TSV Altenfurt vor Aufstieg in 1. Judo-Bundesliga

Das Judo-Wunder von der Wohlauerstraße

Eine Mannschaft mit großer Perspektive: Selbst wenn der Aufstieg heuer nicht klappt, hätten die Judo-Damen um Trainerin Nicole Adler (stehend ganz rechts) eine fabelhafte Saison hingelegt, die schon jetzt alle Erwartungen übertroffen hat.2016/09/Judo-Altenfurt-Mannschaftsbild.jpg

ALTENFURT – Die Terminierung ist maximal ungünstig. Rund sieben Wochen Sommerpause liegen zwischen dem letzten Auftritt der Altenrfurter Judo-Damen und dem großen Finale am heutigen Samstag in Bad Homburg (16 Uhr). Eine lange Zeit, in der es den Altenfurterinnen irgendwie gelingen musste, die Spannung hoch zu halten. Denn tatsächlich ist der letzte Wettkampftag in dieser Saison in der 2. Bundesliga für die Mittelfränkinnen der wichtigste überhaupt. An diesem letztem September-Wochenende wird sich endgültig entscheiden, ob die TSV-Mädels in die Beletage des deutschen Judoverbandes aufsteigen dürfen – in die 1. Bundesliga.

Dafür, dass es für sie im hessischen Kurort um alles oder nichts geht, wirken die TSV-Mädels ziemlich gelassen. Von Druck oder erhöhter Anspannung ist bei Trainerin Nicole Adler und ihrer Kämpferin Sarah Grünwald beim Besuch in der Sportredaktion des Boten jedenfalls nichts zu spüren. „Der Aufstieg kommt oder eben nicht“, grinst Grünwald locker und versprüht dabei eine Coolness, die kein bisschen aufgesetzt wirkt.

Das macht die Mannschaft des TSV Altenfurt aus: der Zusammenhalt. Während auf der Matte ihre Kameradin (dunkler Judo-Anzug) um den Sieg kämpft, stehen die TSV-Mädels am Rand und feuern sie an.
Das macht die Mannschaft des TSV Altenfurt aus: der Zusammenhalt. Während auf der Matte ihre Kameradin (dunkler Judo-Anzug) um den Sieg kämpft, stehen die TSV-Mädels am Rand und feuern sie an.2016/09/Judo-Altenfurt_Aktion.jpg

Womöglich liegt der Ursprung dieser fast schon buddhistischen Gelassenheit daran, dass der Aufstieg eigentlich nie ein Thema war an der Wohlauerstraße. Nicht, dass sie sich dort mit Erfolgen nicht auskennen würden, immerhin sind sie in den letzten zwei Jahren bereits zweimal aufgestiegen, von der Bayernliga bis in die 2. Bundesliga führte ihr Weg. Aber dass sie nach einem vierten Platz in der Abschlusstabelle der vergangenen Saison heuer so durchstarten würden, damit hatte wirklich niemand gerechnet. Nicht einmal ihre Trainerin Nicole Adler. „Ich bin schon überrascht, dass es so gut läuft, es ist ja ein wirklich sehr junges Team.“

Großer Zusammenhalt

Gerade mal zwischen 19 und 20 Jahre sind die Mädels im Schnitt alt, die meisten davon gehen noch zur Schule, machen eine Ausbildung oder fangen gerade ein Studium an. Das ist aber gleichzeitig auch ein Vorteil, wie Grünwald erklärt: „Die meisten von uns kämpfen schon seit der Jugend zusammen.“ Der Zusammenhalt in der Mannschaft sei deshalb extrem hoch – was keine Selbstverständlichkeit ist, schließlich ist Judo eine Einzelsportart. „Der Teamgeist ist das Wichtigste“, betont auch Trainerin Adler, die natürlich stets ein Auge auf den Nachwuchs hat. „Wir wollen die Jungen einbauen und an die Bundesliga heranführen.“

Rotation wird akzeptiert

Insgesamt umfasst der Kader des TSV Altenfurt in dieser Saison 32 Athletinnen, von denen natürlich nie alle gleichzeitig zum Einsatz kommen können. Sieben Gewichtsklassen müssen die Vereine besetzen, zwei Mannschaftsduelle stehen pro Wettkampftag an, was bedeutet, dass maximal 14 verschiedene Kämpferinnen antreten können. Aber: „Jede, die kämpfen will, darf auch kämpfen“, betont Adler. „Rotation“ heißt während der Saison das Zauberwort und dieser ständige Wechsel werde innerhalb der Mannschaft auch völlig akzeptiert, wie die Trainerin erklärt. Über mangelnde Wettkampfpraxis kann sich beim TSV sowieso kaum jemand beklagen. Die meisten sind eh ständig auf Turnieren unterwegs.

Allerdings ist kaum eine so erfolgreich wie Sarah Grünwald. Bei den deutschen U21-Meisterschaften holte die 19-Jährige zuletzt die Bronzemedaille in ihrer Gewichtsklasse und auch international konnte sie bei Auftritten beispielsweise in Ungarn, von wo sie mit einem fünften Platz mit nach Hause kam, durchwegs mit starken Leistungen überzeugen. Trotz der zahlreichen Einzelerfolge, an den Bundesliga-Tagen steht stets die Mannschaft im Vordergrund: „Das Team hat immer Priorität“, betont Adler.

Mitglied im „Team Nürnberg“

Apropos Team: In Sachen Judo sind die Altenfurterinnen in der Region mittlerweile eine Art Aushängeschild für ihre Sportart. Dank ihrer Erfolge wurde sie erneut ins „Team Nürnberg“ gewählt, worauf, wie Adler sagt, „wir schon sehr stolz sind.“ Damit wäre für die meisten Mannschaften womöglich schon das Maximum erreicht, aber die Altenfurterinnen wollen mehr.

Der Aufstieg würde der Abteilung zwar viel abverlangen. Organisatorisch und auch sportlich ist die 1. Bundesliga nicht mit dem Unterhaus zu vergleichen. Oder wie Adler erklärt: „Der Leistungsunterschied zwischen 1. und 2. Bundesliga ist riesig.“ Aber dennoch wollen sie es versuchen. Verdient hätten sie sich den Sprung nach oben allemal. „Wir haben so viel investiert“, findet Adler. Und jetzt da die Möglichkeit da ist, wollen die Altenfurterinnen sie auch nutzen.

Sie stehen schließlich an der Spitze, punktgleich mit ihren ärgsten Rivalinnen vom BC Karlsruhe, und haben nun die große Chance ihr kleines Judo-Wunder perfekt zu machen.

Tabelle 2. Bundesliga

Gruppe Süd: 1. TSV Altenfurt 6 (Begegnungen) 28:14 (Kämpfe) 234:137 (Wertungen) 10 (Punkte), 2. BC Karlsruhe 6 24:17 199:123 10, 3. HTG Bad Homburg 6 27:14 238:131 8, 4. KSV Esslingen 6 22:19 185:175 8, 5. Chemnitzer PSV 6 19:22 184:205 5, 6. Kim-Chi Wiesbaden 6 14:28 140:237 4, 7. PSV Weimar 6 20:21 178:187 3, 8. JT Rheinland 6 18:23 149:191 3, 9. SG Eltmann 6 13:27 111:232 3

N-Land Krischan Kaufmann
Krischan Kaufmann