Opfer war nicht angeschnallt: Mitverschulden nach Autounfall?

ILLUSTRATION - Zum Themendienst-Bericht vom 28. Februar 2020: Wer sich nicht anschnallt, riskiert nicht nur Bußgelder und seine Gesundheit, sondern auch ein Mitverschulden und die Reduktion von Ansprüchen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++ | Foto: Christin Klose/dpa-tmn2020/03/Opfer-war-nicht-angeschnallt.jpg

Wer unverschuldet Opfer eines Verkehrsunfalls wird, hat Anspruch auf Schadenersatz und Schmerzensgeld. Gilt das aber auch, wenn der Betroffene sich nicht angeschnallt hatte?

(dpa/tmn) – Wer sich im Auto nicht anschnallt, riskiert nicht nur Bußgelder und seine Gesundheit. Selbst nach unverschuldeten Unfällen können ein Mitverschulden und die Reduktion von Ansprüchen folgen. Das zeigt ein Urteil des Oberlandesgerichts München (Az.: 10 U 3171/18), auf das der ADAC hinweist.

Im konkreten Fall fuhr ein Autofahrer auf das vor ihm abbremsende Fahrzeug auf. Infolgedessen schob dieses ein weiteres in die Gegenfahrbahn, wo es mit dem entgegenkommenden Auto zusammenstieß. Dessen Fahrer erlitt dadurch schwere Knieverletzungen. Er verklagte den Verursacher des Unfalls auf Schadenersatz und Schmerzensgeld.

Damit war er nur zum Teil erfolgreich. Denn er musste sich ein Mitverschulden von 30 Prozent zuschreiben lassen. Grundsätzlich sei bei der gegebenen Unfallsituation eine Haftung von 100 Prozent anzunehmen. Denn wer auffährt, haftet nach dem Anscheinsbeweis auch voll. Doch musste laut Gericht hier Berücksichtigung finden, dass der Geschädigte nicht angeschnallt war. Die erlittenen Verletzungen wären nicht so schwer gewesen, wenn er den Gurt angelegt hätte. Das Abrutschen in den Fußraum und die daraus resultierende Knieverletzung wären zumindest abgemildert worden.

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