Zweitligist SV Schwaig unterliegt Gästen aus Mainz trotz Aufholjagd mit 2:3 — Großes Volleyball-Kino

Bitterer Abend für die „Sieger der Herzen“

Ab durch die Mitte: Hier punktet Schwaigs Yannick Klement gegen Manuel Lohmann (li.) und Torben Tidick-Wagner. Am Ende unterlagen die Schwaiger der TGM Mainz-Gonsenheim aber unglücklich im Tiebreak.Foto: Sportfoto Zink Manuel Lohmann (9, TGM Mainz-Gonsenheim, links) Yannick Klement (1, SV Schwaig, mitte) Torben Tidick-Wagner (12, TGM Mainz-Gonsenheim, rechts)2015/11/Volley-Schwaig-Mainz-net.jpg

SCHWAIG — Die Zweitliga-Volleyballer des SV Schwaig mussten eine bittere 2:3-Niederlage akzeptieren, die große Gefühle weckte, weil sie großes Volleyball-Kino war. 108 Minuten lang Enttäuschung, Hoffnung, Zorn – nah beieinander anlässlich des samstäglichen Dramas beim SV Schwaig daheim gegen die Turnergemeinde Mainz-Gonsenheim. Ausgerechnet im Tiebreak wurden dem Gastgeber Punkte belastet, von denen mindestens ein entscheidender nicht gerechtfertigt war. Die Zwischenbilanzen: 20:25, 13:25, 25:22, 25:22, 12:15.
Ein Fazit vorweg: Die traurigste Heimserie de Vereinsgeschichte – mittlerweile vier Niederlagen in Folge, kein Tiebreak gewonnen – lässt sich nicht wegreden. Doch das Aufbäumen der Spieler (erneut ohne Florian Tafelmayer) in den letzten drei Sätzen und die riesige Begeisterung der Zuschauer bewiesen, wie auch SVS-Coach Michael Raddatz bilanzierte: „Das war heute ein fantastischer Fight, damit können wir weiterarbeiten.“ Kein Fan, der in die Halle käme, müsse fürchten, gelangweilt zu werden. Im Gegenteil. Doch eins nach dem anderen.
Dramatisches Spiel
Einen Punkt gewonnen? Oder zwei verloren? Angesichts der beiden Auftakt-Sätze schien diese Frage zunächst leicht zu beantworten. Im nervösen Startdurchgang nämlich konnten Schwaigs Männer erst beim 20:20 ausgleichen – im zweiten Durchgang gar nicht: 5:10 lagen die Mittelfranken da zurück, dann 8:19, bald 12:23. Der Block des Aufsteigers hingegen stand wie eine Eins, die Abwehr war grandios, die Aufschläge einwandfrei. Und die Schwaiger? Fanden schlicht kein Mittel, die eigenen Nerven und den furios aufspielenden Tabellensechsten aus Mainz in den Griff zu bekommen.
Da konnte der später als „MVP“ gekürte „Pecki“ Stanic noch so sehr „durchziehen“, da nutzte das erste Einwechseln von Ilja Büschel im gelbblauen SVS-Trikot nichts: keine Chance. Der allgemeine Eindruck: Sobald die Gastgeber ihr heimisches Feld betreten, scheinen die furchtlosen Vorsätze des „Teambuilding“ vergessen. Plötzlich stehen dort zusehends Solisten, die, je heftiger der Gegner sich wehrt, ihr „eigenes Ding“ durchziehen. So auch gegen die TGM. Bloß geschah es diesmal, berichtet Raddatz, dass er als Coach, zum „ersten Mal in seiner Trainerlaufbahn in der Kabine richtig laut“ geworden sei. In der Zehn-Minuten-Pause.
Trainer-Anpfiff wirkte Wunder
Und das wirkte: Das frustrierende „SOS des SVS“, wie ein Zuschauer noch Ende des zweiten Satzes raunzte, wich einem grandiosen Schaulaufen voller Kampfgeist. Zwar gelang es den Mainzern, zwischen dem 23:17 und dem 23:22 fünf Punkte aufzuholen, doch das Bibbern beim SVS nahm ein bestens herausgespieltes Ende: 25:22 hieß es im dritten Satz; die Aufholjagd vor tobendem Publikum hatte begonnen.
Denn der Eindruck der Spieler, dass ihnen kurioserweise alle anderen Mannschaften in dieser Saison überlegen seien – sogar in der Gelben Halle, wo die Schwaiger es natürlich besonders gut machen wollen –, ist falsch. Wie bei der Hummel, die angeblich nicht fliegen kann, es aber trotzdem tut: Die Gelbblauen können viel mehr als sie sich manchmal zutrauen – und sie zeigten es. Die Tatsache, dass jeder einzelne Akteur ein Duell nicht, wie gegen Grafing, nach 2:0 noch hergibt, sondern nach einem 0:2-Rückstand hätte gar gewinnen können, diese tolle Tatsache löste das Creszendo der Vereinzelt-Spieler in ein Furioso des Gesamtteams auf. Sage keiner, es ginge nicht.
Es ging. Denn die Aufholjagd setzte sich genauso dramatisch fort: Im vierten Fünftel ließen sich die Mittelfranken selbst von einem 8:11-Rück- und einem 19:19-Zwischenstand nicht irritieren; sie erkämpften sich rigoros den Einzug in den fünften Entscheidungs-Abschnitt.
Alles war wieder offen, zwei Punkte greifbar. Die Halle brodelte und schien beim 4:3 und 9:8 überzukochen, bis. Ja, bis mehrere umstrittenen Schiedsrichterentscheidungen ausgerechnet in dieser Spielphase den Schwaigern den Saft abdrehten. Beinahe Tumult in der Halle, Pfiffe, so mancher auf der Palme. Der Schlusspunkt: 205 Zuschauer sahen, dass der letzte Angriffsball der Mainzer „aus“ war, der Schiedsrichter sah ihn „drin“. Es war vorbei, mit einem Mal, und es tat unfassbar weh.
Raddatz ist zuversichtlich
Ohne den Mainzern ihre hervorragende Leistung in irgendeiner Form abzusprechen: „Sieger der Herzen“ war an diesem 21. November, wie Hallensprecher Peter Annacker betonte, der SV Schwaig. Es  wurde ein Tabellenpunkt gewonnen, und nicht zwei verloren. Dem stimmte Trainer Raddatz sofort zu: „Unsere Qualität konnte man heute sehen; es war enorm anstrengend. Und wir werden weiter sportlich zusammenwachsen. Die Mannschaft wird sich finden.“

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