Tourismus in der Hersbrucker Schweiz

Wo sind die Jung-Hoteliers?

Klettern ist eine herausragende Möglichkeit in der Hersbrucker Schweiz. Das Bild entstand am Riffler bei Alfalter. | Foto: J. Luft/TI NL2017/12/alfalter-touri.jpg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Wandern, Klettern, Radfahren und die Therme als ein Highlight − das sind die Standbeine der Tourismusregion Hersbrucker Schweiz. Die Übernachtungszahlen sind stabil, 2016 waren die Betten in reinen Gästeunterkünften rund 11.000 Mal belegt, wobei viele natürlich auch Geschäftsreisende sind. Und Bruno Schmidt, der langjährige Vorsitzende des Tourismusvereins, sagt im Gespräch mit der HZ: „Der Tourismus in der Hersbrucker Schweiz funktioniert nach wie vor.“ Allerdings fehlen Gastwirte und Gästebetten. Dasselbe sagt seine Kollegin Sabine Hörl vom Tourismusverein Velden.

Viele frühere Hotels und Pensionen blieben ohne Betreibernachfolger und sind heute geschlossen oder werden anderweitig genutzt. Deshalb fehlt Kontingent für größere Übernachtungsgruppen. Auch wäre eine Auswahl verschiedenartiger Angebote gut. Deshalb meint Schmidt: „Der Planung für ein neues Hotel im Hersbrucker Posthof kann man nur viel Erfolg wünschen.“ Derzeit gäbe es zwar einen ernsthaften Interessenten für den Betrieb, aber es fehlt noch ein Investor, der das Projekt der Firma Maisel finanziert und dann weiterverpachtet.

Dies wäre eine Anfang. Sabine Hörl aus Velden sagt im Grunde dasselbe wie ihr Kollege Bruno Schmidt, mit dem Unterschied, dass insgesamt im oberen Pegnitztal die Gästezahlen im Sinkflug sind. Waren es um das Jahr 2000 noch 15.000 Übernachtungen im Jahr, sind es inzwischen nur noch 8000. Das sei auch kein Wunder, sagt sie. Denn wohin soll man denn zwischen Alfalter und Velden, bis auf wenige Ausnahmen, noch zum Essen gehen? In Velden gab es früher 13 Wirtshäuser, heute sind es noch vier, zurzeit krankheitsbedingt sogar nur drei. Immer mehr schließen, weil sie keine Nachfolger haben. Der Tourismusverein habe schon nachgefragt, wie er helfen könne. Das Interesse sei — gelinde gesagt — mäßig gewesen.

Dabei sind die Angebote gut. Angler kommen vor allem im Frühjahr gerne, Wanderer das ganze Jahr über, aber besonders gerne im Herbst, und das Klettern boome ohnehin. Die Nachfrage nach ordentlichen Quartieren steige sogar, denn „die Zeiten sind vorbei, als die Kletterer am liebsten im Wald campierten“.

Bruno Schmidt dagegen ist mit den Gästezahlen zufrieden. „Bei den Übernachtungszahlen dürfen Sie nicht vergessen: Erst ab neun Betten sind Betriebe meldepflichtig, wir haben aber auch einige Ferienwohnungen und sind zum Beispiel bei Airbnb gut vertreten“. Letzteres bedeutet: Privatleute vermieten über das Internet einzelne Betten, die in keine Statistik einfließen. Bei Vereinsaktivitäten wie Rundfahrten, Stadt- und Turmführungen ist die Zahl von 2000 Teilnehmern jedes Jahr stabil.

Schmidt will die Sicht auf den Tourismus auch nicht auf die Hersbrucker Schweiz beschränkt wissen, die er betreut. Das ganze Nürnberger Land, das mit der Tourist-Info am Landratsamt in besten Händen sei, und auch die angrenzende Oberpfalz mit ihren Übernachtungsmöglichkeiten zählten dazu. Nutzer der immer beliebter werdenden Buchungsportale wie booking.com orientierten sich großräumiger. Soll aber vor Ort mehr geschehen, dann wäre es wichtig, so Schmidt, dass die Einheimischen dahinterstehen. Er spricht damit ein altes Problem an. Jüngere verstünden inzwischen aber besser, dass eine gute touristische Infrastruktur auch ihr eigenes Lebensumfeld aufwertet.

Grundsätzlich sei Initiative gefragt, von finanzstarken oder mutigen Jungunternehmern. Es sei sicher nicht leicht, im Freizeit- und Touristikbereich eine Existenz zu gründen, „aber auf Dauer kann das hier lohnenswert sein“. Positive Beispiele, wie die „Seeterrassen“ oder die neue Gaststätte am Baggersee, gebe es ja. Letztlich müssten Touristiker und Politiker das alles sowieso dem „freien Unternehmertum“ überlassen.

Voll des Lobes sind Schmidt und Hörl über die Zusammenarbeit mit der Dachmarke Nürnberger Land und der Stadt Hersbruck. Von einer engen Kooperation aller 13 Gemeinden im Altlandkreis und der Gastronomie könne allerdings nicht die Rede sein.

N-Land Michael Scholz
Michael Scholz