Kreisspielleiter sieht keine Alternative

Habermann: Saisonabbruch im Pegnitzgrund

Den Amateuren (im Bild Leinburg gegen die Hüttenbacher Reserve, Kreisklasse 4) droht der Saisonabbruch, sagt Kreisspielleiter Max Habermann. | Foto: PZ-Archiv2021/03/TSV-Leinburg-SpVgg-Huttenbach-Simmelsdorf-II.jpg

Erlangen/Pegnitzgrund – Nach den Frühnachrichten am Dienstag war für Max Habermann klar: „Wir können die Saison im Fußballkreis nicht mehr zu Ende führen.“ Die Verlängerung des Lockdowns bis 18. April sei letztlich nur der letzte Sargnagel gewesen.


Denn auch so sei es angesichts steigender Zahlen zunehmend unrealistischer geworden, das komplette Ligen-Programm noch durchziehen zu können. Gehe man jetzt noch von einer mindestens vierwöchigen Vorbereitungszeit vor dem ersten Pflichtspiel aus, sei das Kapitel endgültig erledigt, das Zeitfenster bis zum Saisonende am 30. Juni einfach zu klein. Hätte man, wie angepeilt, Mitte April mit den Spielen beginnen können, wäre das noch möglich gewesen.


Nun wünscht sich Habermann ein Machtwort aus der Zentrale des Bayerischen Fußballverbands (BFV). Dessen Spitzenfunktionäre sollten nicht mehr von „unbedingt durchziehen“ und sogar noch vom Extra-Wettbewerb Ligapokal schwadronieren, sondern sich den Tatsachen stellen und realistische Schritte verkünden.


„Vereine sind mit ihrer Geduld am Ende“


Der Kreischef: „Natürlich kann keiner im Verband die Infektionszahlen vorhersagen, und natürlich ist es dem BFV nicht vorzuwerfen, dass er so lange es geht versucht, den Spielbetrieb zu retten. Aber die Vereine sind mit ihrer Geduld am Ende und wollen jetzt eine klare Entscheidung. Dann sind sie auch wieder zufrieden mit ihrem Verband.“


Habermann hat für den Saison­endspurt gleich mehrere Vorschläge zu bieten – falls das Pandemie-Geschehen und die politischen Vorgaben überhaupt eine Rückkehr auf den Rasen vor dem Sommer erlauben: „Für zwei, drei Wochen würde sich ein Ligabetrieb nicht mehr lohnen, aber ginge etwas mehr, dann würde ich zuerst die noch offenen Nachholspiele ansetzen, damit die Tabelle begradigt wird und alle Vereine etwa gleich viele Spiele absolviert haben. Das würde angesichts der bei der Wertung einer abgebrochenen Runde angewendeten Quotientenregelung für etwas mehr Gerechtigkeit sorgen.“

Wird der Ligapokal gespielt?


Bliebe nach einer eventuellen Öffnung noch weniger Zeit und die Vereine wollen trotzdem noch spielen, sei auch denkbar, die Liga abzubrechen und stattdessen doch den Ligapokal durchzuziehen, was innerhalb weniger Wochen machbar sei. Aber laut den Statuten hat die Meisterschaft Priorität.
Aber viele Pläne seien in dieser ganz besonderen Saison schon zur Makulatur verkommen. Selbst wenn noch Fußball erlaubt werden sollte, drohen doch immer wieder Absagen wegen positiver Corona-Tests einzelner Spieler.

Dazu kommen die äußerst unterschiedlichen Inzidenzzahlen in den Regionen. Habermann: „In Hof oder Schwandorf ist man bei einem Wert von 300 – bis da wieder gespielt werden darf, kann es noch mehrere Monate dauern.“ Und der Verband muss ja bayernweit denken, weil ja alle Ligen miteinander verzahnt seien.


Sein Wunsch: Der BFV möge eine Deadline kurz vor Ende Juni festsetzen, nach der nicht mehr gespielt wird (Aufstiegs- und Relegationsspiele werden bei einem Abbruch sowieso hinfällig), und stattdessen lieber die neue Runde schon Mitte Juli beginnen lassen. „Eine Pause hat da noch keiner nötig, und eines ist gewiss: Corona sind wir auch dann noch lange nicht los. Dann haben wir für die Runde 2021/22 aber wenigstens mehr Puffer.“


Den Klubs geht das Geld aus


Letztlich jedoch hat Max Habermann das Gefühl, dass für einen Großteil der Vereine auf Kreisebene das sportliche Geschehen längst weit in den Hintergrund gerückt sei: „Die haben ganz andere Probleme.“ Bei vielen müsste langsam endlich mal wieder Geld in die Kasse kommen, wenn gespielt würde, müssten dann auch Zuschauer kommen dürfen. Und andere würden unter diesen Umständen am liebsten gar nicht mehr spielen.


Wegen Corona, das Habermann „ein gemeines Teufelszeug“ nennt, und drohender Konsequenzen durch die Arbeitgeber der Spieler, aber auch wegen der gegebenenfalls nötigen Englischen Wochen. Das gehe vielleicht in der Bayern- und Landesliga, aber nicht in der A- und B-Klasse, wo ohne die Schichtarbeiter keine Elf mehr zusammen käme.


Max Habermanns Fazit: „Es wird gerne übersehen, dass die klare Mehrheit der bayerischen Fußballer in den drei untersten Klassen kickt – nur hat diese Mehrheit kaum eine Lobby.“

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