Heimischer Volleyball-Zweitligist landet 3:1-Überraschungssieg gegen Spitzenreiter Leipzig

Der SV Schwaig wächst an seinen Gegnern

Endstation gelb-blauer Block: Hier scheitert der Leipziger Sebastian Hähner (re.) am Schwaiger Trio (v. li.) Tobias Prucker, Janis Späth und Perica Stanic. Weil der SVS im Duell mit dem Spitzenreiter konstant so gut stand, gelang dem heimischen Zweitligisten am Ende die Überraschung: ein 3:1-Sieg gegen die Gäste aus Leipzig.Foto: Sportfoto Zink Sebastian Hähner (6, L.E. Volleys Leipzig) gg Tobias Prucker (14, SV Schwaig ), Janis Späth Spaeth (2, SV Schwaig ) und Perica Stanic (16, SV Schwaig )2015/12/Volley-SVS-Leipzig-net.jpg

SCHWAIG — 3:1! „Alles falsch gemacht, oder?“, freute sich SVS-Trainer Michael Raddatz in strahlender Ironie – nach einem überraschenden Triumph seiner Schwaiger Volleyball-Knappen gegen den bis dahin Zweitliga-Tabellenführer L.E. Leipzig. In einem Duell, das weitaus mehr als 240 Zuschauer verdient gehabt hätte, setzten sich die Mittelfranken nach 94 Minuten durch (25:19, 25:17, 22:25, 25:21). Die heimische Halle stand Kopf; es war der dritte Sieg der Gelbblauen hintereinander.

Dass Leipzigs 186-cm-Zuspieler Martin Burgartz seine Silbermedaille frustriert gegen die Bande pfefferte – nach dem Spiel, nach den MVP-Ehrungen –, war bezeichnend für den sächsischen Spitzenreiter-Ehrgeiz, der sich an diesem Abend nicht befriedigen ließ. Wieder nicht: Denn nachdem L.E. auch in der vergangenen Saison als Favorit in die Halle am Mittelbügweg gekommen und mit 3:1 bezwungen worden war, musste der neue „Heimlieblingsgegner des SVS“ wieder Federn lassen.

Im bis dato kürzesten Heimspiel dieser Saison. Mit demselben Endstand. In einem hochklassigen Match, in dem die Schwaiger ihre bislang beste Heimleistung ablieferten, hatten die Leipziger rückblickend keine wirkliche Chance. Raddatz´ Fazit – an dieser Stelle vorweggenommen – sagte alles über die grandiose Show, die seine Mannen dem tobenden Publikum boten: „Wir sind heute richtig klasse in ins Spiel gestartet, was uns sehr viel Selbstsicherheit gab.“

Erster Satz ein Ausrufezeichen

Eine Selbstsicherheit, die nach den wichtigen Siegen in Hammelburg und gegen Delitzsch bereits gewachsen war und einer typischen Schwaiger Logik folgte: Je stärker der Gegner, umso stärker der SVS. Diesen Elan bekamen die Gäste bereits beim Auftakt zu spüren, als es nach langem Hin und Her (2:3, 6:5, 11:9) in die Vollen ging und der SVS ab dem 16:11 über 21:17 und 23:18 rigoros den „Sack zumachte“. Zum siebten Mal in dieser Saison gewannen die Gelbblauen den ersten Durchgang.

Und die Leipziger? Schienen auch im zweiten noch nicht wirklich auf dem Feld angekommen. Denn erst, als ihr Chef beim Rückstand von 7:14 an der Trainerbank mächtig laut wurde, gelang es Gästen, sich auf 12:14 heranzukämpfen – und beim 16:15 sogar erstmals die Führung zu übernehmen. Doch die Gastgeber ließen sich davon nicht beirren; blieben cool. Der Block stand wie eine Eins, die Abwehr funktionierte leidenschaftlich, das Spiel über die Mitte war grandios. 25:17. Alles klappte. 2:0.

Leichter Durchhänger

Erst im dritten Satz knickten die Gelbblauen ein wenig ein. Kräfteverschleiß. 6:6, 12:14 und 15:17 hieß es, als Taktiker Raddatz mit Yannick Klement und Marko Knauer zwei frische Mannen ans Netz beorderte. Zwar konnten die beiden den Satzverlust über dann 19:21 und 22:23 nicht verhindern. Doch der Schwung, den die beiden zusätzlich mitbrachten, belebte die Gelbblauen von Neuem: Auch ohne Florian Tafelmayer und Libero Tobias Prucker drehten sie den Spieß im vierten und letzten Satz gleich wieder um.

Beim 3:0 schmissen die Mittelfranken den Turbo an, bald stand es 10:3. Eng schien es nur noch einmal zu werden, als Leipzig sich auf seine bewährten Qualitäten besann und mit 17:14 nach vorn preschte. Die Sachsen hätten diesen Satz gewinnen und den Tiebreak erzwingen können. Wenn, ja wenn nicht das gesamte Team des SVS an diesem Abend „unvergesslich“ gespielt und in Perica Stanic (zu seinem nunmehr fünften Mal) einen wertvollen MVP gehabt hätte: 21:20 hieß es bald, und dann folgten bis zum 24:20 drei Hammer-Doppelblöcke hintereinander, die den Gästen den Leipziger Schneid endgültig abkauften.

Körpersprache stimmte

Auf dem Feld und der Tribüne gab es kein Halten mehr. Den Favoriten mit Franken-Power verdient bezwungen; drei gelbe Punkte ergattert, jetzt Tabellenplatz fünf! Was für ein zauberhafter Jahres-Heimausklang – das Schlussduell 2015 in Freiburg steht am nächsten Samstag an –, da läuteten mit einem Mal alle heimischen Volleyballglocken. Es war der sechste Sieg im zwölften Spiel (die Hinrunde ist damit beendet), der insgesamt dritten Heimerfolg (hier ist der SVS nach einer Niederlagenserie wieder in der Spur) und der vierte mit 3:1. Überdies vermochten sich die Schwaiger (13 Punkte) in der Heimtabelle auf nun Rang sechs hochzuarbeiten.

Statistiken, auf die Headcoach „Mike“ Raddatz gar nicht so viel Wert legt. Er freute sich vielmehr darüber, dass seine Mannschaft – prima „eingestellt“ auch von Athletikcoach Christoph Kellermann – „seit Wochen peu à peu drauflegt, die Körpersprache stimmte und es gut getan hat, heute gegen den Favoriten ohne Druck und ohne Angst aufspielen zu können.“ Das Ergebnis war eine tolle „komplette Mannschaftsleistung“, und das nicht nur aus seiner Sicht. – Das nächste Heimspiel, um so abzuschließen, bildet gleich den Auftakt des neuen Jahres: am 9. Januar 2016 gegen den SV Fellbach, das nächste Spitzenteam.

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