Filmreifer Härtetest

Platz da, die Spartiaten kommen! Beim Hindernislauf „Strong Man Run“ sorgten fünf Männer aus dem Nürnberger Land für Aufsehen. Das Bild zeigt (von links) Michael Schönweiß, Jörg Schaper, Chris Kuhne, Michael Kreuzinger und Michael Krauß. Foto: Fisherman‘s Friend2009/04/20090409_strongmanrun_big.jpg

WEEZE – Fünf junge Männer aus dem Nürnberger Land haben beim «Strong Man Run» in Nordrhein-Westfalen für Aufsehen gesorgt. Als «Spartiaten» gingen sie in der Kleidung antiker griechischer Krieger bei einem der härtesten und ungewöhnlichsten Hindernisläufe Deutschlands an den Start.

Das Rennen in der Nähe der holländischen Grenze ist definitiv nichts für Warmduscher: Zwei Runden zu je neun Kilometer müssen in maximal dreieinhalb Stunden absolviert werden. Es galt, bei neun Grad Lufttemperatur durch Rohre und Matsch zu robben, mehrere Flugzeughangare zu überklettern und durch vier Grad kaltes Wasser zu schwimmen.

7777 Wagemutige hatten sich zur Teilnahme angemeldet, knapp 6000 traten auch an. Unter ihnen das Quintett aus dem Nürnberger Land: Michael Schönweiß (23 Jahre) aus Lauf, Michael Krauß (28) aus Lauf, Michael Kreuzinger (29) aus Rückersdorf, Chris Kuhne (24) aus Diepersdorf und Jörg Schaper (30) aus Rückersdorf.

Wie kommt man überhaupt darauf, bei einem Wettkampf dieser Art mitzumachen? «Wir sind eben eine Gruppe von Leuten, die immer wieder was Verrücktes machen will», erzählt Jörg Schaper und grinst. Da kam der «Strong Man Run» über 18 Kilometer gerade recht, von dem einer der Freunde gehört hatte. Im September vergangenen Jahres meldeten sich die fünf dann an. «So richtig informiert hatten wir uns vorher aber nicht», gibt Jörg Schaper zu.

Doch schnell wird klar: Wer diesen Lauf überstehen will, muss gut trainiert sein. Von den fünf Freunden war aber Chris Kuhne der einzige, der nach Starts beim Landkreislauf und beim Rother Triathlon läuferische Wettkampferfahrung vorweisen konnte. Auch wenn die anderen regelmäßige Gäste im Fitness-Studio oder beim Taekwondo sind, war also Lauftraining für alle angesagt.

Für das ungewöhnliche Rennen wurde auch ungewöhnlich trainiert: Bei Schneefall durch Weiher und durch Flüsse waten, 100 Meter auf dem Waldboden robben, Liegestütze im Schlamm und Klimmzüge an den Ästen großer Bäume – jedes Mittel war recht, um sich in Form zu bringen. Zwischendurch wurde auch mal bei Minusgraden mit freiem Oberkörper am Laufer Trimmpfad gejoggt, um herauszufinden, ob das Eincremen mit Vaseline vor Kälte schützt. «Wer uns da gesehen hat, hat bestimmt gedacht, wir spinnen total», lacht Jörg Schaper, wenn er sich an die Vorbereitungsphase erinnert.

Der Erfolg blieb nicht aus, alle fühlten sich kurz vor dem Wettkampf hervorragend und beschlossen, beim Rennen – wie einige andere Teams – in Verkleidung an den Start zu gehen. Da allen der Film «300» sehr gut gefallen hatte, wurde dieser als Vorbild genommen und die Läufer aus dem Nürnberger Land wurden mit Hilfe entsprechenden Requisiten zu einer Gruppe «Spartiaten».

Um wie echte griechische Krieger der Antike auszusehen, besorgten sie sich Kleidung und Kunststoffschwerter im Internet. Die entsprechenden Helme bastelte Michael Kreuzinger in aufwändiger Handarbeit und so stand dem stilechten Start nichts im Wege. Das Rennen selbst verlangte den «Spartiaten» dann alles ab: An einem Spinnennetz aus Seilen über vier Flugzeughangare, über Asphalt kriechen, abwechselnd durch vier Grad kaltes Wasser schwimmen und über Sandberge hinweg; dann wartete ein noch größerer Hangar und dazwischen immer wieder Lehm und Schlamm.

Viele Läufer blieben dabei im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke. Zahlreiche Verletzungen vom Beinbruch bis zur Unterkühlung lichteten das Läuferfeld. «Extrem hart» fanden auch Jörg Schaper und seine Mitstreiter das Rennen, besonders in der zweiten Runde, als den Läufern die Kälte in die Beine kroch.

Doch am Ende kamen sie in drei Stunden und 18 Minuten ins Ziel; über 2000 Konkurrenten hatten sie hinter sich gelassen. Dazu waren die «Spartiaten» eine der meistfotografierten Gruppen des Rennens.

Trotz aller Strapazen war das heimische Quintett mit seiner Leistung mehr als zufrieden und sehr stolz darauf, im Zeitlimit das Ziel erreicht zu haben. Die Nase voll haben sie noch lange nicht: Für den «Strong Man Run» im nächsten Jahr sind die fünf Freunde bereits angemeldet.

Patrick Baer

N-Land Pegnitz-Zeitung
Pegnitz-Zeitung