Interview

Seniorenarbeit – neue Aufgaben, neue Chancen

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Durch den ständig wachsenden Anteil älterer Menschen in der Gesellschaft entstehen neue Aufgaben, aber auch Chancen. Um den neuen Herausforderungen gerecht werden zu können, wurde in den 90er Jahren eine entsprechende Anlaufstelle im Landratsamt in Lauf geschaffen. Wegen des großen Bedarfs schärfte man im April 2015 das Profil dieser Stelle und benannte sie in „Koordinationsstelle für Seniorenarbeit“ um.
Diese Stelle ist seitdem Anlaufpunkt für Fragen rund um das Thema Seniorinnen und Senioren, sie informiert und vermittelt kompetente Ansprechpartner. Darüber hinaus soll sie aber auch den Mitarbeitern sozialer Einrichtungen, von Organisationen oder Verbänden durch Beratung, Zusammenarbeit oder Kontaktvermittlung helfen.
Die Leiterin der Koordinationsstelle, Diplom-Soziologin Anja Gruhl, gab der PZ einen Einblick in ihre Tätigkeit.

Frau Gruhl, die Koordinationsstelle für Seniorenarbeit wurde 2015 eingerichtet, wie kam es dazu?:
Bereits im Jahr 2011 wurde für den Landkreis erstmalig ein Seniorenpolitisches Gesamtkonzept erstellt und die Seniorinnen und Senioren des Landkreises wurden nach ihrer Meinung gefragt. Aus den Ergebnissen ergaben sich elf Handlungsfelder, etwa zu den Themen Barrierefreiheit, Wohnen im Alter, Pflege oder auch ehrenamtliches Engagement. Die Arbeit der Koordinationsstelle für Seniorenarbeit besteht unter anderem darin, diese Empfehlungen in Zusammenarbeit mit den professionellen und ehrenamtlichen Akteuren in der Praxis umzusetzen. Mit der Schaffung einer eigenen Koordinationsstelle für Seniorenarbeit im Landratsamt in Lauf wird der Altersgruppe 60+ seitdem eine besondere Aufmerksamkeit zuteil.

Und wie hat sich das Ganze dann entwickelt?
Wichtig ist die Vernetzung der entsprechenden Akteure im Landkreis. Neben den Seniorenbeauftragten der Gemeinden, Ansprechpartner für die Generation 60+ vor Ort, gibt es im Landkreis den Kreisseniorenbeirat und die „Projektgruppe Senioren“. Zudem arbeitet die Koordinationsstelle beim „Runden Tisch Hospiz“ mit. Bei regelmäßig stattfindenden Treffen tauscht man sich über seniorenspezifische Themen aus und bespricht anstehende Projekte und Herausforderungen.
Der Seniorenwegweiser Nürnberger Land – eine umfangreiche Sammlung der Angebote für Seniorinnen und Senioren – wird ebenfalls regelmäßig von der Koordinationsstelle aktualisiert und ist als Broschüre und Online natürlich kostenlos verfügbar.

Welche positiven Erkenntnisse und praktische Umsetzungen sind besonders zu erwähnen?
Besonders zu erwähnen ist die gute Zusammenarbeit mit den in der Seniorenarbeit tätigen professionellen und ehrenamtlichen Akteuren. Viele der bereits umgesetzten Projekte konnten so realisiert werden. Anführen kann man hier zum Beispiel die im vergangenen Jahr erstmals durchgeführte Aktionswoche „Älterwerden im Nürnberger Land“. Hier wurde Seniorinnen und Senioren, Angehörigen und Interessierten ein vielfältiges Programm zu verschiedenen Themen des Alters präsentiert.
Eine Wanderausstellung mit Beiträgen des Ideenwettbewerbes „Älterwerden im Nürnberger Land“, die im Jahr 2016 stattfand, wurde ebenfalls von der Koordinationsstelle organisiert. Aktuell macht diese Wanderausstellung in Neumarkt Station.
Natürlich ist auch die Veröffentlichung des aktualisierten Seniorenwegweisers zu nennen. Hier finden Interessierte übersichtlich eine Vielzahl relevanter Informationen zu verschiedenen Themen und Ansprechpartnern.

Wie sehen die anstehenden Projekte aus?
Für das dritte Quartal 2018 bereiten wir Kulturtage (nicht nur) für die Altersgruppe 60+ vor, die in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt Nürnberger Land und der Stadtbibliothek Lauf stattfinden werden. Geplant sind unter anderem Lesungen, eine Ausstellung und ein Konzert.
Im Oktober 2018 findet zudem die Abschlussveranstaltung der ersten Phase der Teilhabeplanung des Landkreises Nürnberger Land statt. Unter Federführung der Offenen Behindertenarbeit von Caritas und Rummelsberger Diakonie, der Koordinationsstelle für Seniorenarbeit und der Behindertenbeauftragten des Landkreises wurden in verschiedenen Workshops zu den Themen Arbeit, Bildung, Freizeit und Kultur, Mobilität sowie Wohnen Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Teilhabe von Menschen mit Einschränkungen im Nürnberger Land erarbeitet. Die Ergebnisse werden auf der Abschlussveranstaltung vorgestellt.

Sind Sie mit dem Thema „Altersarmut“ konfrontiert? Gibt es aktuelle Zahlen für den Landkreis?
Zum Thema „Altersarmut“ liegen auf Landkreisebene nur wenige aussagekräftige Daten vor. Ein Indikator für die (materielle) Hilfebedürftigkeit im Alter ist der Anteil der über 65-jährigen Empfänger von Grundsicherung. Der Wert für das Nürnberger Land liegt seit Jahren deutlich unter den entsprechenden Werten in Mittelfranken und Bayern. Im Jahr 2016 lag der Anteil bei 1,3 Prozent und war damit nicht einmal halb so hoch wie die Quoten in Mittelfranken und Bayern.

N-Land Erich W. Spieß
Erich W. Spieß