Reichenschwander Damen suchen Trainer

Aufstieg zum Abschied?

In der vergangenen Saison noch Gegner, bald vielleicht gemeinsam Aufsteiger in die Bezirksliga: Die frühere Offenhausenerin Isabella Weidinger (weiß) und Isabel Schneider spielen mit dem FC Reichenschwand eine bärenstarke Saison und suchen für nächstes Jahr einen neuen Trainer. | Foto: Porta2019/05/DSC_3127.jpeg

REICHENSCHWAND – Im vergangenen Sommer wollte er schon die Beine hochlegen, dann übernahm er die Kreisligafrauen des FC Reichenschwand: Jetzt klopft Michael Pfann (Foto) mit seinen Mädels ans Tor zur Bezirksliga, sagt ihnen nach dem letzten Spiel am 1. Juni aber trotzdem „Tschüss“. Die HZ sprach mit dem 33-jährigen Hersbrucker über neue Ansätze, einen großen Traum und seinen Nachfolger.

Ihr Spiel am Wochenende ist ausgefallen, die Punkte gibt es wohl am „grünen Tisch“.

Michael Pfann: Ich hätte die Partie lieber gespielt. Aber unseren Gegnern aus Schlaifhausen fehlten ein paar Spielerinnen, deshalb sind sie nicht angereist und zeigten auch kein großes Interesse, das Spiel zu verlegen, obwohl wir das gerne gemacht hätten – wie schon gegen den FC Schnaittach II oder FC Pegnitz II.

Ihre Mannschaft ist in diesem Jahr ungeschlagen, hat sechs von sieben Spielen gewonnen, darunter mit 6:2 gegen den damaligen Spitzenreiter SV Hetzles. Der Aufstieg in die Bezirksliga ist greifbar nahe – was machen Ihre „Mädels“ besser als in den vergangenen Jahren?

Zunächst einmal: Sie waren in der letzten Saison nach einer starken Rückrunde Dritte, haben den Aufstieg nur um einen Punkt verpasst. Aber ja, sie haben schon noch einmal einen guten Schritt nach vorne gemacht,. Wir agieren taktisch besser als noch in der Vorrunde und haben eine bessere Grundordnung. Ich habe zu Beginn die klassische Libero/Manndecker-Formation aufgelöst und auf Viererkette umgestellt. Außerdem lege ich viel Wert darauf, dass wir kontrolliert Fußball spielen und neue Situationen kreieren, statt den Ball einfach lang hinten raus zu schlagen. In der Vorrunde hat das noch nicht durchgängig so gut geklappt, aber jetzt geht es viel besser.

Und Sie haben eine ganze Reihe guter Spielerinnen aus der „Konkursmasse“ des SV Offenhausen übernommen, der seine Mannschaft nach der letzten Saison abgemeldet hat.

Ja, das hat auf Anhieb sehr gut funktioniert, die Mädels hatten keine Probleme, sich schnell zu finden und eine harmonische Mannschaft zu werden. Für mich heißt das, ich habe einen breiteren Kader mit mehr Qualität und kann je nach Spielsituation passend ein- und auswechseln – ob ich nun etwas für die Offensive oder die Defensive tun muss.

Den „Dreier“ aus dem ausgefallen Spiel gegen Schlaifhausen eingerechnet, hat Ihr Team jetzt vier Punkte Vorsprung auf Platz drei. Ist da jetzt der Aufstieg Pflicht?

Na ja, Pflicht… Wohl eher nicht, aber die Mannschaft ist sehr ehrgeizig und will den zweiten Platz natürlich verteidigen. Wir haben noch vier Spiele, und meine Devise lautet immer: Ich schaue von Woche zu Woche. Am Sonntag müssen wir zum SC Oberreichenbach, den aktuellen Vierten. Da können wir den nächsten Schritt machen. Am letzten Spieltag kommt dann Tabellenführer TSV Ebermannstadt zu uns. Läuft alles gut, ist das vielleicht ein sehr schönes Finale um die Meisterschaft. Noch schöner wäre es, wenn wir da Platz zwei schon sicher hätten…

Sie selbst haben ja im letzten Jahr nach fünf sehr erfolgreichen Jahren bei den Männern des FC Reichenschwand das Traineramt niedergelegt – und sind dann bei den FCR-Frauen „gelandet“.

Damals hat der Frauentrainer Olaf Börner überraschend aufgehört, weil ihm die Fahrerei aus Bamberg hierher zu viel geworden ist. Ich bin dann eigentlich als „Übergangslösung“ eingesprungen, dann bis zur Winterpause geblieben und jetzt für die ganze Saison. Hätte ich keinen Spaß an der Arbeit gehabt, hätte ich’s nicht machen können.

Trotzdem hören Sie nach dem Saisonfinale definitiv auf.

Ja. Ich habe mich aber nicht gegen den FC Reichenschwand oder die Frauenmannschaft entschieden, sondern für ein persönliches Vorhaben: Ich möchte, wenn es die Gesundheit zulässt, noch einmal selbst aktiv eingreifen – bei meinem Heimatverein FC Hersbruck. Dort habe ich mit dem Fußball angefangen, dort möchte ich damit aufhören – so würde sich für mich ein Kreis schließen. Das Ganze ist aus einer Schnapsidee entstanden und über das Jahr zu einem konkreten Gedanken geworden.

Reichenschwand sucht deshalb nach einem geeigneten Nachfolger für Sie. Was müsste der mitbringen?

Die Mannschaft wäre froh, wenn es ein junger Trainer wäre (lacht). Nein, Spaß beiseite. Es wäre sehr gut, wenn er das fortführen würde, was ich begonnen habe. Die Viererkette hat sich sehr gut bewährt und auch das spielerische Element ist uns wichtig. Ich lege im Training viel Wert auf die Arbeit mit dem Ball, auch bei Ausdauerübungen, und versuche jede Einzelne weiterzubringen, vor allem technisch. Es wäre schön, wenn mein Nachfolger genau da anknüpft.

Und was bekommt der Neue im Gegenzug?

Eine sehr motivierte und ehrgeizige Mannschaft, die das Wort „aufgeben“ nicht kennt. Wenn eine Übung im Training schwierig ist, sagt keine, das kann ich nicht. Alle Spielerinnen sind willig und haben einen richtig guten Teamgeist, es gibt keine Grüppchenbildung oder Eifersüchteleien. Als Trainer kann man sich da nur glücklich schätzen, so eine intakte Truppe zu übernehmen.

N-Land Klaus Porta
Klaus Porta