Feuchts Sebastian Schulik stand beim 3:2-Sieg gegen Erlenbach im Mittelpunkt

Erst Fehlschuss, dann Traumtor

Feuchts Tormaschine im Zweikampf an der Strafraumgrenze: Sebastian Schulik (rechts) sicherte seinen Farben spät die drei Punkte, nachdem er zuvor bereits das leere Tor verfehlt hatte. | Foto: kk2016/03/db-scfeuchtsverlenbach.jpg

Erstes Spiel, erster Sieg, erster Heimerfolg in 2016. Dem SC Feucht ist mit dem 3:2 (2:2) gegen den SV Erlenbach ein perfekter Start aus der Winterpause gelungen. Positiver Nebeneffekt: Mit dem Dreier konnte der Bayernliga-Aufsteiger einen direkten Konkurrenten auf Abstand halten und sich mit jetzt 29 Punkten weiter im gesicherten Mittelfeld festsetzen.

FEUCHT – Manchmal erzählt ein Tor über ein Fußballspiel mehr, als die gesamten 90 Minuten. Und manchmal eben auch ein „Nicht-Tor“. Ein ganz besonders abenteuerliches „Nicht-Tor“ war am Samstag Sebastian Schulik gelungen. Alleine vor dem leeren gegnerischen Gehäuse schaffte es der Feuchter Topstürmer doch tatsächlich, den Ball drüber zu setzen. Nun ist dieses Missgeschick schon vielen und sogar den Besten passiert. Für die Partie im Waldstadion war es dennoch ein kleiner Wendepunkt. Die rund 150 Zuschauer konnten da schon ahnen, dass es für den SC Feucht womöglich nicht ganz so traumwandlerisch einfach wie in den ersten 20 Minuten weitergehen würde. Und die Gäste aus Erlenbach stellten zu diesem Zeitpunkt wohl ganz erstaunt fest, dass die Feuchter doch nicht unfehlbar waren.

Zischlers herrliche Bogenlampe

Bis dato hatte nämlich nichts auf eine Schwäche des SC hingedeutet. Die erste Chance des Spiels in der 8. Minute gehörte zwar den Erlenbachern, als Damiel Letellier das Leder mit der Pike knapp am linken Pfosten vorbeizirkelte. Danach übernahm aber komplett der SC das Kommando auf dem Platz. Auch ohne den am Mittelfuß operierten Topscorer Mario Swierkot lief der Ball gut durchs dank der Umstellung auf Dreier-Kette hochgerüstete Mittelfeld. Und besonders Youngster Noah Tiefel spielte seinen Gegnern mit einer derartigen Freude Knoten in die Beine, dass die sich nur noch mit teils harten Fouls zu helfen wussten. In der 13. Minute führte eines dieser Fouls, Tiefel war diesmal im Strafraum gelegt worden, dann zur Führung für den SC. Daniel Schneider übernahm vom Elfmeterpunkt Verantwortung und drosch die Kugel humorlos mittig in die Maschen. Nur drei Minuten später klingelte es erneut im Erlenbacher Kasten. Max Zischler hatte die Kugel von kurz hinter der Strafraumgrenze auf eine elliptische Flugbahn (im Fußballerdeutsch auch Bogenlampe genannt) geschickt, so dass sich der Ball am Ende der Reise direkt unterhalb der Latte und unhaltbar für SV-Keeper Christos Patsiouras ins Tor senkte.

Erlenbach drohte unterzugehen

Zu diesem Zeitpunkt also musste man schon etwas Angst um die Erlenbacher haben. Es drohte eine Klatsche wie im Hinspiel, als der SC die Mainfranken mit 5:0 aus dem eigenem Stadion fegte. Doch es kam anders.

