24 Stunden, 24 Unternehmen: Geier + Trapper

Damit die Sonne ins Zimmer scheint

Foto: Quelle: www.GettyImages.de/AndrewScherbackov2018/10/Uhr-11-12.jpg

Ottensoos — 23 Uhr, die letzte Stunde der bemannten Schicht bei Geier + Trapper in Ottensoos beginnt. Ab 0 Uhr laufen die Spritzgussmaschinen für sechs Stunden unbewacht weiter, bevor die Frühschicht kommt. Deswegen bereiten die Maschinenbediener ab 23 Uhr alles für die mannlose Zeit vor, überprüfen die 21 Spritzgussmaschinen und füllen das Granulat nach, aus dem die Maschinen Teile für den Rollladen- und Fensterbau aus Kunststoff formen.
Die hier produzierten Teile sind in fast jedermanns Zuhause: Wer morgens die Sonne ins Schlafzimmer lassen will und den Rollladen hochzieht, tut dies sehr wahrscheinlich mit Komponenten aus Ottensoos. Im besten Fall sind alle Kunststoffteile eines Rollladens von Geier + Trapper; auch, wenn der Endkunde sich dessen eher nicht bewusst ist, denn das Unternehmen liefert an große Systemhäuser als Zwischenlieferanten, die wiederum Rollladen- und Fensterbauer mit den Materialien versorgen. Neben den einzelnen Komponenten wie Seitenteil, Einlauftrichter, Gurtführung, Gurtscheibe oder Gurtwickler bietet Geier + Trapper auch Sets mit allen hier produzierten Einzelteilen an, die dem Handwerker die Arbeit erleichtern.

Geschäftsführer Bernd Häusinger zeigt das Kopfstück eines Rolladenkastens. Auf dem Bild re. produziert eine der 21 Spritzgussmaschinen eine Stulpendkappe, die am Ende eines Stulpes, einer Leiste zwischen den Fensterflügeln, als Verlängerung und Staubschutz angebracht wird. | Foto: Stefanie Camin2018/10/Geier_Doppelbild.jpg

Flexibilität und Kundenorientierung werden großgeschrieben: Von Kleinserien mit 1000 Stück bis zu 5,5 Millionen Teile pro Auftrag ist hier alles machbar. Das Sortiment besteht aus 1500 Artikeln, die gängigen sind auf 1600 Palettenplätzen gelagert. Das sichert die Lieferschnelligkeit – ein Vorzug, den die Kunden extrem schätzen. Auch die Spritzgussmaschinen können unverzüglich umgerüstet werden. „Die Schnelligkeit ist unser Alleinstellungsmerkmal“, betont Bernd Häusinger, der sich gemeinsam mit Bernhard Liebscher die Geschäftsführung teilt. Der kurzfristigen Anfrage eines Kunden kamen die Mitarbeiter beispielsweise in einer verlängerten Nachtschicht nach: Nur ein Tag war zwischen dem ersten Kontakt bis zur Abfuhr des mit 33 Paletten beladenen Lkws vergangen. Geier + Trapper versteht es eben, Kunden glücklich zu machen.

Konrad Böllet,63, Kunstst.formgeber
„Seit 19 Jahren arbeite ich bei Geier + Trapper. Meine Aufgaben: Maschinen umrüsten, einstellen, Fehler beheben und Qualitätskontrolle. Die Maschinen sind alle anders, das macht meine Arbeit so abwechslungsreich. Mir gefällt die kollegiale Atmosphäre. Man kann hier einfach super mit den Chefs und den Kollegen über alles reden.“
Daniela Stoiber, 45, Leiterin Konfektion
„Ich teile die Arbeiten ein. Dazu gehört viel Organisationstalent; schließlich muss alles fertig sein, wie der Kunde es bestellt hat. Den Job mache ich jetzt seit 26 Jahren und mir gefallen die vielseitigen Aufgaben. Und ich finde es spannend, wie sich die Kundenanforderungen ändern: Heute wird zum Beispiel viel mehr Wert auf die Verpackung gelegt als früher.“
Christian Schubert, 51, Lagerist
„Warenannahme, Versand, wiegen, messen, kommissionieren, verpacken, einlagern und Lagerbestandskontrolle – das alles mache ich. Und so, wie es klingt, ist es auch: abwechslungsreich. Ich bin immer in Aktion und sitze nur ab und zu am PC. Genauso mag ich es. Dadurch, dass es ein Familienbetrieb ist, kennt jeder jeden. Das finde ich super.“

Nachdem Eugen Geier und Georg Trapper 1967 mit Rollladenteilen aus Porzellan angefangen haben, sind sie 15 Jahre später komplett auf Kunststoff umgestiegen, der länger haltbar und Dank der Spritzgussmaschinen leichter herzustellen ist. Diese – die meisten sind von der Sumitomo Demag in Schwaig – arbeiten dabei vereinfacht dargestellt so: Die Maschine wird mit dem Spritzgießwerkzeug ausgerüstet, das aus zwei Metallblöcken besteht und innen hohl ist, Kavität genannt. Als Rohmaterial füllen die Mitarbeiter Granulat über einen Trichter in die Maschine. Eine eingebaute Schnecke plastifiziert das Granulat, das als flüssiges Material in die geschlossenen Metallblöcke gespritzt wird. Hier füllt es die Kavität aus und erhält die gewünschte Form sowie Oberflächenstruktur des fertigen Teils. Noch im Spritzgießwerkzeug wird die Form gekühlt, damit sie stabil wird. Die beiden Metallblöcke werden mechanisch geöffnet und ein Förderband transportiert das fertige Kunststoffteil aus der Maschine, das den Menschen zuhause hilft, auch weiterhin die Sonne ins Zimmer zu lassen.

FAKTEN UND KONTAKT
Gründung: 1967
Größe: 4400 m²
Kapazität: 600 t Material werden pro Jahr verarbeitet
Mitarbeiter: 30
Geier + Trapper GmbH & Co. KG
Rüblandener Straße 44
91242 Ottensoos
09123/960769-0
www.geier-trapper.com

N-Land Stefanie Camin
Stefanie Camin