Laufgruppe Högenbachtal

Laufen ohne Ansporn aus der Gruppe

Zum ersten Treff der Laufgruppe Högenbachtal im Zuge der Corona-Lockerungen kamen sieben Mitglieder. Sie liefen in zwei Gruppen, mit Abstand und einem Lachen im Gesicht. | Foto: privat2020/06/100756316-2733755766852987-5613477833025.jpg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Alleine oder mit dem Lebenspartner draußen Sport machen – auch in Corona-Zeiten kein Problem. Lauftreffs hatten Pause – wie die Laufgruppe Högenbachtal. Bis jetzt.

„Läuft mit Abstand, aber läuft endlich wieder in einer kleinen Gruppe.“ So lautete der glückliche Facebook-Post der „Högis“, wie sich die mittlerweile 20 Männer und Frauen selbst nennen, als im Zuge der Corona-Lockerungen wieder mehr als zwei Personen miteinander sporteln durften. Denn die Gemeinschaft hat dem zwanglosen Lauftreff sehr gefehlt, verrät Christina Lening.

Schließlich kommen die Hobby-Läufer, die ursprünglich alle aus dem Umkreis des Högenbachtals stammen, seit rund acht Jahren regelmäßig zusammen, um gemeinsam die eigene Heimat unter die Laufschuhe zu nehmen. „Dienstag, Donnerstag und Sonntag sind immer unsere Tage“, erzählt Lening – bis die Kontaktbeschränkung aufgrund der Corona-Pandemie kam.

Glück für Paare

„Von da an musste jeder für sich laufen – vor der Haustür oder am Laufband.“ Die drei Pärchen in der Gruppe hatten Glück, sie konnten immerhin als Duo ihrem Hobby nachgehen. Ein Ersatz für die Gespräche mit den anderen sei das aber nicht gewesen, denn die Unterhaltungen hätten jedem gefehlt, hat Lening aus den Nachrichten in der WhatsApp-Gruppe der Läufer herausgelesen.

Einer fand, so Lening, man habe in der Zeit seine Umgebung besser kennengelernt, weil man neue Pfade ausprobiert habe, um keine Langeweile aufkommen zu lassen. Zeit fürs Laufen hätte jeder genug gehabt, hat eine andere Sportlerin festgestellt, aber ohne die Truppe mangelte es dem ein oder anderen an Motivation.

Sechs statt zehn Kilometern

„Es ist nicht einfach, ohne die gewohnte Laufgruppe zu laufen“, schrieb beispielsweise Gisela Setschödi. Da wurden dann halt aus geplanten zehn Kilometern mal nur sechs, „weil man keine Lust mehr hatte“, beschreibt es Lening. Sie selbst konnte das Gefühl auch nachvollziehen, aber einer trieb sie immer nach draußen – ihr Hund: „Da musste ich mich so und so bewegen.“

Andere holten sich den nötigen Antrieb über virtuelle Rennen, weiß Lening. Einige nahmen an „Wings for hope“ Anfang Mai teil, einem Spendenlauf für die Knochenmarkforschung. „Da gibt es eine feste Startzeit, zu der dann alle, die mitmachen, ihre Uhr anschalten und loslaufen“, erläutert Lening. Aber auch diese Wettkämpfe auf Distanz seien kein Ausgleich für die abgesagten Läufe. „Unser Team für den Landkreislauf war schon gestanden“, bedauert Lening.

„Echt schade“ findet sie es auch, dass der „immer top vorbereitete“ Deckersberger Inklusionslauf Ende Juni nicht stattfinden wird. Zehn bis 15 Leute aus der Truppe wären dabei gewesen, denkt sie. Aber die „Högis“ nehmen die Absage nicht so einfach hin, sondern entwickelten eine eigene Idee – schließlich habe sich ja schon jeder den Termin lange frei gehalten.
„Wir werden an dem Tag auf alle Fälle laufen“, verkündet Lening – und spenden. Geplant ist, dass die Mitglieder des Lauftreffs in Kleingruppen nach und nach starten. „Wir wollen nämlich sportlich und sozial punkten“, unterstreicht Lening das Ansinnen ihrer Mitstreiter.

Sofort wieder am Start

Diese schnürten sofort wieder die Laufschuhe, als die Staatsregierung erlaubt hatte, dass fünf Personen draußen zusammen mit entsprechendem Abstand Sport treiben dürfen. „An dem ersten Sonntag waren sieben Läufer da“, berichtet Lening. Zwei zu viel für eine Gruppe, also teilten sich die Anwesenden auf zwei auf. „Musste man halt a weng lauter schreien beim Unterhalten“, sagt Lening lachend. Egal, Hauptsache nicht alleine laufen.
Den Abstand beim Sport einzuhalten, das sei bislang kein Problem gewesen, so Lening. „Aber wir müssen uns beim Begrüßen immer bremsen, um den anderen nicht um den Hals zu fallen.“ Sie sind nämlich nicht nur Läufer, sondern Freunde.

Einen Vorteil der erzwungenen Aufteilung auf Kleingruppen hat der Lauftreff schon erkannt: Die einen können flach am See, die anderen währenddessen auf Trails in den Hügeln herumlaufen. „Dann müssen wir da nicht zu zehnt oder mehr an einer Stelle herumrennen.“

Chaos im Plan

Dennoch hofft Lening, dass auch bald wieder mehr Sportler auf einem Haufen erlaubt sind. „Wir haben im Sommer immer ein großes Grillfest …“ Und auch einige Wettbewerbe stünden noch auf dem Programm. Denn Termine aus dem Frühjahr seien nun auf den Herbst verschoben worden. Und darauf arbeiteten die Ambitionierten im Team nun hin. „Unser Plan ist etwas durcheinandergewirbelt worden.“

Nicht jeder Lauf wird daher dann auch möglich sein. „Das geht ja nicht jedes Wochenende.“ Aber schön wäre es schon, wenn man sich einfach mal wieder mit anderen messen könnte. Doch nicht nur darum geht es Lening und Co.: „Für uns ist es eine Gaudi, da gemeinsam hinzufahren.“ Weil alle leistungsmäßig sehr unterschiedlich sind, wird aufeinander gewartet und sich gegenseitig angefeuert. Und darauf freuen sich die „Högis“ wieder sehr.

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