Zunächst folgte noch der bereits erwähnte Fehlschuss von Schulik, der sicher das vorzeitige Ende für die Gäste hätte. Oder wie es ein kundiger Zuschauer treffend analysiert hatte: „Nach dem 2:0 waren die Erlenbacher bereits tot und mit dem 3:0 wären sie dann ganz arg tot gewesen.“ Waren sie aber nicht und schöpften stattdessen nun noch einmal Hoffnung – vor allem deshalb, weil nun die Hausherren sehr zum Erschrecken ihres Trainers von jetzt auf gleich den Spielbetrieb einstellten. Die Folge waren zwei schön herausgespielte Tore der Erlenbacher durch Sinan Kaplan (30.) und Giulio Fiordellisi (36.) und ein wütender Klaus Mösle an der Seitenline. So hatte sich das Geburtstagskind seinen Ehrentag nicht vorgestellt. Und das bekamen seine Spieler dann auch in der Kabine zu spüren. „Ich habe ihnen in der Pause gesagt, dass es nicht sein kann, dass wenn wir auf Dreier-Kette umstellen, und fünf Leute im Mittelfeld haben, der Gegner trotzdem immer wieder locker durch die Mitte kombinieren kann!“, erklärte Mösle hinterher.

Debüt von Zaika

Wie er sich das Spiel vorgestellt hatte, demonstrierten seine Schützlinge dann nach Wiederanpfiff. Sofort fanden sie zur alten Spielstärke zurück und direkt in der 46. Minute hätte es bereits 3:2 stehen müssen. Allerdings gelang Neuzugang Dmytro Zaika das Kunststück, einen Kopfball aus fünf Metern frei vor dem Tor vorbeizusetzen. „Den muss er machen“, betonte auch Mösle, der seinem ukrainischen Wintereinkauf sonst allerdings ein ordentliches Debüt bescheinigte.

In der Folgezeit entwickelte sich dann im Waldstadion ein Spiel nahezu nur noch auf ein Tor: auf das des SV Erlenbach. Immer wieder schob der SC an, am Ende fehlte jedoch zu häufig der letzte Pass oder es hielt immer noch ein Gegner sein Bein dazwischen. Damit blieb es dramaturgisch perfekt eingesetzt dem Fehlschützen Schulik überlassen, die Verhältnisse wieder gerade zu rücken. Und wie! Nachdem er im ersten Durchgang noch das leere Tor verfehlt hatte, erlief er in der 74. Minute zuerst eine verunglückte Vorlage von Martin Kirbach und knallte die Kugel dann aus vollem Lauf mit links unter die Latte. Ein Treffer Marke „Tor des Monats“. „Die einfachen Tore kann er anscheinend nicht“, kommentierte SC-Manager Manfred Kreuzer später schmunzelnd den Hammerschuss seines Toptorjägers (15).

Punkte für Klassenerhalt

Danach hätten die Feuchter ihre Führung sogar noch ausbauen können, vergaben jedoch beste Möglichkeiten. Für Geburtstagskind Mösle war dies aber nicht weiter tragisch, denn mit den drei Punkten war seine Truppe ihrem gemeinsamen großen Ziel mal wieder einen großen Schritt näher gekommen. „Wir haben einen direkten Konkurrenten auf Abstand gehalten und weiter Punkte für den Klassenerhalt gesammelt“, lobte Mösle und führte weiter aus: „Ich habe ja gesagt, dass bis wir 40 Punkte haben, jedes Spiel für uns ein Endspiel ist. Wenn wir das dann vier, fünf Spieltage vor Saisonende geschafft haben sollten, haben wir alles erreicht.“

SC Feucht: Schmidt – Reuß, Gömmel, Tiefel, Maraj (85. Ruff), Zischler, Mandelkow, Kirbach (90. Marx), Schneider, Zaika (73. Wessner), Schulik

SV Erlenbach: Patsiouras – Krug, Hörst, Heinrich, Erdem (82. Fleckenstein), Letellier (84. Retsch), Tschumak, Kaplan, Jankovic, Traut (75. Mucahid), Fiordellisi

Schiedsrichter: Andreas Dinger (Bischofsgrün)

Zuschauer: 150

Tore: 1:0 Daniel Schneider (13.), 2:0 Maximilian Zischler (17.), 2:1 Sinan Kaplan (31.), 2:2 Giulio Fiordellisi (37.), 3:2 Sebastian Schulik (75.)

N-Land Krischan Kaufmann
Krischan Kaufmann