Im Schatten der Burg

Wohnmobilisten schwärmen von der Laufer Altstadt

Der Musiker Tommilee, der mit richtigem Namen Thomas Voigt heißt, lobt die Altstadtnähe. Nur etwas laut sei der Standort der Stellplätze. | Foto: Janssen2018/09/Wohnwagen-Lauf-Musiker-Tommilee-Foto-Janssen-e1537547066932.jpg

LAUF — Seit sechs Jahren unterhält die Stadt Lauf eine kleine Stellfläche für bis zu vier Wohnmobile am Parkplatz Pegnitzwiesen. Bei Campern kommt die Lage in Altstadtnähe und die Ausstattung gut an, jetzt ist bei der Stadt im Gespräch, die Fläche zu vergrößern.

Ein mit Lammfellen ausgeschmücktes und außen und innen mit zahlreichen Aufklebern von Rockbands verziertes Fahrzeug älteren Sememsters ist der Blickfang auf der gepflasterten Fläche entlang der Karl­straße am Parkplatz Pegnitzwiesen. Das zum Tourbus umfunktionierte Wohnmobil des Musikers Tommilee, wie er sich selbst nennt, hat schon einige Jahre auf dem Buckel. „Mein Leben war schon immer ein Tourleben“, sagt der Sänger und Gitarrist, der mit bürgerlichem Namen Thomas Voigt heißt, während er sich entspannt einen Rotwein einschenkt.

Zwei, drei Tage macht Voigt Zwischenstation in Lauf, dann geht es weiter nach Gunzenhausen, wo er für einen Auftritt gebucht ist. Der 58-Jährige ist nicht zum ersten Mal in Lauf, den Stellplatz nutzt er immer wieder auf Tourneen. Man habe es nicht weit in die schöne Altstadt. Nur „etwas laut“ sei der Standort.

Seit 2012 gibt es die vier Stellplätze auf den Pegnitzwiesen, unweit der Laufer Kaiserburg und der Altstadt. Die Stellfläche ist für Camper gebührenfrei, es gibt eine Entsorgungsstation, Toiletten und eine Trinkwasserleitung, zum nächsten Supermarkt sind es etwa 400 Meter.

Laufs Bürgermeister Benedikt Bisping selbst hatte sich für den Bau der Stellplätze eingesetzt, wie er auf Nachfrage der Pegnitz-Zeitung erzählt. Er spricht von einer Erfolgsgeschichte. „Die Bedeutung des Platzes für den Tourismus ist nicht von der Hand zu weisen“, so der Grünen-Politiker. Camper nutzten oft auch dennahen Bahnhof Lauf links, um beispielsweise mit der S-Bahn nach Nürnberg zu fahren.

Keine offiziellen Nutzerzahlen

Wie gut besucht der Standort für bis zu vier Wohnmobile ist, darüber gibt es keine offiziellen Zahlen. Die Nutzung ist kostenlos, weder Anmeldung noch Parkschein sind nötig. Deshalb hat die Stadt auch keinen Überblick über die Nutzer.

Rückschlüsse ließen sich über Strom- und Wasserverbrauch ziehen, sagt Bisping, denn dafür ist ein kleiner Obulus fällig. 80 Liter Wasser und acht Stunden Strom kosten jeweils einen Euro. Die Münzen werden an der Servicestelle eingeworfen. Nach Angaben von Bisping ist der Stromverbrauch in den vergangenen drei Jahren um 80 Prozent gestiegen. Das zeige, „dass der Platz ausgesprochen gut angenommen wird“.

Der Bürgermeister glaubt, dass der Bedarf an Stellplätzen in den kommenden Jahren weiter steigen wird. Lauf sei als neues Mitglied der Burgenstraße prominent in einer neu erschienenen Broschüre speziell für Camper vertreten. „Das wird zusätzliche Wohnmobilisten anziehen,“ so Bisping. Er habe der Stadtverwaltung deshalb aufgetragen, eine Erweiterung der Fläche zu prüfen.

Die Ausstattung der Stellfläche mit Strom, Wasser, Toilette und Entsorgungsstation sei längst kein Standard, erklärt Hartmut Schipulowski. Der Rentner sitzt mit seiner Ehefrau Erika im gemeinsamen Wohnmobil und trinkt einen Tee. Vor fünfzehn Jahren, als er und seine Frau sich ihr erstes Wohnmobil gekauft haben, sei eine so gute Ausstattung wie in Lauf noch sehr selten gewesen. Auch heute könne sich der Standort durchaus sehen lassen. „In Österreich war es deutlich besser, in Deutschland änderte sich die Situation erst nach und nach“, ergänzt seine Ehefrau.

Schon mehrmals waren Erika und Hartmut Schipulowski aus dem Bayerischen Wald mit dem Wohnwagen zu Gast in Lauf. Sie schätzen die gute Ausstattung der Stellfläche auf den Pegnitzwiesen. | Foto: Janssen2018/09/Bildschirmfoto-2018-09-21-um-18.26.41.png

Gerade ist es recht ruhig auf dem Parkplatz, kein Wunder an einem verregneten Dienstagvormittag. Am Vorabend sei aber alles voll gewesen. „So schnell konnte man gar nicht gucken“, habe sich der Platz gefüllt, erzählt Hartmut Schipulowski. Der Rentner und seine Frau waren die ersten am Nachmittag. Später gesellte sich ein Bully aus Starnberg dazu, nach dem Sonnenuntergang hätten sich so viele Fahrzeuge eingefunden, dass der Platz knapp wurde – „alles rappelvoll“, sagt Schipulowski.

