Weigendorfer beim Springreiten

„Mensch, sind die Hindernisse hoch hier!“

Pascal Greissinger und sein Pony Nikita sind ein starkes Team, das in Pöttmes Zweiter wurde. Foto: privat2015/04/PAscal_neu.jpg

WEIGENDORF – Männlich, 14 Jahre, Schüler der Montessori-Schule in Lauf und begeisterter Springreiter: Das ist Pascal Greissinger. Pferde sind also nicht nur eine weibliche Domäne, wie der Teenager beweist. Nach nur einem Anlauf wurde er nun in den Ponykader des Pferdesportverbands Niederbayern/Oberpfalz aufgenommen. Das bedeutet Training, Lehrgänge, fast jedes Wochenende Turniere und – Abzeichen mit Wappen für das Reit outfit.

„Können wir das gleich noch annähen?“, fragt Pascal Greissinger seine Mutter Carmen ungeduldig. Er muss gleich zum Training los, das zwei Mal in der Woche beim Gestüt Vilswiese in Hahnbach stattfindet – das erste nach seiner Aufnahme in den Ponykader des Pferdesportverbands Niederbayern/Oberpfalz. Der Schüler des Reitzentrums Adertshausen ist unendlich stolz und will allen seinen Erfolg zeigen.

„Er hat das auch unbedingt gewollt“, fasst Mama Carmen den Ehrgeiz ihres Sohnes in Worte. Seit einem Jahr gibt es für den 14-Jährigen nichts anderes als seine Nikita, ein deutsches Schimmel-Endmaß-Pony, das die Familie extra aus Dortmund geholt hat. „Sie ist ein nettes, liebes Pferd“, sagt er schüchtern und man merkt, statt zu reden will Pascal lieber nach draußen zu Nikita. Selbst bei seiner Konfirmation war sie dabei. Ob ausführen, grasen lassen oder Geländeritt, Pascal kümmert sich täglich um sein Pony, trainiert jeden Tag mit ihm. Zusammen mit Training und Turnieren ist der Reitsport ein Fulltime-Job.

Und die Schule? „Das ist kein Stress“, meint Pascal, der oft erst um 16 oder 17 Uhr Schluss hat. Mit sieben Jahren saß Pascal das erste Mal auf einem Pferd. Wie fast alle Jungs, hat er Tennis und Fußball gespielt, aber die Rösser ließen ihn nicht mehr los. Westernpferde in Högen und eine Reitsport begeisterte Cousine taten ihr Übriges dazu.

Also wurden Verein und Pony gesucht, regelmäßig trainiert. Geübt wird dann eine halbe Stunde Dressur und eine halbe Stunde Springen. „Das gefällt mir besser, weil es schneller ist als Dressur“, lässt sich Pascal entlocken, „Angst habe ich noch nie vor einem Hindernis gehabt.“ Am Liebsten „fliegen“ er und Nikita über den Oxer, wo das Pony im Hoch- wie Weitsprung gefordert ist. 1,30 Meter schafft das Team schon. In den Turnieren sind derzeit noch nur 1,15 Meter gefordert. „Aber man trainiert immer höher“, erklärt der Kader-Neuling.

Richtig Blut geleckt hat Pascal letzten November, als er bei einer Sichtung des Pferdesportverbands Niederbayern/Oberpfalz auf Anhieb Förderstufe eins erreichte. Um in den Ponykader zu gelangen, musste er acht A-Platzierungen oder eine L-Platzierung vorweisen können, erläutert Mama Carmen. Das hieß: Seit Ende Januar fast jedes Wochenende auf ein Turnier, um die geforderten Ergebnisse zu scheffeln. Zwischendrin legte der Jugendliche noch das Reitabzeichen vier ab, das ihn in die Leistungsklasse fünf beförderte – die Voraussetzung, um auch ein Springreiten der Klasse L absolvieren zu können.

Und das nutzten Mama und Papa Erwin, meldeten den Sohnemann spontan und ohne sein Wissen über das Niveau beim „Ponyspringen KI. L. mit Stechen“ in Pöttmes auf Gut Sedlbrunn an. Als Pascal den Parcours aus 15 Hindernissen ablief, meinte er: „Mensch, ist das hoch!“, erzählt Carmen amüsiert. Ihm schwante nichts. Nachdem nur er und ein Konkurrent fehlerfrei durch den ersten Durchgang kamen, mussten Beide ins Duell aus vier Sprüngen, das Pascal und Nikita knapp mit 39,45 zu 39,36 Sekunden verloren. Aber Rang zwei beim L-Turnier war der Türöffner für den Ponykader. Als ihm das bewusst wurde, war er sprachlos.

Jetzt heißt es für Pascal nicht nur mit Stolz seine Abzeichen zu tragen, sondern weiter Leistung zu bringen. So muss er neben Lehrgängen verschiedene Pflichtturniere mit unterschiedlichen Modi (13 Sprünge auf Zeit, Stechen etc.) wie den Nürnberger Burgpokal oder München-Riem absolvieren. Bleibt Pascal Greissinger weiter so ehrgeizig, wird sein Traum von Olympia ja vielleicht einmal Realität.

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