zu sehen beim Damen-WTA-Turnier in Nürnberg, wo nach dem Ausstieg der Nürnberger Versicherung letztlich nichts mehr ging.
Marcus Slany hat bei einer Reihe von Nachfragen von seinen Sponsoren aktuell positive Rückmeldungen bekommen. Firmen wollen auch angesichts der Pandemie und der zu erwartenden Folgen „ihrem“ Turnier die Treue halten und dort Präsenz zeigen. „Es gibt ja auch ein Leben nach Corona“, so der 42-Jährige.
Deshalb habe auch die ATP bereits jetzt in Aussicht gestellt, ihre sonst strengen Vorgaben zu lockern und den Turnierorganisatoren entgegenzukommen, berichtet Slany. Immerhin sind die Lizenzgebühren an die Spielervereinigung zu Jahresbeginn der erste große Kostenpunkt für die Eckentaler, wenn sie jährlich das Recht erwerben, ihr Turnier auszutragen. Der Verband selbst hat auch ein großes Interesse daran, dass die Turniere stattfinden, denn nur hier können die Spieler die Punkte sammeln, um in die Top-100 vorzustoßen – die Eintrittskarte für die lukrativen und prestigeträchtigen Großveranstaltungen.

Und unter den Wettbewerben der Challenger-Serie sticht Eckental ohnehin positiv heraus, schließlich hat man dort in den vergangenen drei Jahren viel investiert, um den strengen Anforderungen gerecht zu werden, und steht im Ranking dieser Klasse weltweit in den Top 20.
So glaubt Marcus Slany fest daran, dass sein Turnier vom 2. bis zum 8. November gespielt werden kann. Möglicherweise müsse man Auflagen wie etwa größere Abstände bei den Zuschauern beachten. Die Spieler selbst haben im Gegensatz zu anderen Sportarten ja sowieso keinen direkten körperlichen Kontakt. Mitte März hat die ATP eine sechswöchige Pause des Spielbetriebs ausgerufen; bis zum Eckentaler Turniertermin werde das aber nicht andauern, glaubt Slany. „Man kann den Menschen den Sportbetrieb nicht so lange wegnehmen“, ist er überzeugt.
Selbst wenn es zum Schlimmsten kommt und in Eckental in diesem Jahr nicht gespielt werden könnte, gibt sich der 42-jährige Turnierdirektor optimistisch. „Auch das wäre nicht das Ende für unser Turnier“, sagt Marcus Slany: „Der Challenger Eckental ist stark genug, um auch das zu überleben.“

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N-Land Patrick Baer
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