Christliche und muslimische Gemeinden laden zum Begegnungscup

Kicken über alle Glaubensgrenzen hinweg

Rassigen Hallenfußball präsentieren am Samstag wieder zwölf Teams aller Glaubensrichtungen. Foto: Porta2015/02/5_2_2_2_20150219_KICKEN.jpg

HERSBRUCK — „Fußball verbindet“, sagt Ingbert Hautsch von der evangelischen Johanneskirche. In Zeiten von Attentaten auf Karikaturisten, Kriegen und Millionen Flüchtlingen weltweit gilt dies umso mehr. So will der von Hautsch und vier weiteren Hersbruckern organisierte „Begegnungscup“ am Samstag, 21. Februar, in der Dreifach-Turnhalle nicht nur die Kontakte zwischen deutschen und türkischen Bewohnern der Stadt vertiefen, sondern richtet sein Augenmerk auch auf das Schicksal der in Hersbruck lebenden Asylbewerber.

Bei der Premiere im vergangenen Jahr fruchtete das Konzept – einen ganzen Nachmittag zeigten die zehn teilnehmenden Teams rassigen Hallenfußball, an der Seitenlinie und auf den Tribünen kamen die Zuschauer miteinander ins Gespräch. „Wir wollen Vorurteile abbauen und die Integration verbessern“, sagt Kemal Sapkaya von der islamischen Gemeinde Ditib, der ebenfalls zu den Organisatoren des sportlichen Wettbewerbs zwischen verschiedenen Hersbrucker Kirchengemeinden gehört.

Die Idee des konfessionellen Kicks hat in Hersbruck mittlerweile Tradition: 2006 wurde anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland erstmals ein „Kirchencup“ ausgetragen und wegen des großen Erfolgs in den Folgejahren – nach dem „Einstieg“ der muslimischen Glaubensgemeinschaften – als „Relicup“ neu aufgelegt.

Vor Jahresfrist luden Sapkaya und Hautsch – dem Fußball als aktive Schiedsrichter seit langem verbunden – gemeinsam mit Martin Knodt, Kirchenvorstand der evangelischen Stadtkirche und langjähriger Betreuer der „Kirchenkicker“, erstmals zu einem Indoor-Kick, um „dazu beizutragen, die jeweils anderen wahrzunehmen und Schwellen abzubauen“, wie Knodt damals sagte.

Erster Titelträger des damals in „Begegnungscup“ umbenannten Turniers war das Team der Katholischen Kirchengemeinde um Helmut Renner. Auch er gehörte schon im Vorjahr zum Organisationsteam, zu dem heuer erstmals auch Hüriye Cinel, die Vorsitzende des Türkisch-Deutschen Elternvereins, und Guido Schmidt von der Stadtkirche (als Nachfolger von Knodt) zählen.

Bei der zweiten Auflage des „Begegnungscups“ am kommenden Samstag, 21. Februar, liegt der Fokus jedoch nicht nur auf dem guten Miteinander von Christen und Moslems, sondern auch auf dem Verhältnis zu den hier untergekommenen Flüchtlingen aus Syrien, dem Irak oder Afrika. Deshalb sind neben den Teams der evangelischen Stadtkirche, der katholischen Pfarrgemeinde und der islamischen Gemeinden Ditib und Milli Görüs, des Türkisch-Deutschen Elternvereins, der Freiwilligen Feuerwehr, der Firma Karei, des Freien Rathausblocks auch zwei Teams mit Asylbewerbern sowie eines mit ehrenamtlichen Helfern des ökumenischen Vereins für Flüchtlinge, Asylsuchende und Migration mit von der Partie.

Die erste Begegnung wird um 10.30 Uhr angepfiffen (die offizielle Begrüßung findet bereits um 10 Uhr statt). Gespielt wird in zwei Sechser-Gruppen, die jeweils ersten beiden Mannschaften treffen anschließend über Kreuz im Halbfinale aufeinander. Die Plätze fünf bis zwölf werden jeweils in einem Siebenmeterschießen ausgespielt, die ersten vier Plätze in „richtigen“ Finalmatches. Für das leibliche Wohl der Sportler und Zuschauer sorgt ein Team von Asylbewerbern mit allerlei kulinarischen Köstlichkeiten aus aller Welt.

Neben der Begegnung steht bei dem sportlichen Wettstreit über Glaubensgrenzen hinweg auch der gute Zweck im Blickpunkt: Der Erlös aus Startgeldern, Sponsoreneinnahmen und Verkauf geht an den Flüchtlingsverein.

Die Verbindung von Fußball und Kirche ist übrigens tief verwurzelt, nicht nur in England, wo namhafte Profiklubs wie die ehemaligen Europapokalsieger Aston Villa (1982) und FC Everton (1985) auf kirchliche Initiativen zurückgehen. Auch in Deutschland spielten katholische Pfarrer mit den ihnen anvertrauten Jungen Fußball. 1920 gründeten sie die Deutsche Jugendkraft (DJK) und trugen in Konkurrenz zum DFB bis Mitte der Dreißiger Jahre unter diesem Dach sogar Meisterschaften mit eigenem Ligabetrieb aus.

Auch die derzeit so schwer kriselnde Borussia aus Dortmund verdankt ihre Gründung einem Pfarrer: Weil der im Jahr 1909 rund 50 jungen Kickern die Gründung eines katholischen Fußballvereins verbot, gründete ein Teil von ihnen den (weltlichen) Ballspiel-Verein Borussia.

N-Land Klaus Porta
Klaus Porta