Interview

Seniorenbeauftragte vor Ort

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Jutta Helmreich ist seit 2012 in der Gemeinde Leinburg als Seniorenbeauftragte tätig. Sie weiß über die Wünsche der Seniorinnen und Senioren Bescheid, kennt die Probleme vor Ort und hat durch ihre Zusatzausbildung als Betrieblicher Pflegelotse die besten Voraussetzungen, beim Thema Pflege Rat geben zu können.

Frau Helmreich, wie viele Senioren kommen durchschnittlich im Monat zu Ihnen? Hat sich die Zahl in den letzten Jahren verändert?
Im Durchschnitt sind es etwa zehn Senioren. Es sind mehr geworden, nachdem mich „meine“ Senioren als Seniorenbeauftragte kennengelernt hatten.

Mit welchen Anliegen kommen sie zu Ihnen? Was ist den Menschen am wichtigsten?
Sie möchten vor allem wissen, was ich mit Ihnen unternehme und welche Aktionen ich ins Leben rufe. Denn den Senioren ist am wichtigsten, noch am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Und nachdem ich einige Generationenprojekte ins Leben gerufen habe, kommen dort auch Alt und Jung zusammen.

Welche Projekte waren Ihrer Meinung nach die erfolgreichsten?
Zusammen mit dem Leibnitz-Gymnasium „Kunst verbindet Generationen“, „Senioren an den PC“ mit der Realschule in Röthenbach und „Musik verbindet Generationen“ mit der Grundschule Diepersdorf.
Und welche Senioren kommen nicht – welche Gründe vermuten Sie?
Wenn Probleme im Bereich Pflege oder Armut bestehen, gehen die Menschen bei uns in der Regel gleich zur Diakonie oder zu kirchlichen Vertretern. Denn obwohl ich dem Datenschutz unterliege, haben sie verständlicherweise mehr Vertrauen, dort über ihre Probleme zu reden. Und die Diakonie oder andere karitative Einrichtungen haben natürlich auch das Fachwissen.

Ist die wachsende Altersarmut ein Thema?
Ich merke bei Ausflügen, die ich organisiere, dass die Senioren gerne dabei sind, manche sich aber an diesem Tag ganz wenig leisten. Darüber reden würde mit mir aber niemand. Deshalb kann ich nicht genau beurteilen, ob Altersarmut ein Thema ist. Ich denke aber, im ländlichen Raum wo viele Wohneigentum besitzen und ihre Familienangehörigen in der Nähe sind, ist es noch kein Thema. Für Härtefälle gibt es bei uns in der Gemeinde die Möglichkeit aus dem Budget für Seniorenarbeit Zuschüsse etwa zu Ausflügen zu gewähren.

Könnten Sie Unterstützung anbieten oder vermitteln, wenn zusätzliche Jobs gesucht würden?
Ich könnte Tipps zur Vorgehensweise geben und meine berufliche Erfahrung und Kontakte zu Firmen nutzen.

Gibt es so etwas wie Senioren-Jobbörsen oder Vermittlerpools?
Ich kenne keine, das wäre aber eine gute Idee. Die Nachbarschaftshilfen gehen zwar in diese Richtung und bieten freiwillige Dienste an, dies geschieht allerdings ehrenamtlich und bietet keine Verdienstmöglichkeiten.

Was sollte von der Politik Ihrer Ansicht nach stärker gefördert werden?
Wichtig wären weitere Maßnahmen und stärkere Förderung von alternativen Wohnformen im Alter sowie mehr sozialer Wohnungsbau, bei dem nicht die Rendite im Vordergrund steht.
Generell brauchen wir auch unbedingt mehr Unterstützung für Angehörige, die pflegebedürftige Senioren betreuen und sich deshalb aus dem Beruf zurückziehen müssen, zum Beispiel ein Pflegegeld bei Jobverzicht.
Auch sollte man verschiedene Mobilitätsformen für Senioren anbieten, um ihre oft eingeschränkten Möglichkeiten zu verbessern, aber auch, um dadurch Anreize zu schaffen, dass sie zur richtigen Zeit ihren Führerschein freiwillig abgeben.

N-Land Erich W. Spieß
Erich W. Spieß