Ein Hammer mit langer Tradition

2019/07/Titelbild-Simmelsdorf-erleben.jpg

Dass Diepoltsdorf auf eine lange Geschichte zurückblickt, dürfte spätestens dank der diesjährigen 700-Jahr-Feier bekannt sein. Doch dieser Ortsteil von Simmelsdorf hat mehr zu bieten als das langjährige Bestehen. Hier wurde der Grundstein für den ersten Industriebetrieb im Ort bereits Anfang des 14. Jahrhunderts gelegt, wobei der sogenannte Hammer dabei im Dorf eine große Rolle spielte.
Mit diesem Hammer wurde Eisen aus Eisenerz gewonnen. Der Schwanzhammer aus Eisen wurde durch einen Vorläufer der Nockenwelle, die durch ein Wasserrad angetrieben wurde, periodisch nach oben und unten bewegt. Er hatte also einen vorgegebenen Takt.
Die Lage von Diepoltsdorf war für den Hammer prädestiniert. Das lag zum einen an dem Bach namens Schnaittach, der in Diepoltsdorf aus Achtel und Naifer gebildet wird. Zum anderen war es umgeben von viel Wald, der das Holz für die Schmiedeöfen zum Erhitzen des Eisenerzes lieferte.

Zusätzlich lag es auch noch an der Eisenstraße, über die Erz vor allem aus Böhmen bezogen und das fertige Schmiedeeisen abtransportiert werden konnte. Sie führte in unserer Gegend von Hormersdorf nach Bühl und Hüttenbach und kam somit auch direkt an Diepoltsdorf vorbei. Der Wachstein, ein Felssporn zwischen dem Achtel- und Naifertal, diente als Wachposten zum Schutz der Transporte auf der Eisenstraße. Das Schutzpersonal der Eisenstraße war in den umliegenden Dörfern, auch in Diepoltsdorf, untergebracht. Der Boden in der Umgebung war reich an Erz, was zum Beispiel der Straßenname „Am Erzberg“ in Hüttenbach heute noch zeigt. Auch die Hammerhofstätte selbst ist in Diepoltsdorf, zumindest dem Namen nach, heute noch präsent. So sind im „hinteren Dorf“ zwei Straßen nach ihr bezeichnet: die Hammerleite und der Hammerhof.
Nachdem der 30-jährige Krieg (1618–1648) den Hammer stillgelegt und ruiniert hatte, wollte der damalige Besitzer, Christoph Gottfried von Gugel, den Hammer 1664 wieder gangbar machen. Er baute ein neues Hammergebäude, um anstelle des Hammers eine Papiermühle zu errichten. Dies wurde ihm allerdings von den Rothenbergerischen Herren untersagt, um Konkurrenz zu der Rollhofener Papiermühle zu vermeiden. Daraufhin errichtete er wieder einen Eisenhammer. In den darauffolgenden Jahren erlebte der Hammer eine Blütezeit, ehe der Betrieb mangels Holzes und Kohle um 1698 eingestellt werden musste. Die Blütezeit des Eisenhammers wird durch zitierte Kirchbucheinträge von Bühl deutlich; folgende Berufe werden genannt: Hammermeister, Hammerschmiede, Zerrenner und sogar ein Hammerschreiber.
Aus den ehemaligen Hammergebäuden wurden Wohnhäuser. Anfang der 2000er Jahre wurden die Lagerhallen für die Pappenherstellung abgerissen, die noch vorhandenen Maschinen entsorgt und in unmittelbarer Nähe ein Wohnhaus errichtet.
Vom ehemaligen Hammerwerk ist heute von außen nur noch eine Schütze im Bach und das noch funktionsfähige oberschlächtige Wasserrad zu sehen.
Aus der Chronik „700 Jahre Diepoltsdorf 1319–2019“ von Regina Jukl
N-Land PR-Text
PR-Text