ATP-Tennisturnier in Eckental

Geburtstagskind beschenkt sich mit Turniersieg

Historischer Moment vor vollem Haus: Der erste ATP-Turniersieg für Antoine Hoang (li.). Der favorisierte Belgier Ruben Bemelmans (re.) gratulierte im House of Sports zum verdienten Erfolg. | Foto: Bertram Wagner2018/11/Tennis-Eckental-ATP-Finale-net.jpg

ECKENTAL — Es hätte am Finaltag der Internationalen Deutschen Hallentennismeisterschaften nicht besser passen können: Ein „Geburtskind“ als strahlender Sieger. Antoine Hoang hatte bei der 22. Auflage dieses Turnier wohl kein Experte auf der Rechnung, doch der Franzose erlebte im House of Sports einen oft zitierten Lauf, feierte fünf Siege – gab dabei nur einen einzigen Satz ab – in sieben Tagen und gewann erstmals in seiner noch jungen Profi-Karriere einen Einzel-Titel (dotiert mit 6190 Euro und 80 ATP-Punkten) auf der Challenger Tour. Während der gefeierte Sieger sich in Topform präsentierte, erwischte der favorisierte Ruben Bemelmans einen „gebrauchten“ Tag und konnte seinen Sieg von 2014 nicht wiederholen (5:7, 3:6).

Der belgische Daviscupspieler erwischte den besseren Start, lag mit Break vorne (4:2), ehe das Unheil seinen Lauf nahm. Der Aufschlag „wackelte“ oder anders ausgedrückt: mit drei Doppelfehlern produzierte er Breakchancen für Hoang, der die vierte Möglichkeit nutzte. Doch Bemelmans schaffte sofort das nächste Break (5:3 und Service), in dieser spannendsten Phase schien sich die Erfahrung eines fünffachen Challenger-Siegers durchzusetzen.
Doch weit gefehlt: Nun spielte Hoang auf höchstem Niveau und konnte sich aus der Umklammerung befreien, die nächsten vier Spiele (das letzte gar „zu Null“) in diesem spannungsgeladenen ersten Durchgang konnte der spätere Sieger für sich verbuchen.
Als dann Bemelmans gleich zu Satzbeginn das nächste Mal seinen Aufschlag verlor, wuchs das Selbstvertrauen von Hoang noch mehr und dementsprechend verlief auch das Endspiel. Der spätere Sieger ließ sich sein Service nicht mehr abluchsen; als er dann Bemelmans nochmals breakte, war der Premieren-Gewinn perfekt. Ein historischer Tag für Hoang, der damit den Sprung in die Top 150 geschafft hat.
Noch stürmischer als Antoine Hoang wurden die Doppelsieger gefeiert: Kevin Krawietz und Andreas Mies, die bei ihren drei Siegen bis zum Finale zweimal ganz knapp (10:8 im Champions-Tiebreak) gewannen, spielten Tennis wie von einem anderen (Doppel)-Stern. An Nr. 4 gesetzt, erwischte die Coburger-Kölner Kombination einen perfekten Tag, zudem wurde jeder Punkt der Beiden mit Klatschpappen und Trommel stürmisch gefeiert.
Nach dem einseitigen ersten Durchgang kamen ihre Kontrahenten aus Frankreich und Großbritannien zwar etwas besser auf, doch das deutsche Duo beherrschte die Szenerie. Neben dem Siegerscheck dürften sich die Eckental-Gewinner (Krawietz siegte bereits 2016 schon einmal) noch mehr über die 80 ATP-Punkte gefreut haben. Denn damit ist höchstwahrscheinlich ein Startplatz im Hauptfeld beim Grand Slam Turnier in Australien gesichert. Eitel Sonnenschein also für den Franken, dessen Familien- und Freundesschar, darunter auch sein erster Trainer aus Kindertagen, angereist war. Dementsprechend fiel auch der Jubel aus.
Angesichts der vielen Tennis-Krimis unter der Woche verliefen am Samstag die beiden Halbfinals relativ einseitig. Dabei beendete Antoine Hoang in einem französischen Duell die sehr lange Siegesserie (sechs Erfolge in sieben Tagen) von Gleb Sakharov mit einem Zwei-Satz-Gewinn. Nichts anbrennen ließ auch Ruben Bemelmans gegen Evgeny Donskoy in einem Aufeinandertreffen zweier gesetzter Spieler; der Belgier erreichte in gut einer Stunde sicher das Endspiel.
Bertram Wagner

Einzel: Halbfinale: R. Bemelmans (BEL) – E. Donskoy (RUS) 6:2, 6:3; A. Hoang (FRA) – G. Sakharov (FRA) 6:4 6:2; Finale: Hoang – Bemelmans 7:5, 6:3.
Doppel: Halbfinale: H. Nys (FRA)/ J. O‘Mara (GBR) – S. Arends (NED) / R. Arneodo (MON) 5:7, 7:5, 13:11; K. Krawietz / A. Mies – M. Daniell / M. Demoliner 7:6(5), 3:6, 10:8; Finale: K. Krawietz / A. Mies – H. Nys /J. O’Mara 6:1, 6:4.

N-Land Patrick Baer
Patrick Baer