Heimpleite für Schwaigs Zweitliga-Volleyballer

Achterbahnfahrt mit ernüchterndem Ende

Mal hui, mal pfui: Sowohl beim SV Schwaig als auch beim TSV Grafing wechselten leistungsmäßig Licht und Schatten. Am Ende setzten sich die Gäste aus Grafing vor allem dank einer bärenstarken Abwehr im vierten Satz durch.2020/11/Volleyball-SV-Schwaig-TSV-Grafing-PZ-net.jpg

SCHWAIG – Leere Halle, leere Gesichter. Die Zweitliga-Volleyballer des SV Schwaig mussten nach drei Siegen erstmals wieder eine Niederlage einstecken. Und die hatte es, auf ihre Art, in sich. Mit 1:3 (21:25, 25:15, 21:25, 23:25) verabschiedeten die geknickten Mannen von SVS-Coach Milan Maric ihre Gäste Richtung Grafing. Der TSV, eine beschwingte Heimfahrt vor Augen, bejubelte seinerseits den dritten Auswärtssieg in Schwaig hintereinander.



Mit einem nervenaufreibenden Duell des Tabellendritten TSV beim Vierten, dem SVS, hatte ohnehin jeder gerechnet: Denn arg dramatisch waren viele Matches gegen den mittlerweile beinahe zum Schwaiger Heim-„Angstgegner“ aufgestiegenen TSV. Und ja, es wurde erneut ein Spiel, das viele, viele Fans verdient gehabt hätte. Bloß waren die, die am Samstag dabei sein durften, im Nachhinein restlos „bedient“.


Zwar wurde Schwaigs Zuspieler Nikola Scerbakov zum dritten Mal in Folge als „MVP“ ausgezeichnet (das war in der vergangenen Saison nur „Peky“ Stanic gelungen, und 2016 Zuspieler Laurentio Vinaturo), doch trösten konnte das keinen, am wenigsten den Geehrten selbst.


Bereits im ersten Satz nämlich hatten sich die Gäste – dank starker Abwehr − durchsetzen können. Kein Mal konnte der SVS in Führung gehen; es war offensichtlich: Der TSV würde sich als echtes Kaliber erweisen und bestätigen, wie wohl sich das Grafinger Team seit jeher in der Mittelbügweg-Halle fühlt. Ob mit oder ohne Zuschauer. Der Einstiegs-Kampf war gleich heftig; das waren zwei Teams auf Augenhöhe, und vor allem in der Phase vom 13:17-Rückstand zum 16:17 zeigten die Gelbblauen ihre bewährte Stärke.


Doch bereits in diesem Durchgang offenbarte sich die seltsame Janus-Köpfigkeit beider: Top-Szenen wechselten mit unerklärlichen Aussetzern, Fehlaufschlägen und nicht existenten Blocks, und das nicht nur in einzelnen Szenen, im Kleinen, sondern auch von Satz zu Satz, im Großen. Was folgte? Der TSV dominierte den ersten Abschnitt mit seiner starken Seite, um dann, man mochte es kaum glauben, im zweiten sang- und klanglos unterzugehen.


Schwaig zaubert nur im zweiten Satz


Anfangs mit fünf Punkten im Dauer-Vorsprung, wusste der SVS diesen beim 18:11 auf sieben, beim 20:13 auf acht und beim 21:13 sogar auf neun Punkte auszubauen. Hier zeigte sich die bärenstarke Seite des SVS, Top-Einsätze von „Mike“ Dzierwa und „Peky“ Stanic inklusive.


Das brillante 1:1 weckte die Hoffnung auf ein zügiges Weiter-so: Auf hohem Niveau brannten die Schwaiger ein Feuerwerk ab; der TSV hatte dem im Prinzip nichts entgegenzusetzen. Es war deren schwache Seite und – rückblickend auf ihre Vehemenz zuvor − irgendwie unerklärlich.


Doch das SVS-Momentum hielt nicht lange: Wie abgeschnitten auf der einen Seite – der der Schwaiger −, wie reanimiert auf der anderen zogen die Grafinger im dritten Satz ihrerseits wieder von dannen. Über 4:6, 11:13, 16:20 und 19:23 lagen die Gastgeber permanent zurück. Es war ein Spielbild des ersten Viertels und beraubte die Franken der Vorstellung, dem TSV durch schiere „Anwesenheit“ beizukommen. Auch die Einwechslung eines starken Christian Schwabe konnte den Satz nicht mehr retten. Auf Weiß war Schwarz gefolgt, der SVS lag mit 1:2 zurück.


Und nun, Frust auf gelbblauer Seite? Konsterniertheit? Untergangsstimmung? Keineswegs; die Schwaiger rappelten sich erstaunlich schnell wieder auf und zeigten wieder ihr erfolgreiches Gesicht: Die Spieler um Kapitän Florian Tafelmayer trumpften auf, als gäbe es kein Morgen. 5:0, 12:4 und 17:8 hießen die Zwischenstände im vierten Durchgang; das Hoch war im Großen und Ganzen genauso unerklärlich wie das Tief im Satz zuvor (was aus umgekehrter Sicht des TSV ebenso galt).
Doch dann? Den 2:2-Satzausgleich vor Augen, den Tiebreak und immerhin zwei mögliche Tabellenpunkte, geschah, was nicht geschehen musste: Die Gäste, die mit 8:17 bereits scheinbar unaufholbar zurückgelegen hatten, legten eine fulminante Sechser-Serie zum 14:17 hin. Kamen zurück. Es ging in Folge Hin und Her, und mit einem Mal stand es, aus SVS-Sicht, „surreal“ 20:20.


Entscheidung fällt per Netzroller


Der Schwaiger Block, der im dritten Satz wenig zur Stelle war, hielt den Angriffen des TSV zwar nun wieder Stand; doch das genügte nicht: Beim 20:21 lag der SVS zum ersten Mal „unfassbarerweise“ hinten, später beim 23:24 weiter. Die Grafinger Abwehr leistete Großartiges. Und dass der TSV-Matchball nach 95 Minuten dann auch noch als glücklicher Netzroller ins Feld der „Gelbblauen“ plumpste, schien bezeichnend.


Die Grafinger gewannen, nach schier unglaublicher Aufholjagd somit absolut verdient in der „Gelben Halle“. Für den SV Schwaig war es die vierte Niederlage mit einem überdies weiteren historischen Vorzeichen: Zum ersten Mal war ein Heimspiel in Echtzeit übertragen worden, über einen Live­stream via „sporttotal.tv“. Von zwei Münchnern initiiert, die das Spitzenduell für die Zuschauer daheim zu zweit fachmännisch kommentierten und das gesamte Spiel nun in der Mediathek bereitstellen.


Für die enttäuschten Schwaiger bedeutet das noch nicht wirklich einzuordnende Wankel-Geschehen nun „Krönchen richten“ und auswärts weitermachen; am kommenden Wochenende geht es nach Gotha. Am 5. Dezember folgt dann das letzte Heimspiel des Jahres gegen Hammelburg, wohl wieder ohne anfeuernde Zuschauer.

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