Stefan Sturm und Thomas Gericke starten bei Allgäu-Orient-Rallye

Ein Abenteuer, das Menschen hilft

Hier noch auf dem Laufer Marktplatz, in vier Wochen schon in Jordanien: Dort ist das Ziel der caritativen Allgäu-Orient-Rallye, an der im Team „Chasing Orient Hills“ auch ein Laufer und ein Rückersdorfer teilnehmen. Das Foto zeigt die Rallye-Mannschaft mit (v. li.) Stefan Steiner, Thomas Gericke, Daniel Sippel, Stefan Sturm und Florian Sippel2013/04/61619_OrientRallyeLauf049_New_1366387564.jpg

LAUF — 6666 km, sechs Männer, drei Autos, ein Ziel: Von Nürnberg über das Allgäu in den Orient. Das steht dem Team „Chasing Orient Hills“ bevor, das als eine von 111 Mannschaften am 27. April bei der 8. Allgäu-Orient Rallye startet. Mit von der Partie sind dabei auch der Laufer Stefan Sturm und der Rückersdorfer Thomas Gericke.

Wieviel Aufsehen die Rallye-Truppe erregt, wird schon beim Foto-Termin für die Pegnitz-Zeitung auf dem Laufer Marktplatz klar. Bereits beim Rangieren der drei einheitlich lackierten weißen Kombis auf der Suche nach dem besten Bildmotiv sind vor dem alten Rathaus die ersten Schaulustigen zur Stelle. Nur kurze Zeit später erklären die Rallye-Fahrer schon ganzen Gruppen, was es mit der Aktion auf sich hat. Denn die Allgäu-Orient-Rallye will keine reine Spaß-Veranstaltung sein, sondern vor allem einem wohltätigen Zweck dienen.

Ein Kamel als Hauptpreis

Die Fahrt beginnt in Oberstaufen im Allgäu und endet in Amman in Jordanien. Während dieser Zeit müssen die aus sechs Mitgliedern bestehenden Teams verschiedene Aufgaben, ähnlich einer „Schnitzeljagd“, erledigen. Navigationsgeräte sind tabu; ebenso Autobahnen und Fähren. Übernachtet wird im Auto oder im Zelt. Als Hauptpreis winkt dem Siegerteam ein Kamel, das aber üblicherweise gleich vor Ort einem armen Bauern geschenkt wird.

Die Regeln besagen unter anderem, dass ein Auto beim Start nur mit zwei Personen besetzt sein darf, die Fahrzeuge 20 Jahre alt sein müssen oder nicht mehr als 1111,11 Euro wert sein dürfen. Die Autos gehen nach der Rallye in den Besitz des WFP (World Food Programme, eine Unterorganisation der UNO) über. Mit dem Verkaufserlös werden Hilfsprojekte in Jordanien finanziert.

Auf die Idee teilzunehmen sind der 35-jährige Rückersdorfer Thomas Gericke und sein Arbeitskollege Stefan Steiner (30) gekommen. Beide arbeiten in Nürnberg für das IT-Unternehmen „Noris Network“ – ebenso wie der Laufer Stefan Sturm (31), Alexander Krogloth (25) und Florian Sippel (30), der mit seinem Bruder Daniel (28) den einzigen Nicht-Kollegen mit ins Team brachte. In einer Woche macht sich das Sextett nun in drei Diesel-Kombis auf den Weg, die die Gruppe seit Dezember renoviert hat. Das Herzblut und die viele Arbeit, die in die Aufbereitung und den Umbau der Gefährte gesteckt wurden, hat übrigens dazu geführt, dass die drei Autos Namen bekommen haben: So geht es nun nicht in anonymen Fahrzeugen auf die Piste, sondern eben mit Eleanor, Isabelle und Lara.

Warum macht man so etwas überhaupt? „Weil die Idee einfach verrückt ist, weil es eine der wenigen Rallyes ist, die man als Privatperson bezahlen kann und weil man damit auch noch etwas Gutes tut“, versuchen Florian Sippel und Thomas Gericke zu erklären, was sie an dem Projekt gereizt hat. Mit dieser Faszination sind sie offenbar nicht allein: Obwohl die Anmeldung per Internet am 7. Juli 2012 um 3.33 Uhr freigeschaltet wurde, waren die 111 Startplätze schon nach wenigen Augenblicken vergeben.

Rund 20 000 Euro werden an Gesamtkosten wohl zusammenkommen, wobei sich das Sextett fleißig um Sponsoren gekümmert hat, so dass der Löwenanteil von diversen Unterstützern getragen wird. „Wir wollen uns aber nicht einfach unseren Urlaub finanzieren lassen“, stellt Florian Sippel klar. Deshalb hat das Team im Februar beschlossen, ein Drittel seiner ab diesem Zeitpunkt eingehenden Einnahmen der Welthungerhilfe, griechischen SOS-Kinderdörfern und der Hilfsorganisation Roter Halbmond – das türkische Gegenstück des Roten Kreuzes – zu spenden.

Zusätzlich im Gepäck hat das Sextett noch Defibrillatoren. Die medizinischen Geräte hat der aus Aalen stammende Stefan Steiner, der ehrenamtlicher Rettungssanitäter ist, über die Maltesergruppe Aalen organisiert, wo die voll funktionstüchtigen Geräte aussortiert wurden, weil sie deutschen Normen nicht mehr genügen. Diese Geräte sollen türkischen Krankenhäusern übergeben werden.

Eine Woche vor dem Start steigt nun bei allen im Team der Puls, erzählt Stefan Sturm. Vergessen sind die vielen Arbeitsstunden, die in die Organisation des Projekts und in den Umbau der drei Kombis geflossen sind, die nun bald das rollende Zuhause des Teams sein werden – jetzt sind alle in Gedanken beim Start und an den drei vor ihnen liegenden, abenteuerlichen Wochen.

Ihre Route führt die Rallye-Teilnehmer zunächst über Österreich, Kroatien, Albanien und Griechenland nach Istanbul. In der Türkei geht es rund 3500 km bis an die Grenze zu Armenien und wieder zurück an die Mittelmeerküste. Dort setzt der gesamte Tross nach Haifa in Israel über, von wo es dann wieder auf vier Rädern über Palästina bis zum Zielort Amman in Jordanien geht.

Wer das Vorankommen des Teams „Chasing Orient Hills“ verfolgen will: Das Sextett wird auf seiner Internetseite www.chasingorienthills.de und auf seiner Facebook-Seite von unterwegs über seine Abenteuer berichten. Auch die Pegnitz-Zeitung wird über ihre Internetseite n-land.de zu den Rallyefahrern verlinken.

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