24 Stunden, 24 Unternehmen: NZZ

Der Zeitungs-Bringer

Zusteller Marcel Ludwig liebt es, in der Dunkelheit und Stille der Nacht seine Runden zu drehen. Dank Menschen wie ihm können die PZ-Abonnenten morgens zum Kaffee Zeitung lesen. | Foto: Stefanie Camin2019/09/Oben-quer_Kennzeichen-schwaerzen-u-Bildausschnitt-vergroessern-ranzoomen.jpg

In dieser Serie stellen wir 24 regionale Betriebe aus unterschiedlichen Branchen vor. Jedes Unternehmen bekommt dabei eine Stunde, und das acht Wochen lang; jede Woche drei Firmen. In der Stunde zwischen 1 und 2 Uhr haben wir den Zeitungszusteller Marcel Ludwig begleitet. In stockfinsterer, einsamer Atmosphäre genießt er die Stille, die frische Luft und die Bewegung. Er ist einfach eine „Nachteule“ – wobei die meisten Zusteller bedeutend später aufstehen, um ihre Runden zu drehen. Was alles dahinter steckt, damit Sie die Zeitung morgens vor dem ersten Kaffee im Briefkasten haben, lesen Sie hier.

Lauf.
1 Uhr. Es ist so finster, dass die Straßennamen auf den Schildern kaum zu lesen sind. Das spielt für Marcel Ludwig allerdings keine Rolle; er kennt sich hier aus wie in seiner (Warn-)Westentasche. Wenn andere schlafen, schlägt seine Stunde: Weil er mitten in der Nacht unterwegs ist, können Leser der Pegnitz-Zeitung (PZ) morgens die Zeitung aus dem Briefkasten fischen und gemütlich bei der ersten Tasse Kaffee lesen, was in Lauf und der Welt am Vortag passiert ist.
„Ich hab‘ Spaß an der Arbeit“, erzählt er, während er die Zeitungen in die entsprechenden Briefkästen wirft. Nur das Klappern des Briefkasten-Deckels unterbricht die nächtliche Stille. Der 27-Jährige genießt die Bewegung an der frischen Luft. Er betreut fest drei Gebiete und vertritt oft Kollegen, wenn sie im Urlaub oder krank sind. Seit fünf Jahren arbeitet Marcel Ludwig in seinem Traumjob, in dem er seinen Rhythmus ausleben kann: Nachts zieht er um die Häuser – nur nicht, wie andere in seinem Alter, von einer Disko zur nächsten, sondern mit Zeitungen beladen von Briefkasten zu Briefkasten. Gegen 6 Uhr morgens geht er ins Bett, schläft bis zirka 14 Uhr.
„Ich bin morgens nie aus dem Bett gekommen“, erinnert er sich mit Schaudern an seine Schulzeit. Auch während der Ausbildung zum Fachlageristen hat er das morgendliche Aufstehen gehasst. Jetzt darf er sein selbstgewähltes „Nachteulen“-Dasein in vollen Zügen genießen. Und weil er eh wach und „auf Achse“ ist, weckt er um 4.30 Uhr mit einem Anruf einen Zusteller-Kollegen, der sich mit dem Aufstehen mitten in der Nacht etwas schwerer tut. Überhaupt: Die meisten Zusteller stellen ihren Wecker um einiges später. Die Devise lautet grundsätzlich, dass die PZ bis in den frühen Morgenstunden verteilt sein soll. Wann der Zusteller startet, hängt von seinen Vorlieben und der Größe seines Gebiets ab.
Selbstgebauter Anhänger
Marcel Ludwig ist einer der Zusteller im PZ-Gebiet, die ausschließlich mit dem Fahrrad austragen. Wenn die Zeitung besonders viele Beilagen hat, nimmt er dafür seinen selbstgebauten Anhänger. Dieser wiegt knapp 40 Kilogramm, dafür lassen sich damit die schweren Auslagen bequemer verteilen als nur mit den seitlichen Fahrradtaschen.
Just am Vormorgen hat ihn eine Kundin um 6 Uhr auf einen Kakao eingeladen. Danach ist sie in die Arbeit, und er nach Hause ins Bett gegangen. Schon öfters hat er beim Drehen seiner Runden offenstehende Autos bemerkt. Einmal hat er gesehen, dass mitten in der Nacht der Schlüssel im Schloss eines Ladens steckte – bei solchen Beobachtungen informiert er umgehend die Polizei, und trägt damit ganz nebenbei zu einer ein bisschen sichereren Welt bei.
Jetzt im Herbst ist morgens wieder Stille eingekehrt, doch vor allem im April und Mai genießt Marcel Ludwig das Zwitschern der Vögel. „Sie fangen eine Stunde vor Sonnenaufgang an“, weiß er inzwischen aus fünfjähriger Erfahrung. Doch auch dem oft verregneten Herbst oder kalten Winter kann der „Zeitungs-Bringer“ etwas abgewinnen: „Alles kein Thema mit der richtigen Kleidung!“

