Online Selbstverteidigungskurs im Kakenko

Jeder kann lernen, sich zu verteidigen

Der Tritt mit dem flachen Fuß gegen das Schienbein ist einfach, aber effektiv. Einen ungewollten Griff, zum Beispiel an die Schulter, löst man am besten, indem man einen einzelnen Finger nach hinten biegt. | Foto: M. Gundel/Collage: Medienfabrik2021/05/kakenko-scaled.jpg

HERSBRUCK – Ich laufe nachts allein nach Hause. Eine Gruppe Männer kommt langsam auf mich zu, ein ungutes Gefühl macht sich in mir breit. Ich versuche mir nichts anmerken zu lassen, gehe auf Abstand und laufe einfach weiter. Doch die Männer nähern sich immer mehr, schlagen meine Richtung ein, bis sie schließlich vor mir stehen und mir den Weg abschneiden. Was tue ich?

Zwar war ich selbst zum Glück noch nie in so einer Situation. Aber allein die Vorstellung macht mir Angst, vor allem, weil ich nicht weiß, wie ich mich richtig verhalten sollte. Maria und Andreas Weiß vom Karate- und Gesundheitszentrum Hersbruck (Kakenko) kennen solche Unsicherheiten – und wollten deshalb mit einem coronakonformen Online-Selbstverteidigungskurs Abhilfe schaffen. So hieß es an fünf Samstagvormittagen für jeweils eineinhalb Stunden: Laptop an, Zoom-Meeting starten und zu Hause mit dem Partner Gefahrensituationen simulieren.

Zugegeben, ernst zu bleiben war dabei nicht immer einfach. Das vorgetäuschte „Nasenrubbeln“, um sein aufdringliches Gegenüber auf Abstand zu halten, ohne ihn ernsthaft zu verletzen, hat in der Übung schon etwas Lustiges an sich. Oder, wenn man trainieren soll, den „Psychopaten“ zu geben, um so den Gegner zu verwirren: Wenn der eigene Mann lauthals schreiend und wild fuchtelnd durchs Wohnzimmer läuft, ist der Lachanfall nicht weit. Andererseits behält man ja das, was man mit Spaß macht, länger im Kopf. Von daher: Lektion gelungen.

Vitalpunkte und richtiges Fallen

Neben vielen Tipps, wie ich mich zum Beispiel recht einfach aus einer Umklammerung befreie, richtig falle, welche Vitalpunkte es am menschlichen Körper gibt oder wie ich von vorneherein selbstbewusst auftrete, um gar nicht erst als potenzielles „Opfer“ gesehen zu werden, gaben Maria und Andreas Weiß auch erstaunliche Fakten an ihre „Schüler“ weiter. Zum Beispiel, dass laut Polizeistatistik 75 Prozent aller Vergewaltigungen von Tätern begangen werden, die dem Opfer bekannt sind, und 66 Prozent im privaten Raum stattfinden.

Oder dass es ein geheimes Handzeichen gibt, das Dritten eine Gefahrensituation signalisieren soll: Die Handfläche zeigen, den Daumen einlegen und ihn mit den anderen Fingern einrollen. Auch die rechtliche Seite wurde geklärt: Was sagt der Notwehrparagraf, welches Pfefferspray darf ich wann bei mir tragen und welche „Waffen“ sind legal?

Botschaft wurde deutlich

Obwohl die Kursteilnehmer nur über den Bildschirm mit ihren Lehrern verbunden waren, kam die Botschaft deutlich an: Jeder kann lernen, sich effektiv zu verteidigen, es muss aber ständig geübt werden. Am besten ist jedoch, gar nicht erst in eine entsprechende Situation zu kommen. Deshalb: Augen auf, Abstand zu Unbekannten halten, sich nicht in Gespräche verwickeln lassen und dabei immer auf sein Bauchgefühl hören.

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