24 Stunden, 24 Unternehmen: PZ-Kulturraum

Bühne frei für die Kultur

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Lauf — Mitternacht. Das Licht auf der Bühne ist längst aus, der Applaus ist verhallt, Selfies mit den Künstlerinnen sind geschossen. Die jungen Frauen von Tonic Sisters haben nach dem Auftritt eine Pizza gegessen, sind abgeschminkt und packen seit über einer Stunde ihre Utensilien ein – und derer haben sie reichlich. In der Garderobe herrscht Chaos: Jedes der vier Bandmitglieder hat vier Kostüme. Während die Damen ihre Kleidung aufhängen und versuchen, Herrinnen über das Durcheinander in der Garderobe zu werden, bringt einen nichts aus der Ruhe: Rainer Turba, Kulturraum-Verantwortlicher bei der PZ.

Weit nach Mitternacht und PZ-Kulturraum-Verantwortlicher Rainer Turba ist immer noch mit Freude bei der Arbeit – hier beim Schlichten der Stühle. Für das Bild posen die Mitglieder der Band Tonic Sisters zwar gelangweilt, aber auf der Bühne gehen sie ab und in der Garderobe herrscht bei ihnen Tohuwabohu. | Foto: Stefanie Camin, Rainer Turba2018/09/Rainer-Turba-und-Tonic-Sisters.jpg

Gut gelaunt trotz später Stunde stapelt er die Zuschauerstühle übereinander, wischt die Tische ab, füllt die Getränke auf und sorgt dafür, dass alles für die nächste Veranstaltung vorbereitet ist. Da wird es schon mal nach 1 Uhr morgens, bis der Kulturmanager Feierabend hat. Dennoch arbeitet Turba nicht nur nachts, denn die Veranstaltungen wollen vorbereitet werden. Allein die Terminabsprache für das Programm im Vorfeld kostet Zeit: „Bis jeder Künstler kann, wann er soll … das dauert!“ Er plaudert weiter aus dem Nähkästchen: „Oft wissen die Kabarettisten selbst drei Wochen vor der Premiere nicht, was sie eigentlich zeigen werden.“ Entsprechend allgemein sind die Texte von den Künstleragenturen, die er für das dreimal jährlich erscheinende Programmheft umschreibt. Stichwort Programm: Dieses kommt gut an bei den Zuschauern. Wenn es im Service Center der PZ zugeht wie am Montagmorgen bei Aldi mit Kinderschuhen im Angebot, kann das nur eines bedeuten: Der nächste Termin für Weltenbummler Walter Költsch oder Matthias Matuschik steht fest; beide sind seit vielen Jahren dabei, und einer ist beliebter als der andere.
Skurrile Bühnenanweisungen kommen von diesen beiden Herren nicht, da gibt es ganz andere. Bühnenanweisungen, das sind Vorgaben der Künstler, was sie sich alles vor, während oder nach dem Auftritt wünschen. Harmlos ist dabei das verlangte Zusammenspiel von Licht und Ton, interessanter ist schon die Auflage, wie weit der Weg von der Garderobe zur Bühne maximal sein darf. Turbas Favorit: „Sechs belegte Brote mit regionalen Spezialitäten und mit Liebe gebrautes lokales Bier.“

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Stephanie
Huber (24), Servicekraft
„Ich bin seit 2012 dabei. Mir gefällt das kleine Team, wir verstehen uns alle super, auch der Rainer als Chef ist toll. Und sogar die beiden Geschäftsführer, Lambert und Kai Herrmann, packen mit an, wenn es viel zu tun gibt, und schenken zum Beispiel Getränke aus. Das finde ich einmalig! Schön ist auch für mich, dass ich auch die jeweilige Veranstaltung mit ansehen kann.“
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Alexander Köhler (37), selbständiger Künstler
„Ich genieße die Freiheit, mich künstlerisch auf der Bühne auszuleben. Da kann ich Dinge tun, die im normalen Leben unmöglich sind. Den Rainer kenne ich schon sehr lange, ich schätze ihn als super Organisator, erfahrenen Musiker und tollen Techniker. Er sorgt dafür, dass alles gut klingt – im PZ-Kulturraum stimmen Licht und Ton einfach immer!“
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Katharina
Dupke (28), Kartenvorverkauf
„Ich bin diejenige, die die Kunden im Vorfeld berät – persönlich und telefonisch. Welche Veranstaltung, Platzwahl, Preiskategorie. Wenn der Kunde zu uns kommt, erhält er gleich die ausgedruckte Karte mit. Ich finde es toll, dass es den PZ-Kulturraum gibt mit den verschiedenen Richtungen von Comedy bis Konzert.“

„Ich bin mit ganzem Herzen dabei“, antwortet Geschäftsführer Lambert Herrmann auf die Frage, was ihm der PZ-Kulturraum bedeutet. Als er sich im Jahr 2006 aus dem Zeitungsverlag zurückgezogen und seinem Sohn Kai die Geschäfte überlassen hat, kam der PZ-Kulturraum als sein zweites Baby neben dem Buchverlag gerade recht: „Es gab damals ganz wenige kulturelle Veranstaltungsorte in Lauf“, blickt er zurück und ist inzwischen selbst ein bisschen stolz auf das anspruchsvolle Programm.
Dass sich der ganze Aufwand lohnt und der PZ-Kulturraum nicht nur bei den Besuchern, sondern auch bei den Künstlern gut ankommt, bringt Alexander Köhler auf den Punkt: „In den letzten Jahren habe ich so viele Bühnen sterben sehen. Da ist es schön, dass es in Lauf diesen Raum für Kultur gibt.“ Und Köhler muss es wissen, denn er tritt selber regelmäßig hier auf.

FAKTEN UND KONTAKT
Gründung: 2006
Größe: 200 m²
Kapazität: 75 Kulturveranstaltungen pro Jahr
Mitarbeiter: 1 + diverse Aushilfen

PZ-Kulturraum
Nürnberger Straße 19
91207 Lauf
09123/175-150
www.pz-kulturraum.de

N-Land Stefanie Camin
Stefanie Camin