Zusteller Marcel Ludwig liebt es, in der Dunkelheit und Stille der Nacht seine Runden zu drehen. Dank Menschen wie ihm können die PZ-Abonnenten morgens zum Kaffee Zeitung lesen. | Foto: Stefanie Camin2019/09/Unten-quer_Namen-auf-Briefkasten-unscharf-machen.jpg


Hinter den Kulissen
Damit der Kunde seine Zeitung morgens im Briefkasten hat, läuft im Hintergrund eine gigantische Maschinerie. Der Lokalteil der Pegnitz-Zeitung wird in Bamberg gedruckt, dann nach Nürnberg gefahren und in der Druckerei der Nürnberger Nachrichten (NN) ummantelt, also dem Mantelteil der NN beigefügt. Lkw-Fahrer holen die in Pakete geschnürte Zeitungen bei den NN ab und laden sie an diversen festgelegten Ablagestellen im PZ-Land ab.
Damit die Zeitungen in die Briefkästen der Leser gelangen, kommt nun die Nordbayerische Zeitungs- und Zeitschriften-Zustellgesellschaft mbH (NZZ) ins Spiel. Sie koordiniert die Verteilung der PZ, NN, NZ und vieler weiterer Zeitungen und Magazine durch 2000 Zusteller in Mittelfranken sowie Teilen von Oberfranken und der Oberpfalz. Zusteller wie Marcel Ludwig holen die Zeitungen an den Ablagestellen ab und legen dann zusammen rund 10.000 Kilometer pro Nacht zurück. Aufgeteilt auf knapp 150 Bezirke, sind im PZ-Gebiet rund 100 Stammzusteller und 35 Ersatzzusteller im Einsatz.

Rita Leibinger, 58, Inspektionsdienstleitung: „Ich habe 1991 als Zustellerin angefangen – das war damals ideal, weil ich keine zusätzliche Betreuung für meine Kinder gebraucht habe. Nach 16 Jahren als Vertriebsinspektor teile ich mir seit vier Jahren die Doppelspitze mit dem Ralph Hannemann. Wir arbeiten unter anderem mit der Abteilung Tourenlogistik zusammen, kontrollieren die Zeiterfassung, schicken den neuen Zustellern ihre Ausstattung wie Zeitungswagen, Handroller oder im Winter Handschuhe.“ | Foto: Stefanie Camin2019/09/DSC_5882.jpg
Dominic Hof, 33, Gebietsleiter:
„Bis die Zeitung beim Kunden ist, gibt es sehr viele Schnittstellen wie Produktion, Fahrer, Verkehr, Wetter, Zusteller… wenn am Anfang des Prozesses eine Verzögerung eintritt, kann das eine extreme Kettenreaktion bewirken. Ich organisiere unter anderem kurzfristig Ersatz, wenn der Zusteller krank ist oder zum Beispiel wegen Blitzeis nicht austragen konnte, und er morgens um 6 Uhr in seine Hauptarbeit gehen muss.“
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Arbeit unter freiem Himmel
Wer etwas für seine Gesundheit und Fitness tun möchte, sich zwischen ein und mehreren Stunden morgens bewegen und dabei auch noch Geld verdienen möchte, kann sich gerne bewerben. Ob rüstiger Rentner oder Arbeitnehmer, der vor seinem Job noch etwas dazuverdienen möchte, ob Frühaufsteher-Student oder Triathlet, der das Zeitungaustragen in seinen Trainingsplan integriert, ob Minijob oder 20 Stunden pro Woche: Die NZZ bietet ein flexibles System für (fast) alle Wünsche und Vorlieben. Infos unter http://zusteller.nordbayern.de.

FAKTEN NZZ:
Bezirke im PZ-Gebiet: 146
Zusteller im PZ-Gebiet: 96 Stammzusteller +
35 Ersatzzusteller
PZ-Abos: knapp 10.000
Zusteller im NZZ-Gebiet: 2000, die ca. 10000 km pro Nacht zurücklegen

KONTAKT:
Nordbayerische Zeitungs- und Zeitschriftenzustellgesellschaft mbH (NZZ)
Moosäckerstraße 2
90427 Nürnberg
Telefon 0911 2161166
http://zusteller.nordbayern.de

N-Land Stefanie Camin
Stefanie Camin