24 Stunden, 24 Unternehmen: End & Blank

Ein offenes Ohr für Trauernde

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Lauf — Es ist nicht so, dass Anja Blank nicht gerne schläft. Nur kann es ihr passieren, dass sie nicht dazu kommt. Denn die Bestatterin hat rund um die Uhr Rufbereitschaft, 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr. Und das Telefon klingelt eben dann, wenn jemand gestorben ist. Wann auch immer das ist. Wie sie es schafft, nachts um 3 Uhr, mitten aus dem Tiefschlaf gerissen, für einen aufgewühlten Hinterbliebenen da zu sein? „Das ist meine Berufung: Trauernden in ihrer Hilflosigkeit Halt zu geben“, erklärt die alleinige Geschäftsinhaberin.

Wenn Anja Blank mit ihrer „Renate“, einem 1969er Mercedes-Benz /8, zur Abholung vorfährt, staunen die Kunden oft. Die Decke mit Swarovski-Steinen in diesem Sarg lässt den Verstorbenen weich gebettet ruhen. | Foto: Stefanie Camin2018/09/Doppelbild_Blank.jpg

Der Reihe nach: Ein Angehöriger ruft nachts um 3 Uhr an, sein gestorbener Partner soll abgeholt werden. Viel Zeit, aus dem Schlafmodus zu sich zu kommen, hat Anja Blank nicht; der Kunde braucht sie. „Rekord“ war ein verzweifelter Mann, der ab 3 Uhr im Viertelstundentakt angerufen hat. Gegen 5 Uhr ist Anja Blank dann zu ihm gefahren, um persönlich für ihn da zu sein. Für gewöhnlich klärt sie, bevor sie losfährt, telefonisch, ob der Arzt schon da war – dieser darf erst sechs Stunden nach dem Ableben zur Leichenschau kommen. Wenn der Arzt den Tod festgestellt und die Todesbescheinigung ausgestellt hat, kommt „Renate“ zum Einsatz, ein zum Leichenwagen umgebauter Mercedes-Benz /8 aus dem Jahr 1969, mit dem der Verstorbene abgeholt wird. Vor allem im heißen Sommer sollte das innerhalb von ein bis zwei Stunden erfolgen, um unangenehme Gerüche zu vermeiden. „Auf leisen Sohlen“, wie sie sagt, damit die Nachbarn nicht gestört werden. Wenn der Angehörige zumindest etwas zur Ruhe kommen konnte, folgt am nächsten Tag das Trauergespräch. Welcher Friedhof, Einäscherung ja oder nein, wer gestaltet die Traueranzeige, gewünschter Termin für die Beerdigung, Trauerfeier mit Trauerredner, Deko, Musik und vieles mehr gilt es dabei zu besprechen. Die Sterbeurkunde vom Standesamt oder die polizeiliche Unbedenklichkeitsbescheinigung, die bei einer Einäscherung vorliegen muss, organisiert Anja Blank für gewöhnlich ebenfalls. Auf jeder Trauerfeier ihrer Kunden ist die 38-Jährige dabei.
Wie meistert sie es, bei so viel Trauer und seelischem Schmerz um sie herum Abstand zu halten? „Manchmal gehen mir Fälle schon sehr nahe, ich bin schließlich keine Maschine“, gibt sie zu. Der Tod einer jungen Mutter, deren jüngstes Kind neun Monate alt war oder wenn kleine Kinder sterben; daran denkt sie noch oft.

Thomas Kirsch, 52, Trauerredner
„Ich arbeite seit 2013 als freier Redner auf Hochzeiten oder Trauerfeiern, vorher war ich katholischer Pfarrer. Inzwischen unterstütze ich auch Kunden von Frau Blank, indem ich auf Trauerfeiern an den Verstorbenen erinnere – und gerne auch ein Schmunzeln bei den Angehörigen erreiche. Ungewöhnlich war mal der Musikwunsch eines verstorbenen Motorradfahrers, „Highway to hell“ von AC/DC.“
Wienfried Goldmann, 68, Bestattungshlf.
„Seit 17 Jahren unterstütze ich verschiedene Bestattungsunternehmen; früher nebenberuflich, inzwischen bin ich Rentner. Ich hole die Verstorbenen mit ab, richte sie her oder kümmere mich zum Beispiel um Beurkundungen. Vorher habe ich einige Jahre als Sargträger gearbeitet, insofern war mir dieses Metier bekannt. Es war mir immer eine Ehre, den letzten Weg des Verstorbenen mitzugehen.“
Frank Bölcsföldy, 49, Steinmetz
„1996 habe ich den Betrieb von meinem Vater übernommen. Mir gefällt es, den Verstorbenen ein stilvolles Denkmal zu gestalten und auf die Wünsche der Angehörigen einzugehen. Zum Beispiel wenn der Verstorbene Eisenbahnfan war, kommt ein Zug auf den Stein. Mit Frau Blank arbeite ich schon lange zusammen, ich schätze ihr freundliches, zuvorkommendes Wesen und ihre kompetente Arbeit.“

Die Lauferin weiß nie, wie ihr Tag oder die Nacht verläuft. Nie. Ihre Kawasaki ER6 N fährt die passionierte Motorradfahrerin nur mit Headset unter dem Helm – es könnte schließlich jemand anrufen. Mit Freunden unterwegs; das geht entweder nur mit zwei Autos oder viel Verständnis der anderen, dass der gemeinsame Ausflug mit einem Anruf vorbei ist. Klettergarten mit den Kindern? Gerne, aber immer mit dem Hintergedanken, dass sofort abgebrochen wird, weil jemand abgeholt werden muss. Da drängt sich die Frage auf, warum sie sich das antut. „Der Beruf ist keine Belastung, wenn so viel Herzblut wie bei mir dabei ist. Außerdem unterstützen mich meine Familie und die fünf Aushilfen immer so toll“, lächelt sie und beantwortet den nächsten Anruf.

FAKTEN UND KONTAKT
End & Blank Bestattungen
Gründung: 2015
Firmengelände: 160 m² Büro
Kapazität: variabel, auftragsabhängig
Mitarbeiter: 5 Aushilfen

End & Blank
Bestattungen GmbH
Röthenbacher Straße 5
91207 Lauf
09123/9892290
www.eub-bestattungen.de

N-Land Stefanie Camin
Stefanie Camin