24 Stunden, 24 Unternehmen: Büschel

Wo der Stahl bestens in Form ist

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Schwaig — 14 Uhr bei der H. u. E. Büschel GmbH in Schwaig, Schichtwechsel in der Produktion. Die Mitarbeiter der Frühschicht informieren ihre Kollegen der nun folgenden Spätschicht über den Fertigungsstand der jeweiligen Kundenaufträge. Und derer gibt es reichlich, über 200 Millionen Feinschneidteile werden hier jährlich produziert. Das Unternehmen liefert weltweit an die Elektroindustrie und an die Medizintechnik, überwiegend jedoch an die Automobilindustrie, wo die Teile in Motoren oder in elektrischen Sitzverstellungen verbaut werden. Außergewöhnliche Aufträge waren bisher: Teile für Biathlongewehre, Röntgengeräte und Flugzeuge.

Die dritte und vierte Büschel-Generation strahlt um die Wette: Benjamin (von links), Fred und Rolf Büschel. Vollautomatisch werden hier jährlich zwölf Millionen „Sonnenräder“ hergestellt, Teile für die elektrische Sitzverstellung im Auto. | Foto: Stefanie Camin2018/10/Bueschel_Doppelbild.jpg

Für jeden neuen Kundenauftrag erstellen die betriebseigenen Konstrukteure Zeichnungen, nach deren Vorgaben die Mitarbeiter im Werkzeugbau die entsprechenden Formen herstellen; über 1000 davon sind bisher nach den Kundenwünschen entstanden. Diese Werkzeuge werden in die Feinschneidautomaten eingebaut. 15.000 Tonnen von gigantischen Stahlrollen, sogenannte Coils, werden so jährlich in den Pressen feingeschnitten. Danach werden die Teile entgratet (Kanten entschärft), gewaschen, teilweise montiert und verpackt. Im Oktober 2018 sind die 26 Maschinen um eine weitere Feinschneidpresse, die XFT, erweitert worden. 20 Tonnen schwer, schafft sie eine Presskraft von 250 Tonnen bei 150 Hüben pro Minute. Übersetzt heißt das: Mit dieser starken Technologie kann die produzierte Menge verdoppelt werden.
1990 von ihrem Vater Erich übernommen, führen Rolf und Fred Büschel seitdem die Geschäfte. Inzwischen ist die Nachfolge in vierter Generation mit Benjamin Büschel gesichert, der das Unternehmen im Rahmen eines Trainee-Programms vor einem Jahr von der Pike auf kennengelernt hat: „Für mich stand immer fest, dass ich hier einsteige. Die Frage war nur, wann.“

Markus Viessmann, 27,
Ausbildungsleiter
„Ich arbeite seit zehn Jahren bei Büschel und seit vier Jahren bringe ich den Auszubildenden bei, wie sie feilen, fräsen, drehen, messen oder prüfen. Und ich zeige ihnen, wie sie an der Maschine arbeiten. Außerdem bereite ich sie auf ihre Prüfungen vor. Mir gefällt das familiäre Klima; wir verstehen uns alle sehr gut hier.“
Matthias Stief, 52, technischer Projektleiter
„Nachdem ich schon seit 32 Jahren hier arbeite, bin ich nicht nur für die Kunden der erste Ansprechpartner im Haus, sondern auch für die Kollegen. Ich betreue die Projekte von der ersten Kundenanfrage bis zur Serienproduktion. Was ich gut finde: Die Chefs haben immer eine offene Tür – egal, welches Thema man hat.“
Markus Böcklein,
31, Leiter Werkzeugbau
„Seit sieben Jahren koordiniere ich die Werkzeugfertigung, bereite mit Berechnungen zum Beispiel Entscheidungen vor, ob wir ein Teil selber fertigen oder ob es günstiger ist, es zu kaufen. Außerdem plane ich die Mitarbeiter für die Schichten ein und überwache die Termineinhaltung. Mir gefällt, dass ich viele Freiräume habe. Und wir haben – soweit das in den Abteilungen möglich ist – Gleitzeit.“

„The perfect part/ner“ lautet das englische Wortspiel im Slogan von Büschel und bezieht sich sowohl auf „the Part“, das hergestellte Teil, als auch auf „the Partner“, die Beziehung zum Kunden und zum Mitarbeiter. Und während es in der Produktion um Feinschneidteile geht, beweisen die beiden Geschäftsführer ein ausgeprägtes Feingefühl für die Belange ihrer Angestellten. „Viele Mitarbeiter sprechen mit mir über ihre Probleme. Einer kam zum Beispiel mit dem Finanzierungsantrag von seiner Bank nicht zurecht, als er sich ein Haus gekauft hat. Wir sind das dann in Ruhe gemeinsam durchgegangen“, erzählt Fred Büschel lächelnd. „Nicht nur wir wollen Freude an der Arbeit haben“, ergänzt sein Bruder Rolf, „wir wollen das auch unseren Mitarbeitern ermöglichen.“
Was in Führungsseminaren als „Management by Walking Around“, also als „Führen durch Herumlaufen im Betrieb“ gelehrt wird, leben die beiden tatsächlich; da wundert auch nicht, dass auch ihre Bürotüren immer offen stehen. Die Nähe zu ihren Mitarbeitern ist ihnen eben wichtig. Auch Ideenmanagement schreiben die Büschels groß: Eine komplizierte Formel berechnet die jeweilige Einsparung, die durch den Vorschlag des Angestellten generiert werden kann und auch, wie hoch der Mitarbeiter beteiligt wird. Oder, wie Benjamin Büschel es auf den Punkt bringt: „Hier haben wir ein weiteres offenes Ohr für unsere Mitarbeiter.“

FAKTEN UND KONTAKT
Gründung: 1921 in Nürnberg, seit 1986 in Schwaig
Firmengelände: 13600 m² (Produktion, Lager, Büro- und Sozialräume gesamt)
Kapazität pro Jahr: 200 Mio. Feinschneidteile aus 15.000 t Stahl
Mitarbeiter: 400 (in Schwaig und im Zweitwerk in Mohlsdorf, Thüringen)
H. u. E. Büschel GmbH Feinschneidtechnik, Werkzeugbau
Haimendorfer Straße 58
90571 Schwaig
0911/50620-0
www.bueschel.de

N-Land Stefanie Camin
Stefanie Camin