Praktische Lage in Altstadtnähe

Auch das Rentnerpaar aus Regen im Bayerischen Wald ist nicht zum ersten Mal in Lauf. Diesmal machen sie Station auf der Rückreise aus dem Aischgrund.
Besonders schätzen die „Unruheständler“, wie sie sich selbst scherzhaft nennen, Laufs historische Altstadt und die grüne Gegend. „Perfekt für einen Wochenendausflug“, ist die Stadt, findet Hartmut Schipulowski, weil die Stellplätze so nah an der Altstadt gelegen sind.

Die Regener sind überzeugte Camper. „Durch unser Wohnmobil sind wir räumlich ungebunden“, schwärmt Hartmut Schipulowski. Er ist sich sicher, dass sich deshalb immer mehr Menschen für ein mobiles Urlaubsgefährt entscheiden würden.

Dabei ließen Tagesausflügler durchaus auch Geld in der Stadt, wie seine Frau anmerkt. „An einem schönen Ausflugswochenende sitzt das Geld nicht allzu fest in der Tasche. Wir genießen es, hier fränkisch essen zu gehen, gemütlich durch die Stadt zu bummeln, uns in ein Café zu setzen und Souvenirs einzukaufen.“

Camper sind gut informiert

„Wohnmobilisten sind Individualisten“, sagt Dieter Donhauser, der sich bei der Stadt Lauf unter anderem um Touristen und Fremdenverkehr kümmert. Seiner Erfahrung nach sind solche Touristen meist sehr gut über die jeweilige Gegend und ihre Sehenswürdigkeiten informiert, weil sie bereits vor der Anreise im Internet recherchieren. Legen sie trotzdem den kurzen Weg zum „Info Point“ im Wenzelschloss zurück, kann das Personal dort zahlreiche Prospekte zu Attraktionen im ganzen Landkreis anbieten. „Speziell auf Camper zugeschnittenes Material der Stadt Lauf gibt es keines, aber weil die Besucher ihr Wohnmobil meist sowieso stehen lassen und entweder mit dem Rad oder mit der Bahn unterwegs sind, nehmen sie gerne Infrobroschüren mit.“

Sieben Stellplätze für Wohnmobile gibt es im ganzen Landkreis Nürnberger Land, die meisten davon im Hersbrucker Raum. „Gebührenfrei sind aber nur die vier Stellplätze in Lauf, die vier Plätze in Altdorf und fünfzehn in Velden,“ sagt Petra Hofmann vom Landratsamt Nürnberger Land, die für den Tourismus zuständig ist. Kostenpflichtige Campingplätze gibt es unter anderem auch in Heiligenmühle und Haimendorf.

In Lauf sei es von Anfang an das Ziel gewesen, dass die Stellplätze kostenlos sind, sagt Richard Brübach von der Straßenverkehrsbehörde der Stadt. „Der administrative Aufwand ist sonst einfach zu groß, zudem entstehen durch den Platz kaum Kosten, denn sie decken sich bis jetzt durch die für Wasser und Strom erhobenen Gebühren.“

Dass man sich in Lauf nicht anmelden muss, finden aber nicht alle gut. Durch die fehlende Kontrolle sei schließlich nicht nachweisbar, wie lange die Besucher den Platz in Anspruch nehmen, klagt Hartmut Schipulowski. „In der Regel bleibt der Großteil der Besucher des Stellplatzes nur für eine kurze Zeitspanne. Allerdings gibt es Ausnahmen,“ so der Rentner.

In der Moselgegend sei das Ehepaar vor Jahren auf einem Platz gewesen, der idyllisch an einem Flussarm lag und sich deshalb großer Beliebtheit erfreute. „Einige Besucher haben schamlos ausgenutzt, dass man keine Stellgebühren zahlen musste. So verbrachten ganze Familien ihren Jahresurlaub dort.“, erinnert er sich. Gegen diese Praxis komme man leider nur durch Parkgebühren an. „Sonst kann es passieren, dass der Stellplatz zum Campingplatz umfunktioniert wird.“

Keine ungewollten Dauergäste

In Lauf sei dieses Problem in sechs Jahren aber nur ein bis zwei Mal aufgetreten, sagt Bürgermeister Bisping auf Nachfrage. Stichprobenartige Überprüfungen stellten sicher, dass sich auf den vier Parkflächen niemand häuslich einrichtet, so Bisping.

In der Kreisstadt seien die Kaiserburg, die Altstadt und das Industriemuseum die größten Besuchermagnete, so Dieter Donhauser. Diese Einschätzung teilt der Tourismus-Experte mit dem Rentnerpaar Schipulowski und Musiker Tommilee, die gerne durch die Gassen der Laufer Altstadt und über den Marktplatz schlendern. Die Regener und der Musiker können sich gut vorstellen, auf ihren Reisen erneut Quartier im Schatten der Laufer Kaiserburg zu beziehen.

Britta Janßen

N-Land Pegnitz-Zeitung
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