Der Aufstieg steht auf der Kippe

Niemals 2. Liga?

Wohin führt der Weg von Lara Krasser (Nummer drei) und ihrer Altdorfer Mitspielerinnen? Nach oben? | Foto: Daniel Frasch2020/01/Altdorf-TV-Volleyball-TdW-scaled.jpg

Altdorf – Die Volleyball-Damen des TV Altdorf dominieren die dritte Liga und halten Kurs auf die zweite Bundesliga. Doch der mögliche Aufstieg steht auf der Kippe. TVA-Vorsitzender Joachim Töwe nennt die Gründe.

Woche für Woche gleichen sich die Bilder im Altdorfer Facebook-Profil: Eine Traube fröhlicher, durchgeschwitzter Frauen jubelt in die Kamera, sie recken Siegerfäuste in die Luft. Die Spielstandtafel auf dem Boden dokumentiert das Ergebnis des entscheidenden Satzes. Den Spielerinnen ist die Freude ebenso anzusehen wie Trainer Milan Dörnhöfer, der sich auf den Siegerfotos meist dezent im Hintergrund aufhält. Elf Spiele bestritt die Damenmannschaft des TV Altdorf in Liga drei, zehn Partien davon erfolgreich. Der Vorsprung auf Verfolger TSV Ansbach auf Rang zwei ist mittlerweile auf komfortable neun Punkte angewachsen.

Zweifel werden laut

Doch der Aufstieg in die zweite Volleyball Bundesliga, der von Woche zu Woche immer wahrscheinlicher wird, steht auf der Kippe. Die bis dato so erfolgreiche Saison wird womöglich ohne Happy End zu Ende gehen. Gründe für den möglichen Verbleib in Liga drei gibt es viele. Gemäß den Statuten muss der TVA bis zum 1. Februar nicht nur eine Erklärung zur Teilnahme an der Lizenzierung übersenden. Auch der Nachweis über eine geeignete Spielhalle müsste erbracht werden sowie die Teilnahme an einem Workshop der Volleyball Bundesliga. Dinge, die der TVA problemlos umsetzen könnte. Weitaus schwieriger dürfte sich hingegen der Nachweis über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit gestalten. Zwar beteuert TVA-Vorsitzender Joachim Töwe, mit dem Verein „nicht am Hungertuch zu nagen“.
Doch die finanziellen Rahmenbedingungen würden sich im Falle des Aufstiegs deutlich verändern. Allein 1300 Euro beträgt die Mitgliedschaft pro Saison. Für das Vorlizenzierungsverfahren fallen 250 Euro an, nochmal 1850 Euro werden für die Lizenzgebühr im ersten Jahr fällig. Hinzu kommen bis zu 400 Euro als Vermarktungskostenzuschuss sowie die Vorauszahlung der Schiedsrichtereinsatzgelder in Höhe von 360 Euro. Die Kosten, um überhaupt am Spielbetrieb der zweiten Liga teilnehmen zu dürfen, belaufen sich bereits im Vorfeld auf rund 4160 Euro.
„Der Hauptverein sperrt sich natürlich nicht grundsätzlich“, erklärt Töwe, allein „die finanzielle Absicherung muss gegeben sein“. Nur durch den Einstieg weiterer Sponsoren könnte das finanzielle Risiko, welches ein Aufstieg in die zweite Bundesliga mit sich bringt, aufgefangen werden. „Rund 30 000 Euro müssten wir insgesamt aufwenden“, schätzt Töwe nach Einblick in den Kostenkatalog der Volleyball Bundesliga. Ob sich ein sportlicher Aufstieg in Anbetracht solcher zu erwartenden Ausgaben tatsächlich lohnt, muss der TV Altdorf als Gesamtverein abwägen. „Noch hat der Verband die Liga aber ja nicht einmal ausgeschrieben“, beruhigt Töwe in der Diskussion um die Zukunft.

Noch ist es Amateursport

Doch es sind nicht nur wirtschaftliche Faktoren, die den Altdorfern momentan Kopfzerbrechen bereiten. Einige der Spielerinnen absolvieren gerade ein Studium. Niemand weiß, wo sie ihr beruflicher Werdegang in naher Zukunft hin verschlagen wird. Ein Faktor, der langfristiges Planen unmöglich macht. Nicht zu vergessen die Tatsache, dass der Altdorfer Volleyball, ganz gleich wie attraktiv und mitreißend er aktuell dargeboten wird, noch immer auf Amateur-Ebene stattfindet. Das müsste sich im Falle eines Aufstiegs ebenfalls ändern. „In Liga zwei würden wir nicht nur vier Spiele mehr bestreiten, sondern hätten auch weitaus längere Fahrten zu den Auswärtsspielen“, gibt Töwe zu bedenken und fügt an: „Ich glaube, viele unserer Spielerinnen wissen noch gar nicht so genau, was in der zweiten Bundesliga alles auf sie zukäme.

Neuwied, Grimma, Dresden, Sonthofen: Die Liste weiter Auswärtsfahrten ist lang. „Wir dürfen auch nicht mögliche Kosten für Hotelübernachtungen vergessen“, führt Töwe fort. Er hat sich bereits mit den Statuten der Volleyball Bundesliga vertraut gemacht und sagt: „Ich habe eine Liste mit rund 25 offenen Punkten erstellt. Erst wenn diese Punkte abgearbeitet und die Fragen beantwortet sind, sehen wir weiter.“ Die wichtigste Frage für ihn sei ohnehin eine andere: Was wollen und was sagen die Spielerinnen selbst?
Ich möchte bis zur nächsten Woche ein Ergebnis von der Mannschaft hören. Reine Lippenbekenntnisse helfen uns in dieser Situation nämlich nicht weiter“, warnt Altdorfs Vorsitzender davor, eine weitreichende Entscheidung zu treffen, die nur auf verbalen Zusagen der Spielerinnen basiert. „Was passiert, wenn der Erfolg in der zweiten Bundesliga ausbleibt? Springen uns dann einige Spielerinnen ab?“ Fragen wie diese treiben den Altdorfer derzeit um. Töwe betont, welch tolle Arbeit in der Volleyballabteilung derzeit geleistet wird. Umso schwieriger sei die Entscheidung, das erfolgreiche Fundament der Gegenwart auf‘s Spiel zu setzen und auf ein Modell der Hoffnung und der Zukunft zu vertrauen. Jetzt ist die Mannschaft am Zug. Die Damen um Spielführerin Katharina Schön müssen für sich eine Entscheidung treffen. Erst dann können weitere Schritte eingeleitet werden – oder eben auch nicht.

N-Land Daniel Frasch
Daniel Frasch