Sophie ist einziges Mädchen in Wasserball-Team

Mitschwimmen auf der neuen Trendwelle

Schwimmen ist nicht der einzige Sport, den Sophie betreibt, aber aktuell steht Wasserball eindeutig an erster Stelle. | Foto: Gisa Spandler2017/04/sophie2.jpg

EZELSDORF – Zwölf Teenager zwischen 13 und 16 Jahren tummeln sich abwechselnd im tiefen Schwimmerbecken, jagen einem Ball nach, haben Spaß, werfen aufs Tor, treffen. Das Auffällige daran: Unter den sechs Feldspielern, Torwart und den fünf jungen Leuten auf der Bank, die der Reihe nach eingewechselt werden, ist nur ein Mädchen: Sophie Reither, 15 Jahre, erst seit wenigen Wochen bei den „Barracudas“, wie sich die Nürnberger Wasserballer nennen. Und schwer begeistert.

Nach nur zwei Monaten Training hat sie vor zwei Wochen ihr erstes reguläres Spiel bestritten, das in Würzburg mit 15:8 gewonnen wurde und bei dem sie gleich ein Tor schoss. Das Ziel ihres Trainers Marc Steigenberger ist der Aufbau einer Damenmannschaft. Bis es soweit ist, darf Sophie weiterhin bei den Jungs mitmischen.

Die Begeisterung fürs Schwimmen kommt in der Familie Reither aus Ezelsdorf nicht von ungefähr. Papa Alexander Gallitz war und ist immer noch aktiver Wettkampfschwimmer, Bruder Paul gar lebt und trainiert im Olypmpia-Stützpunkt Heidelberg, sackt eine Medaille nach der anderen ein und hat die Olympischen Spiele in Tokio 2020 als Mitglied des Perspektiven-Teams fest im Blick. So ist es kein Wunder, dass auch die jüngere Schwester, die sich schon in den unterschiedlichsten Sportarten bis hin zu Triathlon engagierte, auch Gefallen am Schwimmen fand. Bloßes Wettschwimmen allerdings, schränkte sie ein, sei ihr zu eintönig, da sollte schon mehr Action sein, ein Mannschaftssport wäre schön – Wasserball also. Eine Mädchen- oder Frauenmannschaft im Nürnberger Raum gibt es aber nicht.

Zum Schnuppertraining eingeladen

In der ganzen Bundesrepublik existieren nur sieben oder acht, schätzt Papa Gallitz. Da er gute Kontakte zum Trainer der Barracudas hat, die aus Schwimmern des Nürnberger Post SV und des 1. FC Nürnberg hervorgegangen sind, ergab es sich jedoch, dass die Tochter zum Schnuppertraining nach Langwasser eingeladen wurde und mittels einer Ausnahmegenehmigung bald festes einziges weibliches Mannschaftsmitglied wurde und nun in der Bayernliga Jugend dem Ball hinterherkrault. Und wie kommt sie mit ihren männlichen Teamkollegen klar? Offensichtlich besser als manche von denen mit ihr. „Ich wurde gut in die Gruppe aufgenommen“, findet sie, „aber manche der Jungs finden‘s schon noch komisch“ und haben beim Zweikampf leichte Berührungsängste.

Begeisterung steigt wieder

Mit ihrer Begeisterung für den Wasserballsport schwimmt die Neuntklässlerin der Mittelschule Burgthann im wahrsten Sinn des Wortes auf einer Trendwelle. Nordbayern war früher eigentlich eine Wasserball-Hochburg. Im Laufe der vergangenen Jahre allerdings haben Interesse und wohl auch die Förderung nachgelassen, der Nachwuchs blieb aus. Seit etwa fünf Jahren allerdings steigt die Begeisterung für diesen Teamsport wieder, und die Anmeldezahlen gehen nach oben. Bei den Nürnbergern sieht Alexander Gallitz, der selber eine Schwimmschule betreibt, die Ursache zum großen Teil dafür in der Person von Marc Steigenberger.

Ziel ist eine Damenmannschaft

Nur bei den Mädels lässt der Boom noch ein wenig auf sich warten. Ziel der Schwimmtrainer ist schließlich, eine Mädchen- oder Damenmannschaft in Nordbayern zu etablieren. „Die käme dann sofort in die Bundesliga“, ist sich Gallitz sicher, denn je geringer die Konkurrenz ist, desto schneller führt der Weg nach oben.

Sophie hofft nun, dass sich bald genug Mädels melden – zunächst für ein Schnuppertraining so wie sie selbst –, die dann Gefallen an dem Sport finden, so dass es bald für ein komplettes Frauen-Team reicht. Interessierte können sich per E-Mail an die Verantwortlichen wenden: info@fcn-schwimmen.de

Montags geht es zum Kickboxen

Das Alter spielt dabei zunächst mal keine Rolle, Begeisterung für den Sport und ein gewisses Maß an Kondition sollten aber schon vorhanden sein. Denn „anstrengend ist der schon“, der Kampf im Wasser um die Kugel, wie Sophie gesteht. Deshalb wird bei den Partien jeweils nur vier mal acht Minuten gespielt, dazwischen gibt es Pausen. Zum Trainingsprogramm gehören aus diesem Grund nicht nur Technik und Geschwindigkeit, sondern auch Krafttraining, das die 15-Jährige zwei Mal die Woche im Fitness-Studio absolviert. Daneben wird zwei bis drei Mal wöchentlich im Wasser trainiert, einmal dürfen die Leistungssportler bei der Bereitschaftspolizei in Nürnberg ins Becken, montags geht es zum Kickboxen, und auch das Triathlon-Training würde Sophie gern wieder aufnehmen.

Ein ganz anderes Ziel hat sie aber auch noch vor Augen: Eine der wenigen Frauen-Wasserball-Mannschaften gibt es in Heidelberg, wo ja auch Bruder Paul sein Stützpunkt-Training absolviert. Wenn sie bis Herbst gut genug ist, würde sie gern zwei Mal im Monat mit der weiblichen Riege dort trainieren, der einzigen süddeutschen Frauen-Mannschaft, die natürlich auch in der Bundesliga ist. Das wäre dann der erste Schritt zum Schulterschluss mit Bruder Paul, der in Heidelberg ja das Internat besucht und derzeit in Topform ist.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler