Bitzenbauer verteidigt Weltpokal

In diesem Moment war es offiziell: Der Kampfrichter erklärt Philipp Bitzenbauer zum Sieger.2012/04/weltpokal_New_1335187502.jpg

Wochenlang war er Gesprächsthema Nummer eins in der internationalen Kickboxwelt: Der Weltpokal 2012, der am vergangenen Wochenende in Innsbruck zu Ende ging. Philipp Bitzenbauer wiederholte seinen Vorjahressieg im Leichtkontakt -63 Kilogramm eindrucksvoll. Bei seinem jüngeren Bruder Tobias entschied man sich erst vor Ort, wegen einer noch zu akuten Verletzung doch nicht zu starten.

ALTDORF – Dass der Gymnasiast mittlerweile zu den Besten der Welt seiner Gewichtsklasse gehört, hat er bereits letztes Jahr mit dem ersten Titelgewinn beim Weltpokal unter Beweis gestellt. Dass es ihm heuer gleich wieder gelingen würde, den Cup nach Altdorf zu holen, schien ein Ding der Unmöglichkeit. Der 17-Jährige, der seit Monaten in top Verfassung ist, konnte jedoch abermals genau zum richtigen Zeitpunkt alles aus sich herausholen und seine Kontrahenten in die Schranken weisen.

Nachdem er die Vorrundenkämpfe mehr oder weniger ungefährdet gewonnen hatte, wartete im Viertelfinale der Weltmeister des Teakwondo aus Belgien, der in Philipp Bitzenbauer seinen Meister fand. Kompakt und treffsicher boxte dieser den beinahe nur kickenden Belgier aus und ließ ihm keine Chance zu eigenen Treffern. Als der Taekwondo-ler zu Beginn der letzten Runde seine letzten Kraftreserven aktivierte und Druck ausüben wollte, wich der Altdorfer den Angriffen geschickt aus, um dann selbst durch Konter zu Punkten zu kommen, so dass am Ende einer konzentrierten Leistung abermals ein ungefährdeter Punktesieg stand – und somit auch der Einzug ins Halbfinale, wo kein Geringerer als Adám Blauhorn aus Kroatien die Titelverteidigung verhindern wollte.

Der Kroate, der seit vier Jahren in seinem Land ungeschlagen ist, war aber auch nicht mehr als eines von vielen Hindernissen auf dem Weg zum zweiten Weltpokaltitel des Altdorfers. Allerdings entwickelte sich zwischen den beiden ein Kampf auf technisch wie taktisch höchstem Niveau. Bitzenbauer zeichnete einmal mehr seine Gabe aus, sich auf den Punkt auf eine Aufgabe konzentrieren zu können, und so unterliefen ihm beinahe keine Fehler, aus denen der Kroate Profit zu schlagen verstand. Dennoch kam dieser über seinen enormen Kampfgeist zu einem Unentschieden, das bis zehn Sekunden vor Schluss Bestand hatte. Dann allerdings packte Bitzenbauer seinen linken Hammer aus und traf den Kroaten im Rücksprung mit einem Seitkick, schickte ihn damit zu Boden und entschied den Kampf durch diesen einen Punkt für sich.

Alles in einen Kick

Dass dieser Schlag mit einer mächtigen Portion Willen getreten war, erklärte der Altdorfer so: „Ich wusste, dass ich verlieren würde, wenn der Kampf unentschieden zu Ende gegangen wäre, da sich ein Kampfrichter dann für einen der Kämpfer hätte entscheiden müssen“ – und diese Entscheidungen fallen erfahrungsgemäß nie zugunsten Deutschlands aus. „Ich legte alles, was ich hatte, in diesen einen Kick; dass ich so hart treten kann, wusste ich bis dato selbst nicht“, kommentiert er überglücklich seinen Siegestreffer.

Der dritte Finaleinzug nach 2010 und 2011 beim Weltpokal war somit in trockenen Tüchern: „Wenn man an einem solchen Titel so nah dran ist, will man sich den natürlich nicht mehr nehmen lassen. Vor dem Kampf musste ich schon weinen. Ich war überwältigt, dass ich tatsächlich zum dritten Mal in Folge die Möglichkeit hatte, den Titel der Besten zu holen. Aber ich war sehr konzentriert, wollte mit niemandem sprechen und nur für mich alleine sein“, so der nun zweifache Weltpokalsieger im Nachhinein.

Der Schlüssel dahin war erneut die außergewöhnliche Konzentrationfähigkeit. Der Altdorfer ließ seinem slowakischen Gegner nicht den Hauch einer Chance. 20:3 Trefferpunkte in zwei Runden sprechen eine deutliche Sprache. Taktische Meisterleistung, konditionelle Überlegenheit und überragender Kampfgeist bildeten das Erfolgsrezept. Einfach, zielgerichtet, aber sehr effizient führte er den Kampf. Dem Slowakenwar die Verzweiflung schon nach der ersten Minute ins Gesicht geschrieben. Die Härte, mit der er seine bisherigen Gegner zerlegte hatte, zeigte gegen den Deutschen keinerlei Wirkung. Geschickt mied bzw. wich Bitzenbauer jedem Schlag aus, um dann selbst konsequent zu treffen.

Der auf der Euphoriewelle schwebende Titelverteidiger: „Zunächst: Ich bin wahnsinnig erleichtert, dass alles so gut geklappt hat, wie wir uns das im Vorfeld vorgenommen haben. Während mein Umfeld, also Trainer, Verein, Familie, Freunde etc. immer der Meinung war, ich könne den Titel wieder holen, war ich der Einzige, der immer die Erwartungen zu dämmen versucht hat. Es war mir wichtig, die Erwartungshaltung so gering wie möglich zu halten. Dass es am Ende wieder die Goldmedaille wurde, machtmich umso glücklicher. Es war harte Arbeit, die sich wieder bezahlt gemacht hat. Ich kann mich nur immer wieder bei meinen Unterstützern bedanken, allen voran meinen Trainern Christian Bauer, Alexander Angermann und Achim Kraus, sowie bei meiner Familie und meinem Verein dem TV Altdorf. Ihr seid die Besten!“

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