Ein Selbstversuch bei den Zeidlerschützen Feucht

Digitale Revolution im Schützenkeller

Der Sportredakteur im Außendienst: Diesmal im Schützenkeller der Zeidlerschützen Feucht. Kleines Foto: Fünf Schüsse und kein Treffer ins Schwarze. Leider war dies noch die beste Scheibe.2017/03/Montage-Luftgewehr.jpg

In der Serie „Alles außer Fußball“ stellt der Bote in loser Reihenfolge spannende Sportarten ins Rampenlicht, die neben dem Lieblingshobby der Deutschen oftmals nur ein Nischendasein fristen. Heute: Sportschießen.

FEUCHT – Von der Decke hängen Monitore, an den Wänden Kameras, die das Geschehen live auf eine Leinwand im Erdgeschoss übertragen und geschossen wird hin und wieder sogar mit dem Lasergewehr.

Aha, die digitale Revolution hat also auch die Schützenvereine erfasst. Zumindest ist das der erste Eindruck, als sich die Tür zum Allerheiligsten der Feuchter Zeidlerschützen öffnet.

50.000 Euro Umbaukosten

Die moderne Schießanlage (Umbaukosten 50.000 Euro) des Vereins befindet sich hinter einer dicken Stahltür im Untergeschoss des Schützenhauses an der Brückkanalstraße. Ein mit Teppich bespannter Tresen, der acht Schützen nebeneinander Platz bietet, ein kleiner Technikraum, ein offenes Regal mit vielen Koffern, Kisten und Taschen und eine lange Umkleide-Bank bilden die recht puristische Grundausstattung des Schützenkellers. Alles zusammengepresst auf wenigen Quadratmetern mit tiefer Decke. Man kann sich leicht vorstellen, wie eng es hier zugeht, wenn wie heute wenig später die Schützenjugend zum Training vorbeischaut.

Lasergewehr für die Anfänger

Zuvor darf ich mein Glück versuchen. Da sich meine Erfahrungen an der Waffe als ehemaliger Zivildienstleistender auf ein paar wenige Kirchweih-Ausflüge inklusive Schießbuden-Besuch und eine Handvoll Plastik-Rosen als Belohnung beschränken, sind meine Erwartungen gering. Schießen ist – wie bereits vermutet – weit mehr als nur zielen und abdrücken.

Mit dem Lasergewehr, mit dem aufgrund des geringen Gewichts vor allem Anfänger und die Kleinsten üben, ist meine Trefferquote noch ganz ordentlich. Dann aber drückt mir Pressewart Volker Ehmann ein echtes Luftgewehr (5,5 Kilogramm) in die Hand – und schon ist es vorbei mit meinem Schützenglück.

Der Arm zittert

Sobald ich anlege, beginnen in mir Geist und Körper gegeneinander zu kämpfen. Je länger ich versuche, mich zu konzentrieren und via Zielfernrohr den kleinen schwarzen Punkt ins Visier zu nehmen, desto zittriger wird mein Arm. Dementsprechend ernüchternd sind auch die Ringzahlen auf der Scheibe (siehe kleines Foto). Über die Versuche mit der Luftpistole hüllen wir an dieser Stelle lieber komplett den Mantel des Schweigens.

Dafür ist es kurz darauf um so spannender zu beobachten, wie souverän schon der Nachwuchs der Zeidlerschützen mit dem hüfthohen Sportgerät hantiert.

Popmusik im Schützenkeller

Während aus den Boxen laute Popmusik schallt, feuern die Jungs routiniert und in einer Seelenruhe ihre Salven auf die Scheiben ab. Peng, Peng, Peng – mit 170 Meter pro Sekunde jagen die kleinen Geschosse, im Fachjargon „Diabolos“, aus den Läufen.

Wie man sich bei diesem Lärm konzentrieren kann, ist mir schleierhaft. Aber laut 1. Schützenmeister Karl Ludewig gehört diese Geräuschkulisse zum Training dazu. Bei großen Wettkämpfen gehe es schließlich mindestens ebenso laut zu.

Letzte Saison ist die erste Mannschaft der Zeidlerschützen zwar aus der Mittelfrankenliga abgestiegen und tritt aktuell nun wieder in der BOL an. In den Jahren zuvor waren die Leistungen der Feuchter aber eine einzige Erfolgsgeschichte. Die Gründe liegen für die Verantwortlichen auf der Hand: Die gute Jugendarbeit und die elektrische Schießanlage. Seit dem Umbau 2012 habe der Verein gerade im Jugendbereich viele Mitglieder gewinnen können. Derzeit haben sie etliche Gaumeister in ihren Reihen, einen Vertreter im Bayernkader und sogar einen Deutschen Meister.

Meisterliche Tipps

Eben jener Pascal Walter, der im letzten Jahr in seiner Altersklasse den Titel nach Feucht holte, hatte sich sogar bereit erklärt, mir ein paar Tipps zu geben. Aber irgendwie wollte sein Sieger-Gen nicht auf mich überspringen. Fazit: Ein Lucky Luke oder Wilhelm Tell wird aus mir wohl nicht mehr.

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